Kollektiv - Junge Kunstschaffende im Zentrum Dürrenmatt

Im Centre Dürrenmatt Neuchâtel (CDN) werden Arbeiten von rund dreißig jungen Kunststudierenden der Universität der Künste Berlin (UdK) und der Académie de Meuron gezeigt. Die Werke sind im Rahmen des Austauschprogramms mit dem CDN entstanden.

Mit der großen Bandbreite der gezeigten Arbeiten bietet die Ausstellung einen Ausblick auf die Zukunft der jungen Kunstschaffenden. Sie zeigt auch, dass viele Fragen und Sorgen immer aktuell bleiben. Die Kunst macht tiefliegende Fragestellungen, die unsere Welt ausmachen, sichtbar.

Wer das CDN besucht, betritt Dürrenmatts Zuhause. An dessen Wohn- und Schaffensort tauchten die jungen Künstlerinnen und Künstler vollkommen in die Welt des Schweizer Schriftstellers und Malers ein. 38 Jahre lang war Dürrenmatt hier zu Hause, hier schuf er den Großteil seines Werkes. Zeit an diesem Ort zu verbringen, bedeutet auch, sich Dürrenmatts Person anzunähern und sich mit der eigenen Arbeitsweise auseinanderzusetzen. Alle Teilnehmenden fanden einen persönlichen Zugang zu Dürrenmatt und seiner kreativen Umgebung.

In seinem bildnerischen Werk nimmt Dürrenmatt immer wieder Bezug auf die griechische Mythologie. Er greift verschiedene Figuren auf, anhand derer er die antiken Geschichten neu erzählt und deutet, um auf Fragen und Probleme seiner Zeit einzugehen. In den Arbeiten der jungen Kunstschaffenden war besonders die Gestalt des Minotaurus sehr präsent, aber auch die Sagen um Prometheus und Atlas. Andere zogen es vor, eigene Mischwesen zu erfinden und damit beispielsweise die Rolle der Frau zu thematisieren. Die Teilnehmenden reproduzierten die mythologischen Erzählungen und ihre Figuren also nicht einfach, sondern machten sie sich zu eigen und übersetzten sie in individuelle Ausdrucksformen, um eine Reflexion über aktuelle Fragestellungen anzustoßen – genau wie Dürrenmatt es zu seiner Zeit tat.

In Dürrenmatts Werk kommen Katastrophenszenarien auf drei Ebenen zum Ausdruck: Es gibt individuelle, kollektive und kosmische Katastrophen. Die Präsenz dieses Motivs in seinem Werk liegt im politischen Klima seiner Zeit begründet. Der Großteil seines Erwachsenenlebens war vom Kalten Krieg geprägt. Vielen schien die Katastrophe damals unvermeidlich. Ihr mögliches Eintreffen bzw. ihr unmittelbares Bevorstehen aufzuzeigen und so ideologischer Propaganda zu trotzen, war eines von Dürrenmatts Hauptanliegen.
Angesichts unserer von Umweltkatastrophen sowie politischen und gesellschaftlichen Krisen erschütterten Zeit ist es kaum überraschend, dass dieses Thema junge Kunstschaffende beschäftigt.

Die Lithografie ist ein aufwändiges Druckverfahren, bei dem eine durch Schleifen, Zeichnen und Ätzen präparierte Kalkschiefersteinplatte mit einer Walze wiederholt eingefärbt wird, bis schließlich der Druck auf Papier erfolgen kann. Friedrich Dürrenmatt entdeckte diese Technik 1988, zwei Jahre vor seinem Tod, während eines Aufenthalts in St. Gallen. In der Galerie Erker fertigte er mit Unterstützung des Steindruckers Urban Stoob das Bild „Hochzeit zu Kana” an. Dürrenmatt schätzte insbesondere den handwerklichen Aspekt des Lithografierens. Später kehrte er für weitere Arbeiten zurück, die oft biblische und mythische Motive verhandeln. Im Rahmen des Austauschprojekts hatten die Studierenden der Jahrgänge 2024 und 2025 die Möglichkeit, sich in diesem Kunsthandwerk zu erproben und eigene Drucke anzufertigen.

Friedrich Dürrenmatt – Kollektiv
30 Kunstschaffende, Neuchâtel–Berlin
Bis zum 15. März 2026