Die nächste von der Künstlerinnenkuratorin Christine Lederer organiserte Ausstellung im Bludenzer Kunstraum Remise ist der 1982 in Deutschland geborenen Multimediakünstlerin Kristina Schmidt gewidmet, die vor allem mit Gemälden und Installationen bekannt geworden ist, in denen sie sich in gleichem Maße kritisch wie humorvoll mit Themen wie der fragwürdigen Subjektivität des „Typs“ Künstler, den kommerziellen Mechanismen des Kunstbetriebs und kulturell-gesellschaftlichen Konditionierungen auseinandersetzt. Im Rahmen ihrer künstlerischen Praxis kombiniert sie immer wieder klassiche Kunsttechniken wie etwa Ölmalerei mit Elementen aus der DIY-Kultur (Do-it-Yourself-Kultur), beispielsweise dem Arbeiten mit Pappmasché, oder Videogam
Die Künstlerin überschreibt ihre Bludenzer Ausstellung mit dem verlockenden Titel „Spa Resort Schmidt“. Diese Schlagzeile klingt nach Ferienparadies, hat mit der Ausstellung selbst inhaltlich allerdings nicht viel zu tun, sondern ist viel eher eine Referenz der aus der Großstadt kommenden Künstlerin an die Kleinstadtidylle der in vier Täler eingebetteten Alpenstadt Bludenz. Mit dem Titel setzt sie zudem ein Zitat auf frühere Werkschauen wie beispielsweise „Schmidti City“ 2020 in der Münchner Galerie Christine Mayer.
Im Kunstraum Remise zeigt Kristina Schmidt ein komplexes Setting, bei dem sich sogenannte klassische Kunst mit niederschwelligen Anordnungen überlappen. So zeigt sie mehrere Gemälde, die klassisch mit Ölfarbe auf mit Keilrahmen bespannten und mit Knochenleim bearbeiteten Leinwänden geschaffen wurden. Karikiert werden diese klassischen Anlehnungen inhaltlich von comicartigen Selbstporträts, die sich im Bild vor flapsig kopierten Werken aus der Kunstgeschichte in unterschiedlichsten Posen in Szene setzen. Diesen Gemälden wiederum stehen schräge, komische und mitunter lustige Figuren aus Pappmasché gegenüber, die wiederum auf Ready-Made-Sockeln platziert sind, die kitschig an antike Säulenordnungen erinnern und somit ebenfalls persiflierte klassische Referenzen aufweisen.
Die Pappmache-Objekte sind teils Resultat des von Kristina Schmidt in München initiierten „Clay Club Schmidt“. Ausgangspunkt dieses Clubs ist das Maximilianforum im Untergrund der Maximilianstrasse, das ihr von der Stadt für ihre Experimente zur Vergügung gestellt wurde. Ursprünglich wollte sie dort einen Brennofen aufstellen, um Keramiken herzustellen. Aus Sicherheitsgründen wurde dies jedoch abgelehnt. Deshalb wich sie auf Pappmasché aus, das ihr aufgrund des DIY-Backgrounds ohnehin durchaus entgegen kam. Zu den bunten figurativen Experimenten mit diesem Material hielt Diana Ebster vom Kulturreferat München fest: „In ‚amüsanter Schaubuden-Ästhetik‘ thematisiert Kristina Schmidt scheinbar Leichtigkeit, geht aber eigentlich der eigenen individuellen und künstlerischen Existenz und deren Bedingungen und Möglichkeiten nach – zwischen Kunstbetrieb, eigenem Anspruch und Klischee.”
Diese auf trashigen Sockeln präsentierten Figuren haben den Vorteil, dass sie flexibel zu beliebigen, jeweils auf den entsprechenden Raum abgestimmten Choreografien arrangiert werden können. Das gilt auch für Bludenz. Als spezielle Eye-Catcher will die Künstler zudem einen monumentalen Pinsel und einen überdimensionalen Farbstift, beides ebenfalls aus Pappmache, mitbringen. Ein weiteres subversives Statement, um auf die Abgehobenheit vieler Exponenten der Kunstgeschichte zu verweisen.
Kristina Schmidt ist vor drei Jahren nach München zurückgekehrt, wo sie bereits früher Meisterschülerin für Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste war. Die sechs Jahre davor lebte und arbeitete sie in New York. Dort absolvierte sie auch ein Postgraduiertenstudium (Studio Art, Concentration New Genres) und lehrte nach dem Abschluss MFA von 2020 bis 2023 als Assistenzprofessorin am Hunter College. Die Vermittlung von Kunst ist ihr nach wie vor ein großes Anliegen. Vor allem das Feedback von jungen und älteren Ausstellungsbesuchern bedeutet ihr viel und liefert ihr wertvolle Impulse. Auch in Bludenz wird sie grossen Wert darauf legen, in direkten Austausch mit dem Publikum zu treten und dies zu dokumentieren.
Kristina Schmidt: „Spa Resort Schmidt“
30.4.-7.6.26
Eröffnung: Donnerstag, 30.4., 20.00 Uhr
Kuratorin: Christine Lederer
Mi-Sa, So u. Fe 15-18