Konstruktiv-konkrete Kunst – das malerische Werk von Richard Paul Lohse

Das Museum Haus Konstruktiv in Zürich präsentiert eine umfassende Ausstellung zu Richard Paul Lohses (1902–1988) malerischem Werk. Gezeigt werden über 50 Exponate – darunter Gemälde, Entwürfe und Konstruktionszeichnungen – aus den Jahren 1942 bis 1987, die Lohses Entwicklung von frühen, frei schwebenden geometrischen Formen hin zu orthogonal strukturierten, nicht-hierarchischen Bildsystemen nachvollziehbar machen. Diese spiegeln seine Vorstellung von einer modernen, demokratischen Gesellschaft wider.

Richard Paul Lohse, Zürcher Künstler, Grafiker und Theoretiker, zählt zu den Schlüsselfiguren der konstruktiv-konkreten Kunst. Seine Arbeit ist geprägt von der Überzeugung, dass Ästhetik ohne gesellschaftliche Verantwortung nicht denkbar ist. Nach einer entbehrungsreichen Jugend setzte sich Lohse zeitlebens für soziale Gleichheit ein und engagierte sich kulturpolitisch sowie politisch. „Meine Arbeiten”, erklärte er, „versuchen ein Bild davon zu geben, wie die Strukturen der Welt verbessert werden könnten.” Er war Mitbegründer der Künstlervereinigung Allianz, initiierte zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland und engagierte sich gegen den Faschismus in Deutschland, Frankreich und Italien.

Lohses Entwürfe, Konstruktionszeichnungen und Farbtabellen zeigen, wie er seine Bildkompositionen Schritt für Schritt entwickelte. Viele seiner Arbeiten basieren auf festen Zahlensystemen, mathematischen Prinzipien und seinem Konzept der modularen und seriellen Ordnungen. Oft liegen Konzeption und Ausführung Jahre auseinander, was an den charakteristischen Doppeldatierungen erkennbar ist.
Wegweisende Impulse erhielt Lohse von der niederländischen De-Stijl-Bewegung und dem russischen Konstruktivismus. Ab den frühen 1940er-Jahren schuf er orthogonal strukturierte Bildfelder, in denen alle Farben und Formen gleichwertig sind. Werke wie „Vertikaler Rhythmus” (1942) sowie die großformatigen Variationen „Serielles Reihenthema in achtzehn Farben” (Variation A, B, C; 1981/1982) veranschaulichen eindrucksvoll seine auf System und Logik basierende Arbeitsweise. Sie veranlasste ihn zu der augenzwinkernden Behauptung: „Meine Bilder kann man durchs Telefon geben.”

Als Mitglied der Zürcher Konkreten – gemeinsam mit Max Bill, Camille Graeser und Verena Loewensberg – setzte sich Lohse intensiv für die Anerkennung der konstruktiv-konkreten Kunst ein. International bekannt wurde er durch die Teilnahme an der Biennale von São Paulo (1965), der documenta 4 (1968) und der documenta 7 (1982) in Kassel sowie der Biennale von Venedig (1972). Rückblickend zeigt die Ausstellung, wie Lohses systematische Malerei Entwicklungen vorwegnahm, die später in der Farbfeldmalerei, der Minimal Art und der konzeptuellen Kunst zentral wurden.

Richard Paul Lohse
5.2.–10.5.2026