Der 1940 geborene deutsche Konzeptkünstler Timm Ulrichs, der sich selbst als „Totalkünstler“ und "Universaldilettanten“ bezeichnete, ist am 29. April im Alter von 86 Jahren in Berlin gestorben.
Ulrichs schuf zahlreiche aussergewöhnliche und mitunter schräge Werke. Im Jahre 1961 etwa stellte er sich selbst in einem Glaskasten aus und erklärte sich zum "ersten lebenden Kunstwerk“. Damit hob er die Grenze zwischen Kunst und dem alltäglichen Leben radikal auf.
Für Ulrichs war alles Kunst – sein Körper, seine Biografie und sein Alltag. Er nutzte verschiedenste Disziplinen wie Bildhauerei, Performance, Fotografie und konkrete Poesie.
Seine Arbeiten waren oft von hintergründigem Witz und Ironie geprägt. Bekannt ist zum Beispiel sein Tattoo auf dem rechten Augenlid mit der Aufschrift "The End“, das erst beim Schließen des Auges sichtbar wird.
Oder seine Performance, bei der er mit einer Kupferstange bei Gewitter über ein Feld lief und sich gleichsam als menschlichen Blitzableiter betätigte. Und nicht zu vergessen sein zentraler Leitspruch, der sich durch sein gesamtes Werk hindurchzog: "Denken Sie immer daran, mich zu vergessen!"
Timm Ulrichs’ kritische Sicht auf den zeitgenössischen Kunstbetrieb führte bereits auf dem ersten "Internationalen Kunstmarkt Köln (IKM)" 1975 zu dessen Aktion "Ich kann keine Kunst mehr sehen". Ulrichs persiflierte, mit Blindenstock und Armbinde auftretend, die nach seinen eigenen Worten "immer weiter um sich greifenden musealen Friedhöfe".[
Das Werk ist in zahlreichen bedeutenden Sammlungen vertreten, darunter imZKM Karlsruhe, das über 150 seiner Arbeiten archiviert.