Wien setzt damit ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus. Das Denkmal für den ehemaligen Bürgermeister Karl Lueger wurde künstlerisch umgestaltet und in einen neuen Kontext gesetzt. Nach dem Entwurf von Klemens Wihlidal wurde es um 3,5° nach rechts geneigt. Durch die Umarbeitung wurde ein Lern- und Diskussionsort geschaffen, der Besucher:innen für Antisemitismus und politischen Populismus sensibilisieren soll.
Das Projekt zur Umgestaltung des Lueger-Denkmals in ein Mahnmal resultiert aus der breit geführten Debatte in Wien über den Umgang mit der historisch belasteten Persönlichkeit Karl Luegers.
Bereits im Jahr 2021 fand dazu im Festsaal des Rathauses ein Forum mit Expert:innen aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft statt. Dabei wurde deutlich, dass die Stadt ein starkes Zeichen setzen möchte, das eine Auseinandersetzung mit Geschichte, Antisemitismus und Verantwortung im Heute anregt – in Form einer direkten Auseinandersetzung mit der Statue. Im Jahr 2022 wurde ein Wettbewerb für die permanente Kontextualisierung ausgeschrieben. Unter den 13 Einreichungen der zum Wettbewerb eingeladenen Künstler:innen überzeugte der Entwurf von Klemens Wihlidal eine international besetzte Jury aus den Bereichen Kunst, Wissenschaft, Verwaltung und Politik.
Durch den künstlerischen Eingriff „Schieflage (Karl Lueger 3,5°)” wird das Denkmal um 3,5 Grad nach rechts geneigt, wodurch die unkritische Huldigung Luegers durchbrochen wird. Mit dieser simplen künstlerischen Geste bringt Klemens Wihlidal das Denkmal optisch aus der Balance und schafft ein Bild zwischen Stehen und Fallen. Sockel und Statue verharren in einem Zustand des permanenten Falls, wodurch dem Denkmal der Anspruch auf Monumentalität entzogen wird. Diese Irritation soll die öffentliche, kritische Diskussion über den Umgang mit Karl Lueger und dessen antisemitischer Rhetorik und Politik am Leben erhalten.
Nach Abschluss aller notwendigen Vorarbeiten, Materialüberprüfungen und Ausschreibungen wurde im Januar 2026 mit der baulichen Umsetzung von „Schieflage (Karl Lueger 3,5°)” begonnen. Im Zuge der Restaurierung wurden die abgeschlagenen Teile der Skulpturen und Reliefs wiederhergestellt sowie Farb- und Bitumenschichten am Denkmal entfernt. Die Konstruktion aus Sockel und Statue unterliegt dem Denkmalschutz. Die ohnehin vom Bundesdenkmalamt vorgegebenen Instandhaltungsmaßnahmen wurden parallel zu den Baumaßnahmen vorgenommen und konnten so unter Werkstattbedingungen kostenschonend umgesetzt werden.
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich im Zeitraum von 2022 bis 2026 auf rund 776.000 Euro.