Kopf und Kragen. Münzen machen Mode

Münzbilder gehören zu den kleinsten Porträts der Welt – und erzählen dabei große Geschichten. Auf engstem Raum vereinen sich Mode, Macht und Identität: Frisuren, Kronen, Hüte und Krägen werden zu Symbolen von Status und Stilbewusstsein. Die neue Ausstellung im Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums Wien lädt zu einer Zeitreise durch die Modegeschichte im Miniaturformat ein und zeigt, wie sich gesellschaftliche Ideale und ästhetische Trends über Jahrtausende hinweg in Metall spiegeln. Die Münzkunst aus der Perspektive Fashion und Lifestyle.

Das Münzkabinett zählt mit rund 600.000 Objekten aus drei Jahrtausenden zu den fünf größten Münzsammlungen der Welt und bietet eine umfassende Schau von Medaillen, Münzen, Papiergeld, Ehrenzeichen und Prägewerkzeugen in einer Ausstellung. „Kopf & Kragen“ beleuchtet nun 200 Münzporträts aus kulturhistorischer Perspektive mit Fashion und Lifestyle. 

Täglich gingen sie durch unzählige Hände, wurden massenhaft geprägt und prägten im wahrsten Sinn das Bild ihrer Zeit. Das Porträt auf einer Münze war oft jenes, das die Untertanen am häufigsten sahen – ein machtvolles Medium der Selbstdarstellung. Umso bedeutsamer war, wie sich Herrscherinnen und Herrscher darauf inszenierten; manche wurden so zu wahren Trendsettern.

Ein besonderes Augenmerk der Ausstellung gilt den symbolträchtigen Kopfbedeckungen. Die Münzporträts antiker römischer Kaiser und der englischen Königin Elisabeth II. haben eines gemeinsam: einen Lorbeerkranz als Symbol für Sieg und göttliche Legitimation. Seine Darstellung zieht sich wie ein roter Faden durch die Münzgeschichte und verbindet Epochen und Geschlechter. Prunkvolle Kaiser- und Königskronen, traditionelle Kopfbedeckungen indigener Völker, imposante Hüte und kostbare Schleier spiegeln höfischen Glanz und gesellschaftliche Rollenbilder wieder.

Frisuren- und Barttrends als Statussymbol. Ob Schnurrbart, Kinnbart, Dreitagebart oder Vollbart – Gesichtsbehaarung diente zunächst vor allem dem Schutz vor Wind und Wetter. Doch wie Kleidung oder Kopfbedeckungen unterlagen auch Bärte stets dem Wandel der Mode. Sie wurden zum Zeichen von Macht, Würde und Repräsentation der Herrschenden. Im Mittelalter galt der Bart als Statussymbol und war „unantastbar“. König Alfred von England verfügte im 9. Jahrhundert, dass jeder, der den Bart eines anderen Mannes abschnitt, eine hohe Geldstrafe entrichten musste. Einen gegenteiligen Effekt erzielte 1698 der russische Zar Peter der Große mit der Einführung einer Bartsteuer, deren Bezahlung mit eigens dafür geprägten Münzen belegt wurde. Wer auf seinen Bart nicht verzichten wollte, musste ihn sich etwas kosten lassen.

Auch Frisuren waren Ausdruck von Macht und Modebewusstsein. Männliche Herrscher trugen ihr Haar gerne kinnlang, ein Jahrhundert später hingegen kurz – dafür aber mit spitzen Kinnbärten. In der Ausstellung begegnet man etwa dem Mailänder Herzog Ludovico Maria Sforza mit seinem charakteristischen zazzera-Haarschnitt – dem Renaissance-Bob – und König Ludwig XII., der auf seinen Münzenmodische Kopfbedeckung und französische Lilienkrone vereinte.

In der Renaissance wurden Hüte zu wahren Modestatements. Wer Rang und Namen hatte, trug Barett oder Myllan Cap – gefertigt aus Brokat, Samt oder feinem Filz. Diese kunstvollen Kopfbedeckungen verrieten Stand, Bildung und Haltung. Auch die Damenwelt setzte Zeichen: Adelige Frauen zeigten sich mit aufwendigen Flechtfrisuren und reich bestickten Hauben. An den europäischen Höfen des Barock ließen sie sich ihre Haare zu künstlerischen Hochsteckfrisuren kämmen, die Fürsten trugen überdimensionale Lockenperücken.

Als Modetrendsetterin der frühen Neuzeit gilt die französische Königin Maria de’ Medici. Ihre Medaillen zählen zu den Höhepunkten der Graveurkunst: Darin entfalten ihre voluminösen Spitzenkrägen eine beinahe dreidimensionale Wirkung. Diese fächerförmigen Stehkrägen, Ende des 16. bis ins frühe 17. Jahrhundert sehr en vogue, wurden schließlich sogar nach ihr benannt und sind als „Medici-Krägen“ bekannt.

Die Ausstellung „Kopf & Kragen“ vermittelt hervorragend, wie Mode und Macht seit jeher untrennbar verbunden sind, erzählt eindrücklich die spannenden Geschichten. Ein besonderes Highlight ist die Zusammenarbeit mit der KunstModeDesign Herbststrasse, in der Mode auf Handwerk trifft. Studierende des Abendkollegs SchmuckDesign haben sich von antiken Münzen und modernen Medaillen inspirieren lassen und präsentieren ihre zeitgenössischen Schmuckstücke im Dialog mit den historischen Exponaten.

Anstatt eines klassischen Ausstellungskatalogs erscheint das Modemagazin „Coins in Fashion“, welches historische Trends und moderne Inspirationen elegant, visuell opulent und überraschend anders verbindet. Dieses Hochglanzheft ist ein vergnügliches Must-have und zeigt, was zeitgemäße Kunstvermittlung sein kann.

Kopf & Kragen. Münzen machen Mode
ab 11. November 2025
Kunsthistorisches Museum, Wien, Münzkabinett