So, 07.04.2019 / Ausstellung / Malerei 
Sa, 13.04.2019 So, 02.02.2020

«ich bin der auffassung, dass es möglich sei, eine kunst weitgehend auf grund einer mathematischen denkweise zu entwickeln.» Mit diesem Credo brachte Max Bill (1908–1994) den Grundsatz der konkreten Kunst auf den Punkt. Seit Mitte der 1930er Jahre war Bill der Wortführer einer Bewegung, die sich im Kontext der Moderne auch in der Schweiz mit einer gegenstandslosen, geometrischen Formensprache auseinanderzusetzen begann und die als Zürcher Konkrete international bekannt wurde.

«konkrete kunst ist in ihrer letzten konsequenz der reine ausdruck von harmonischem mass und gesetz. sie ordnet systeme und gibt mit künstlerischen mitteln diesen ordnungen das leben.» Dieser Anspruch, den Bill 1949 in seinem Manifest für die konkrete Kunst forderte, ist absolut: Harmonie und Ordnung werden zu den Leitlinien einer künstlerischen Haltung. Damit trat er das Erbe an von Pionieren wie Theo van Doesburg und Piet Mondrian, die in der Sammlung des Kunst Museum Winterthur ebenfalls erstrangig vertreten sind, und entwickelte deren Traditionen konsequent weiter. Trotz seiner radikalen Beschränkung auf mathematische Prinzipien und einer an der Form interessierten grundlegenden Auseinandersetzung mit Linie und Fläche, Farbe und Komposition, entwickelte Bill erstaunlich vielfältige und überraschend undogmatische Kompositionen, die bis heute nichts von ihrer Modernität eingebüsst haben.

Vor 111 Jahren wurde Max Bill in Winterthur geboren – Zeit also, sein Werk in seiner Heimatstadt wieder zu würdigen. Denn Bill wurde nach seiner Lehre am Bauhaus zum führenden Kopf der konkreten Kunst und damit zu einem ihrer wichtigsten Vertreter in der Nachkriegszeit. Neben Architektur, Design, Typographie und Grafik war er vor allem auch als Bildhauer und Maler tätig. Diesem künstlerischen Aspekt seines Werks richtet das Kunst Museum Winterthur nun eine Kabinettsausstellung aus. Neben Bill werden auch seine Weggefährten der Zürcher Konkreten vertreten sein: Camille Graeser (1892–1980), Verena Loewensberg (1912–1986) und Richard Paul Lohse (1902–1988), die den Kern der Bewegung bildeten. Ebenfalls vertreten ist der auch aus Winterthur stammende Hans Hinterreiter (1902–1989), der abseits der Kunstzentren auf Ibiza lebte und dort seit den 1930er Jahren konsequent an einer ornamental orientierten Abstraktion arbeitete.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl aus den umfassenden Beständen der Sammlung des Kunst Museum Winterthur, ergänzt mit bedeutenden Leihgaben aus Privatbesitz.

Konstruktives Kabinett. Max Bill und die Zürcher Konkreten
13. April 2019 bis 2. Februar 2020
Eröffnung: Fr 12. April 19, 18.30 Uhr
Kunst Museum Winterthur, Beim Stadthaus

Kunstmuseum Winterthur
Museumstrasse 52
CH - 8400 Winterthur

T: 0041 (0)52 267-5162
F: 0041 (0)52 267-5317
E: info@kmw.ch
W: http://www.kmw.ch/

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  •  Sa, 13.04.2019 So, 02.02.2020 /
Max Bill 1908–1994: magische chromographie, 1944/1946. Öl auf Leinwand, 72 × 108 cm; Kunst Museum Winterthur. Photo: SIK-ISEA, Lutz Hartmann, Zürich; © 2019, ProLitteris, Zurich
Max Bill 1908–1994: magische chromographie, 1944/1946. Öl auf Leinwand, 72 × 108 cm; Kunst Museum Winterthur. Photo: SIK-ISEA, Lutz Hartmann, Zürich; © 2019, ProLitteris, Zurich
Hans Hinterreiter 1902–1989: Opus 106 , 1946. Temperafarben auf Hartfaserplatte, 58.5 x 82 cm; Kunst Museum Winterthur. Photo: SIK-ISEA, Philip Hitz, Zürich; © 2019, ProLitteris, Zurich
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Verena Loewensberg 1912–1986: Ohne Titel , 1945. Ölfarben auf Leinwand, 56 x 56 cm; Kunst Museum Winterthur. © Henriette Coray Loewensberg, Zürich; Photo: SIK-ISEA, Philip Hitz, Zürich
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Richard Paul Lohse 1902–1988: Progression in Winkelgruppen, 1965. Ölfarben auf Leinwand, 120 x 120 cm; Kunst Museum Winterthur. Photo: SIK-ISEA, Philip Hitz, Zürich; © 2019, ProLitteris, Zurich
Richard Paul Lohse 1902–1988: Progression in Winkelgruppen, 1965. Ölfarben auf Leinwand, 120 x 120 cm; Kunst Museum Winterthur. Photo: SIK-ISEA, Philip Hitz, Zürich; © 2019, ProLitteris, Zurich