Koo Jeong A richtet den Blick auf das Beiläufige, auf jene Randzonen der Erfahrung, die sich erst im geduldigen Wahrnehmen öffnen. Unsichtbare Phänomene werden über Klänge, Gerüche und sparsame Gesten erfahrbar. Erfundenes und Gefundenes, Konkretes und Ungreifbares gehen ohne feste Grenzen ineinander über. Dabei ist das Werk von Koo Jeong A von außergewöhnlicher Zurückhaltung geprägt. Wenige, präzise gesetzte Mittel genügen, um Präsenz entstehen zu lassen. Das Kunsthaus Bregenz wird dabei zum idealen Resonanzraum. Seine Größe und Weitläufigkeit lassen das kaum Sichtbare, Feine, nur eben Spürbare zur Geltung kommen.
Für das Erdgeschoss entwirft Koo Jeong A ein Bodenobjekt: ein aus seinem Kontext gelöstes Fragment eines Skateparks, dessen phosphoreszierende Oberfläche im Dunkeln aufleuchtet. Die Skulptur erstreckt sich als ausladende Rundung und ordnet den Ausstellungsraum neu. Im Dialog mit der Architektur von Peter Zumthor entsteht ein Raum, in dem Material, Licht und Bewegung ästhetisch und poetisch erfahrbar werden. Wie bereits bei früheren Skateparks – im Rahmen der Biennale in Venedig 2024, der Triennale in Mailand 2019 sowie in Ausstellungen in Arles, Liverpool, São Paulo und Seoul – greift Koo Jeong A auch im Kunsthaus Bregenz mit der Kurve der Bahn die Form des Möbiusbandes auf. Hier erscheint sie als eigens für diesen Ort entwickelte Skulptur, präzise formuliert und in die räumliche Atmosphäre eingepasst.
Ein bedeutendes Thema für Koo Jeong A ist die Erkundung jener Phänomene, die an oder außerhalb der Wahrnehmungsschwelle angesiedelt sind. In einem der Obergeschosse hängen Wandobjekte, die aus Magneten bestehen und mit schwenkbaren Halterungen an den Wänden befestigt sind.
Sie schweben wie mächtige, metallische Paravents vor den Raumecken und machen spürbar, dass es Kräfte gibt, die sich unserem Blick entziehen.
Ein weiteres Geschoss ist dem Duft gewidmet. Für „Odorama Cities” im koreanischen Pavillon der Biennale in Venedig entwickelte Koo Jeong A 2024 mit der koreanischen Marke „Nonfiction” ein Parfum. Nun öffnet sich auch in Bregenz ein Raum für die olfaktorische Wahrnehmung, für das Unsichtbare, das nur sinnlich wahrgenommen werden kann.
Im obersten Geschoss läuft ein Film, umgeben von einer Vielzahl grünlich fluoreszierender Sterne – lichte Zeichen des Kosmos, die Weite und Unendlichkeit andeuten.
Die Installationen von Koo Jeong A sind keine Bühnen oder Erzählungen, sondern sie schaffen Atmosphären der Durchlässigkeit, Räume energetischer Verschiebungen und verfeinerter Phänomene. Ihre Werke leben nicht von Bedeutung oder Interpretation, sondern von Präsenz, Stimmigkeit und verborgener, doch deutlich spürbarer Energie.
Koo Jeong A (*1967 in Seoul) lebt und arbeitet „überall“. 2024 vertrat sie Südkorea bei der 60. Biennale in Venedig.
KUB Billboards – Koo Jeong A
Sie bespielt die sechs Flächen mit Darstellungen, die sich auf die Werke im Kunsthaus Bregenz beziehen und eine thematische Klammer zur Ausstellung bilden.
Im KUB präsentiert sie Gemälde und Bewegtbilder aus phosphoreszierendem Material, die sich – kombiniert mit Klang und Duft – stetig verändern. So führt Koo Jeong A uns sensorisch an die Poetik der Natur und die vielgestaltigen Formen eines eigenen Universums heran.
Die Billboards an der Bregenzer Seestraße, der meistfrequentierten Straße der Stadt, sind fester Bestandteil des KUB-Programms. Sie erweitern die jeweilige Ausstellung in den öffentlichen Raum.
Koo Jeong A
Land of Ousss [Gravitta]
31. Januar bis 25. Mai 2026