11. März 2020 - 7:44 / Aktuell / Malerei  / Reminder
12. März 2020 27. September 2020

Das Herzstück der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien ist das Triptychon mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts von Hieronymus Bosch (um 1450/55 – 1516). Der dreiteilige Altar zählt zu den weltweit bedeutendsten Kunstwerken der Zeit um 1500 und ist das zweitgrößte Werk Boschs. Das Retabel gibt bis heute Rätsel auf und ist der unbestrittene Publikumsmagnet der Sammlung.

Die Ausstellungsreihe zeigt Korrespondenzen zwischen dem Werk des niederländischen Malers und dem anderer KünstlerInnen auf und setzt in regelmäßiger Folge Kunstwerke zu seinem Weltgerichts-Triptychon in Beziehung. Es werden überraschende Verbindungen zwischen unterschiedlichen Medien und KünstlerInnen sichtbar, die Perspektive auf Bosch wechselt. In der Gegenüberstellung mit Arbeiten anderer Künstler_innen – seien es Gemälde, Graphiken, Skulpturen, Videoarbeiten oder Photographien – können die BetrachterInnen immer wieder neue Facetten von Boschs Meisterwerk entdecken.

Christine Schlegel: Reservate abtrünniger Engel

Die 1950 in Sachsen geborene Christine Schlegel studierte von 1973 bis 1978 Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Seit Beginn der 1980er Jahre beschäftigte sie sich zusätzlich zur Malerei mit Buchobjekten, Künstlerzeitschriften, Experimentalfilmen und Performances. Mit dem "staatssozialistisch verordneten Realismus" in der DDR konnte die Künstlerin nie etwas anfangen. 1986 verließ sie mit Hilfe einer fingierten Eheschließung das Land und ging über die Niederlande nach Westberlin. Arbeitsaufenthalte führten sie in die USA, nach Schottland und Umbrien sowie nach Südamerika. Seit dem Jahr 2000 lebt und arbeitet sie wieder in Dresden.

Bis heute ist die vielseitige Künstlerin in verschiedenen Medien tätig: Malerei, Zeichnung, Druckgraphik, übermalte Fotografien, es entstehen skulpturale Objekte und Installationen, auch Keramiken schuf Schlegel.

Christine Schlegel ist eine leidenschaftliche Malerin, in ihren farbintensiven Bildern sehen wir eine hintergründige Phantastik, rätselhafte Gestalten und Geschichten, oft surreal anmutend. Im Alter von 18 Jahren bekam die Künstlerin zu Weihnachten ein großes Buch über Hieronymus Bosch, der sie sofort begeisterte. Später blieben ihr das Skurrile, Wimmelbildhafte, die Aneinanderreihung von Episoden im Gedächtnis. Sie selbst setzte sich mehr mit Komposition und Komplementärkontrasten auseinander.

Für die "Korrespondenzen" schuf Christine Schlegel sechs neue Bilder in intensiver Auseinandersetzung mit Bosch. Sie liebt das Absurde, ist dem versteckten Widersinn von Behauptungen und Darstellungen auf der Spur. "Reservate" nennt sie die Aufbewahrungsorte in ihrer Kunst, "kuriose, kreative Schutzräume für Gedanken und Empfindungen", wie sie selbst sagt. Der Untertitel der Ausstellung spielt darauf an, aber natürlich auch auf Boschs "Weltgerichts-Triptychon".

Korrespondenzen Bosch & Schlegel
Christine Schlegel: Reservate abtrünniger Engel
12. März bis 27. September 2020 (verlängert)

Theatermuseum
Lobkowitzplatz 2
A - 1010 Wien

W: https://www.theatermuseum.at

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  12. März 2020 27. September 2020 /
Hieronymus Bosch: WeltgerichtsTriptychon, Detail, um 1490 – um 1505, Öltempera auf Eiche © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Hieronymus Bosch: WeltgerichtsTriptychon, Detail, um 1490 – um 1505, Öltempera auf Eiche © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Christine Schlegel: Der Falkner, 2019 Öl auf Leinwand © Christine Schlegel, Foto: Erich Hussmann, Wien
Christine Schlegel: Der Falkner, 2019 Öl auf Leinwand © Christine Schlegel, Foto: Erich Hussmann, Wien
Christine Schlegel: Das Kind spielt, 2019 Öl auf Leinwand © Christine Schlegel, Foto: Erich Hussmann, Wien
Christine Schlegel: Das Kind spielt, 2019 Öl auf Leinwand © Christine Schlegel, Foto: Erich Hussmann, Wien
Christine Schlegel: Das verlorene Paradies, 2019 Öl auf Leinwand © Christine Schlegel, Foto: Erich Hussmann, Wien
Christine Schlegel: Das verlorene Paradies, 2019 Öl auf Leinwand © Christine Schlegel, Foto: Erich Hussmann, Wien
Hieronymus Bosch: Weltgerichts- Triptychon, Detail, um 1490 – um 1505, Öltempera auf Eiche © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Hieronymus Bosch: Weltgerichts- Triptychon, Detail, um 1490 – um 1505, Öltempera auf Eiche © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien