3. Juli 2007 - 2:05 / Musik
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(Erl) Seit 10 Jahren gibt es sie: Die Kuh auf grüner Erler Wiese, die für die Tiroler Festspiele Erl muht. "Wagner" heißt das alte Stichwort — und wird nicht wiedergekäut, sondern mit zeitgenössischen Namen verknüpft. Heuer sind das: Stefano Gervasoni, Elmar Lampson und Wolfgang Rihm.

"Wir sind keine Wagner-Wahnsinnigen. Das "andere Bayreuth", als das wir nun bezeichnet werden - das wollten wir nie sein. Aber wir haben hier eine fixe Wagner-Gemeinde von 3.000 bis 4.000 Leuten, die immer herkommen, wenn wir Wagner spielen." Seit Mitte Juni probiert Gustav Kuhn, Dreh- und Angelpunkte des Festivals, im akustisch astreinen Festspielhaus auf der grünen Wiese, das eigentlich Spieltenne für die alle sechs Jahre stattfindenden Erler Passionsspiele ist. Der grüne Hügel ist in Bayreuth, und so soll es bleiben. Hier, in Erl, ist Musik Passion, und weil sich das nicht auf den Sommer beschränkt, soll auch noch eine Wintersaison etabliert werden, in einem extra "Winterhäuschen". (Das Sommerhaus ist nicht beheizbar.) Aber das ist Zukunftsmusik.

Gegenwärtig hingegen ist die Eröffnung der zehnten Saison am 5. Juli. Gérard Mortier wird sie wie 1998 — zu Gründungszeiten des Festivals — vornehmen. "Über die Felder und Berge wird es das Volk in großen Scharen herbeibringen, um mit Freude und Begeisterung in Bruckners Kathedrale einzutreten, in der das strahlende Licht aus der Dämmerung der Mystik hervorbricht", prophezeihte er damals. "Wie aus Kristall, von Eis und Schnee und mit der Farbenpracht von Enzian und Almrausch." Tatsächlich ist auch heuer Bruckner programmiert, die 3. Symphonie, "die mit dem Trompetenthema", welche sich der Meister aus Bayreuth 1873 höchstselbst vom untertänigsten Bruckner widmen ließ. Dann geht es aber auch schon gleich zur Sache — und die ist allemal Wagner. Nach dem "24-Stunden-Ring" von 2005 lautet heuer das Motto "Wagners Ring hat 7 Teile". Wollte man’s durchzählen: Tag 1 – Das Rheingold, Tag 2 – Die Walküre, Tag 3 – Siegfried 1. & 2. Akt + Meistersinger (Lesung 1. Teil), Tag 4 – Tristan und Isolde, Tag 5 – Siegfried 3. Akt + Meistersinger (Lesung 2. Teil), Tag 6 – Götterdämmerung, Tag 7 – Parsifal.

Bei dreimaligem Durchlauf ergibt das insgesamt 21 Spieltage. Vor den Reprisen ist jeweils ein Konzertabend mit zwei Sinfonien Brahms geschaltet (der übrigens weder Bruckner noch Wagner schätzte). Eben diese beiden Abende verhindern, dass Kuhn quasi pausenlos vom 5. bis zum 28. Juli dirigiert: Für drei Uraufführungen von Werken zeitgenössischer Komponisten steht nämlich Tito Ceccherini am Dirigentenpult des Haydn Orchesters Bozen—Trient. Ceccherini war schon in Anfangszeiten der Festspiele für diesen Part zuständig, jenen modernen Fruchtgenuss, der nach einem klassischen Abend gegen 23 Uhr immer noch auf an die 500 interessierte Zuhörer stieß. Heuer kommen Orchesterwerke von Stefano Gervasoni (1962, Bergamo) respektive Elmar Lampson (1952, Koblenz) zwischen Brahms Zweiter und Erster (13. Juli); kommt Wolfgang Rihms "Sotto Voce II" für Klavier (Nicolas Hodges) und Orchester zwischen Brahms Dritter und Vierter gleich 1.500 anwesenden Brahmsianern zu Gehör (21. Juli). Ja, und die Erler Kühe werden wieder beschwingt sein, schöne Augen machen und viel Milch geben! (bs)



  •  5. Juli 2007 28. Juli 2007 /
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Gustav Kuhn
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Götterdämmerung
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