Künstler:innenkollektiv Para – Die Unmöglichkeit zu teilen

Der Kunstverein Friedrichshafen zeigt noch bis zum 14. September 2025 die Ausstellung „Die Unmöglichkeit zu teilen (Teil 3)” des Künstlerkollektivs Para.

Die Ausstellung widmet sich den Zusammenhängen von ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Zukunftsszenarien rund um das Thema Wasserversorgung, das in diesem Jahr das zentrale Forschungsthema des Kollektivs Para ist. Angesichts der katastrophalen Klimaveränderungen der letzten und kommenden Jahre wird deutlich, welche Konfliktpotenziale in der ungleichen Verteilung von Wasser liegen. Während an manchen Orten Überschwemmungen auftreten, trocknen an anderen Stellen Flüsse aus. Der Bodensee gilt als scheinbar unendliches Trinkwasserreservoir für die baden-württembergische Bevölkerung, das größtenteils aus der Schweiz gespeist wird.

Mittels einer von Para entwickelten installativen Umverteilungsanlage in den Ausstellungsräumen des Kunstvereins Friedrichshafen adressiert die Gruppe Fragen der Umverteilung der Ressource Wasser. In abgefüllten Portionen befindet sich Brunnenwasser direkt aus der Schweiz, dem Wasserschloss Europas. Para entnahm dieses Wasser mithilfe der Installation im vorhergegangenen zweiten Kapitel der Arbeit dem Schweizer Wasserkreislauf und brachte es außer Landes. Die Besucher sind eingeladen, sich mit diesen Wasserportionen aktiv an der Umverteilung des wertvollen Rohstoffs zu beteiligen. Werdet Teil der Umverteilung! Holt euch eure Wasserportionen ab und entscheidet: Erhöht ihr heute endlich wieder den Pegel des Sees vor der Haustür oder lagert ihr das Wasser für zukünftige Apokalypsen im Keller ein?

Der Umverteilungskiosk stellt den zentralen Teil der Installation im Erdgeschoss dar. Hier sind die Besucher dazu aufgerufen, abgefüllte Wasserportionen mitzunehmen und diese entweder unmittelbar oder in einer trockeneren Zukunft in den Bodensee umzuverteilen.

Anhand einer Weltkarte am Kiosk erhält das Publikum Einblick in die bereits erfolgte weltweite Umverteilung des Wassers im Laufe des Projekts.

Im Obergeschoss ist die Chronik der Austrocknung als Audioinstallation zu hören. Außerdem gewährt Para anhand einer Videosequenz Einblick in den Wasserraub in der Schweiz.

Para hinterfragt mit künstlerischen, spekulativen Strategien das vermeintlich Normale und Übliche. Wird der Wasserspiegel des Sees sinken, wenn die Schweizer Gletscher im Zuge des Klimawandels abgeschmolzen sind oder die Schweiz die Zufuhr weiter reguliert? Ist der relative Ressourcenreichtum der Region eine Verpflichtung zum Teilen?

Um die zeitliche Umverteilung der Ressource Wasser zu unterstreichen, geht ein Teil des in der Schweiz angeeigneten Wassers nach Ende der Ausstellung in verplombten Behältnissen in die Sammlung des benachbarten Zeppelin Museums in Friedrichshafen über. Mit dieser Musealisierung des heute noch scheinbar im Überfluss vorhandenen Rohstoffs nimmt Para eine Zukunft des Mangels vorweg und stellt zudem eine bestmögliche Konservierung sicher.

Para ist eine Gruppe, die aus zehn Künstlerinnen und Künstlern, Designer:innen, Architekt:innen und Wissenschaftler:innen unterschiedlicher Disziplinen besteht. Ihre Performances, Installationen, Kampagnen, Ausstellungen und Interventionen im öffentlichen Raum wurden in Zusammenarbeit mit dem Künstler:innenhaus Mousonturm in Frankfurt am Main, der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst in Berlin, dem Grassi Museum für Völkerkunde in Leipzig sowie im Rahmen zahlreicher Festivals präsentiert.

Die Unmöglichkeit zu teilen (Teil 3)
Para
Bis 14. September 2025