Noch bis zum 6. September 2026 ist Gustav Klimts faszinierendes und herausforderndes Gemälde „Nuda Veritas” aus dem Bestand des Wiener Theatermuseums in der Villa Manin in Passariano bei Udine zu sehen.
„Nuda Veritas” zählt zu den Schlüsselwerken Gustav Klimts (1862–1918) und kam über den Nachlass seines langjährigen Freundes, Kunstkritikers und Dramatikers Hermann Bahr (1863–1934) in den Bestand des Theatermuseums.
Als Klimt das Werk 1899 erstmals bei der 4. Secessionsausstellung präsentierte, galt es als Absage an akademische Konventionen und moralische Erwartungen seiner Zeit. Das außergewöhnlich große Gemälde (252 x 56,2 cm) zeigt eine nackte Frau mit roten Locken, um deren Unterschenkel sich eine Schlange windet. Sie hält dem Betrachter einen Spiegel vor und fordert zur Selbstreflexion auf. Ihre Nacktheit wird zur Schau gestellt und unterscheidet sich damit gänzlich von den Darstellungen weiblicher Akte jener Zeit. Es handelt sich um eine Frau, die den Blicken derer, die über sie urteilen, ohne Furcht begegnet. Diese Offenheit macht das Werk heute besonders aktuell.
Über den Kopf der „Nuda Veritas“ platzierte Klimt den Spruch Friedrich Schillers: „Kannst du nicht allen gefallen durch deine That und dein Kunstwerk, mach es wenigen recht. Vielen gefallen ist schlimm”. Dieser Satz stammt aus den sogenannten „Votivae Tabulae”, einer Sammlung reflektierender Sinnsprüche über Kunst, Moral und geistige Ideale, und machte die „Nuda Veritas” zu einem programmatischen Bild der Wiener Secession sowie zu einem Manifest künstlerischer Unabhängigkeit.
Die Villa Manin wurde im 17. Jahrhundert als venezianische Landvilla erbaut. Sie war einst Residenz des letzten Dogen von Venedig und historischer Schauplatz des Vertrags von Campoformio. Heute ist sie ein Ort international beachteter Kunstausstellungen.
Klimts „Nuda Veritas” tritt darüber hinaus in einen Dialog mit einem Fresko, das der französische Maler Louis Dorigny zu Beginn des 18. Jahrhunderts für die Sala di Flora schuf. Trotz der zeitlichen Distanz und unterschiedlicher künstlerischer Kontexte behandeln beide Werke existenzielle Fragen nach Wahrheit und Wahrnehmung, Verlangen, Identität, Schönheit sowie Veränderung.
Der KHM-Museumsverband setzt 2026 mit Sonderausstellungen und Ausstellungskooperationen in Rom, Triest und nun auch Udine einen Italien-Schwerpunkt. Mit dieser Leihgabe unterstreicht das Theatermuseum, das seit 2001 zum KHM-Museumsverband gehört, die enge internationale Zusammenarbeit mit italienischen Kulturinstitutionen.
Die Präsentation in der Villa Manin bietet eine seltene Gelegenheit, dieses ikonische Gemälde außerhalb seines gewohnten Kontextes zu erleben – und erstmals in einer Ausstellung in Friaul-Julisch Venetien.
Ein Meisterwerk in der Villa Manin
Nuda Veritas. Klimt
bis 6. September 2026 Villa Manin, Passariano [Udine]
Kuratiert von Cäcılıa Bischoff
↗ www.villamanin.it