Künstlerische Erkundung der Quantenphysik

Im Rahmen des internationalen Jahres der Quantenwissenschaft und -technologie, das die Vereinten Nationen ausgerufen haben, findet im HEK in Basel die internationale Gruppenausstellung "Quantum Visions – Erkundungen des Unbestimmten" statt. Sie lädt dazu ein, die physikalische Welt neu zu denken und die vielfältigen Phänomene und Auswirkungen der Quantenphysik auf Wissenschaft, Gesellschaft und Philosophie künstlerisch zu erkunden.

Was geschieht mit unserem Verständnis von Realität, wenn grundlegende Prinzipien wie Stabilität und Berechenbarkeit ins Wanken geraten? Während die Relativitätstheorie zeigte, dass Zeit und Raum relativ sind, brachte die Quantenphysik das Verständnis hervor, dass die Welt auf Unbestimmtheiten und Wahrscheinlichkeiten basiert. Das Jahr 2025 markiert einen Wendepunkt: Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat es als Schlüsseljahr in der Quantenforschung und -technologie ausgerufen. Denn Quantencomputing verspricht, die Grenzen klassischer Computertechnologie zu überwinden – und erfordert zugleich ein neues Verständnis von Wirklichkeit. Im Gegensatz zur binären Logik klassischer Computer (0 und 1) arbeiten Quantencomputer mit sogenannten Qubits. Diese können mehrere Zustände gleichzeitig einnehmen und verarbeiten. Dieses Prinzip inspiriert auch die künstlerischen Positionen der Ausstellung. Die Künstler:innen der Ausstellung beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit der Quantenwelt: Einerseits greifen sie physikalische Konzepte wie Superposition, Verschränkung oder Wahrscheinlichkeitsräume auf und übersetzen diese in künstlerische Werke. Andererseits arbeiten einige direkt mit Quantencode und Quantencomputern, um ihre Werke zu generieren.

Einige Arbeiten sind speziell für die Ausstellung entstanden, darunter das Werk „herethere” von Amanda E. Metzger, die in ihrer künstlerischen Praxis mit der Multiplikation ihrer eigenen Persönlichkeit spielt. Die Künstlergruppe Encor Studio präsentiert eine neue Lichtinstallation aus ihrer Serie „Adsum”, die mit unserer Wahrnehmung spielt. Auch Elisa Storelli nimmt in ihrem neuen Werk „Perception Misconception” die Fluidität unserer Wahrnehmung in den Blick. Semiconductor hat mit „Probable Drawings” wiederum Zeichnungen produziert, die die Wahrscheinlichkeitsverteilungen von Teilchen im Raum verdeutlichen. Adriana Knouf geht in „Quantal Canto” der Manifestation von Quantengeräuschen nach. Die Künstlerin und ehemalige Quantenphysikerin Libby Heaney, der das HEK bereits 2024 eine Einzelausstellung mit dem Titel „Quantensuppe” widmete, ist mit ihrem neuen Werk „Nibble My Multiverse” präsent. Darin verbindet sie Quantenphysik, queere Theorie und digitale Kultur in einer generativen Videoinstallation.

Werke wie „Quantum Lens” von Studio Above & Below machen quantenphysikalische Phänomene mittels Extended-Reality-Technologie (XR) visuell anschaulich und erfahrbar. Joan Heemskerk bezieht sich in mehreren Werken wiederum auf die wissenschaftlichen Grundlagen unserer informationsgesteuerten Gesellschaft und spekuliert, wie diese sich in einem Quantendenken verändern könnten. In parallele Welten entführt die interaktive Arbeit „Ever’ett“ von Z1 Studio. Auch Ayoung Kim lässt in „Delivery Dancer: Sphere“ ihre Protagonistin im imaginären Seoul auf verschiedene Versionen ihrer Selbst treffen.

Zu sehen sind Werke von Encor Studio, Libby Heaney, Joan Heemskerk, Ayoung Kim, Adriana Knouf, Amanda E. Metzger, Semiconductor, Elisa Storelli, Studio Above & Below und Z1 Studio.

Quantum Visions
Erkundungen des Unbestimmten
23. August bis 16. November 2025
Kuratorin: Sabine Himmelsbach