Konzeptuelle Strategien von Ewa Partum

Das Francisco Carolinum Linz zeigt mit „Ewa Partum – Conceptual Exercises” die erste umfassende Präsentation von Werken der polnischen Künstlerin in Österreich.

Die 1945 in Grodzisk Mazowiecki bei Warschau geborene Künstlerin. Ende 1981 wurde in Polen das Kriegsrecht verhängt, um die demokratischen Bestrebungen und die unabhängige Gewerkschaft „Solidarność” auszuschalten. Ewa Partum erhielt eine Ausreisegenehmigung, verließ 1982 das Land und lebte anschließend in West-Berlin.

Die Ausstellung konzentriert sich auf Werke aus ihrer Zeit in Polen: von der frühesten Arbeit „Presence/Absence” (1967) bis zur Serie „Self-Identification” (1980). In der Arbeit Self-Identification collagierte sie ihren nackten Körper in Straßenszenen. Zur Ausstellungseröffnung betrat sie nackt den Gehsteig vor der Galerie – just in dem Moment, als sich dort eine Hochzeitsgesellschaft vor einem Standesamt aufhielt. 1971 stellte sie auf dem Freiheitsplatz in Łódź Verkehrs- sowie selbst gestaltete Verbotsschilder auf, um auf die Absurdität der totalen staatlichen Kontrolle des öffentlichen Raums aufmerksam zu machen. Sie wollte einen Freiraum schaffen, der jenseits von Konsum und Erlebnissen liegt. Diese öffentliche Aktion „The Legality of Space” (1971) wurde in der Grünanlage vor dem Francisco Carolinum neu inszeniert. Für „Change” ließ sie sich 1974 die eine Hälfte des Gesichts wie das einer gealterten Frau schminken. Rund 600 Poster dieser Transformation wurden 1978 öffentlich plakatiert. 1979 erweiterte sie die Aktion auf eine Hälfte ihres Körpers. Die Installation „Change – My Problem is a Problem of a Woman“ (1974/1979) wurde für die Ausstellung um fünf bisher nie gezeigte Fotografien ergänzt. Mit der Fotoaktion „Ost-West Schatten” aus dem Jahr 1984, bei der die Künstlerin nackt vor der Berliner Mauer steht und die Buchstaben O und W in den Händen hält, wird eine ihrer ersten Arbeiten aus Westberlin gezeigt.

Ewa Partum zählt zu den wenigen Künstlerinnen und Künstlern im osteuropäischen Raum, die bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren mit konzeptuellen Strategien arbeiteten. Dabei erweiterte die Künstlerin mit vielen ihrer ephemeren Aktionen, Performances, Texten und Interventionen im öffentlichen Raum das Verständnis von konzeptueller Kunst um eine feministische Perspektive. Ihr Körper, der nackte weibliche Körper, spielt dabei eine wichtige Rolle. „Meine Berührung ist die Berührung einer Frau“, formulierte sie auf einem Blatt, das den Abdruck ihres Kusses mit rotem Lippenstift trug. 1972 gründete sie in Łódź die Galeria Adres (Adresse), zunächst in den Räumen der staatlichen Berufsorganisation des Verbands der Polnischen Bildenden Künstler und später in ihrer eigenen Wohnung. Dieser Projektraum wurde zu einem Ort des Experimentierens und verschaffte der Künstlerin Autonomie und Unabhängigkeit gegenüber den von Männern dominierten Avantgarde-Kreisen. Im Netzwerk der internationalen Mail-Art- und Fluxus-Kunst vermittelte der Raum als Adresse viele Kontakte zur Kunstszene, insbesondere jenseits des Eisernen Vorhangs. Ihre Arbeit „Eiffel Tower“, die sie 1972 in der Galeria Adres präsentierte, ist in der Ausstellung in Linz zu sehen.

Ewa Partum
Conceptual Exercises
bis 28.06.2026