Der in Feldkirch lebende und arbeitende Künstler Nikolaus Walter, Jahrgang 1945, zählt zu den bedeutendsten Vertretern der österreichischen Autorenfotografie. Ein zentraler Teil seines Schaffens sind Langzeitstudien zu sozial- und kulturgesellschaftlichen Themen. Während fünf Jahrzehnten hat er immer wieder auch Künstler:innen in schwarz-weißer Aufnahmetechnik im Bild festgehalten. Die Galerie Lisi Hämmerle präsentiert eine Auswahl von über 80 Arbeiten aus diesem Zyklus.
Nikolaus Walter ist ein Flaneur mit der Kamera, ein geduldiger Beobachter mit einem Auge für das Wesentliche. Seine Bilder sind keine bloßen Abbildungen, sie sind persönliche Essays. Während er mit seinen einfühlsamen Doku-Serien, wie etwa über das raue Leben im Großen Walsertal oder den „Toronto Cowboy“, internationale Anerkennung fand, sind sein Porträts von Kunstschaffenden nun erstmals in dieser Dichte öffentlich zu sehen.
Wenn Nikolaus Walter Künstler:innen porträtiert, entstehen keine gestellten PR-Fotos. Er sucht die Begegnung. Er betritt Ateliers, oft ein Ort des Chaos und der höchsten Konzentration, und wartet. Er wartet auf den Moment, in dem die Maske fällt, und sich das Wesen des Porträtierten mit dem in umgebenden Raum im Einklang befindet. Oder er nähert sich den in den Fokus genommenen Kulturschaffenden mit der Kamera bei markanten Posen im Freien oder direkt bei künstlerischen Tätigkeiten im öffentlichen Raum.
Da ist beispielsweise Tone Fink, den Walter 1989 beim bereits legendären „Achrettungssprung“ an der Bregenzer Ache fotografiert hatte. Der Fotograf hat den Künstler genau am höchsten Punkt des Sprunges im Bild festgehalten. Es ist ein Bild voller Bewegung und Dynamik. Den Maler Hubert Berchtold wiederum zeigt er bei der Wandgestaltung im Vorarlberger Landhaus, die Computerkünstlerin Ruth Schnell bei der Einrichtung einer Ausstellung und Hubert Matt sowie Gottfried Bechtold im Durcheinander ihrer Ateliers ganz auf sich bezogen.
Einer der wohl bewegendsten Momente in der Entstehung dieser Serie war wohl Walters Begegnung mit Brassaï, dem legendären „Auge von Paris“. Wenn der österreichische Fotograf den ungarisch-französischen Fotografen, Bildhauer, Filmemacher und Schriftsteller, der die Nacht von Paris wie kein anderer dokumentiert hat, dann ist das ein respektvoller Dialog zweier Meister des Schwarz-Weiß. Walter porträtiert Brassaï nicht als Star, sondern als Sehenden, der die Welt durch die Kamera wahrnimmt.
Nikolaus Walter, der selbst ein begnadeter Erzähler mit der Kamera ist, erinnert sich oft noch Jahrzehnte später an die Namen und Geschichten der Menschen auf seinen Fotos. Seine Künstler:innenporträts sind Begegnungen auf Augenhöhe. Sie zeigen das Besondere, die Schönheit und auch die Melancholie, die Kunst und Leben miteinander verweben.
Wenn man heute seine frühen Aufnahmen aus den 1970er Jahren betrachtet und sie neben die aktuellen Porträts legt, erkennt man: Walter ist sich stets treu geblieben. Er blendet das Skurrile nicht aus, macht keine sozialen Unterschiede und sucht stets das, was bleibt, wenn das Licht verblasst – das Wesen hinter dem Bild. Er nimmt den Menschen Bilder ab, ohne sie bloßzustellen. Sein wacher Blick erkennt den richtigen Moment, aus dem sich seine Bildgeschichten erst entwickeln können.
Nikolaus Walter ist längst mehr als ein Chronist aus Vorarlberg;. Er ist ein stiller Bewahrer von Augenblicken, ein Poet der Fotografie, dessen Künstlerporträts offenlegen, wie die, die unsere Welt kreativ gestalten, selbst in der Welt stehen.
Nikolaus Walter: „Künstler:innen-Porträts“
28.2. bis 28.3.2026
Eröffnung: Sa, 28. Februar 2026, 17 Uhr
Worte: Karlheinz Pichler
Öffnungszeiten: Mi bis Fr 15-19, Sa 11-14