14. Oktober 2011 - 1:35 / Ausstellung 
12. August 2011 23. Oktober 2011

4,56 Milliarden Jahre alte Meteoriten, ein Gemälde aus der Lentos-Sammlung, ein geschlossenes Ökosystem und eine Checkliste, die sich gemeinsam mit den Apollo-Astronauten auf der Mondoberfläche befand: Diese vier unterschiedlichen Objekte setzt Ralo Mayer (geb. 1976, lebt/arbeitet in Wien), im ersten Teil seiner Ausstellung zu eigenen Arbeiten der letzten Jahre in Beziehung.

Der Weltraum, die Geschichte seiner Erkundung und (vergangene) Zukunftsutopien bilden den thematischen Hintergrund dieser Arbeiten. Wie jede gute Science Fiction sind sie tief in der alltäglichen Realität der Gegenwart verankert und übersetzen soziale und ökonomische Zusammenhänge in vielschichtige Erzählungen.

Im zweiten Teil der Ausstellung präsentiert Mayer eine neue raumgreifende Installation, die seine Untersuchungen von Objekten in Zeit und Raum anhand "der komplexesten Maschine aller Zeiten" exemplarisch fortführt: Als solche gilt das amerikanische Space Shuttle – die Zahl seiner Teile wird mit über 2,5 Millionen beziffert. Zweimal, 1986 und 2003, stürzte eine Raumfähre ab. "Obviously a major malfunction" erkannte der NASA-Kommentator, während das TV-Publikum bereits atemlos die Katastrophe der Challenger verfolgte.

Was aber war im Zeitraum zwischen diesen beiden Abstürzen passiert? In Mayers Rekonstruktion der Shuttle-Katastrophen finden sich neben verglühten Fragmenten der Raumfähren auch Trümmer von Tschernobyl, der Berliner Mauer und der Twin Towers.

Seine Inszenierung folgt dabei einer emanzipatorischen Interpretation sogenannter Cargo-Kulte. In diesen arbeitete die indigene Bevölkerung Melanesiens den oft traumatischen Kontakt mit Kolonialmächten auf. Eine "Cargo Bay", eine Ladebucht für Frachten aller Art, ist auch ein herausragendes Merkmal des Space Shuttle. Es war Ende der 1960er Jahre als zuverlässiges Transportmittel zu geplanten Weltraumkolonien konzipiert worden. Vietnamkrieg und wirtschaftlicher Abschwung ließen die NASA-Budgets schnell schrumpfen und die Space Colonies blieben Science Fiction. Das Shuttle wurde dennoch gebaut. Die Ära dieses Vehikels, dem sein Ziel abhanden gekommen war, dauerte 30 Jahre: Im Sommer 2011 fliegt die Raumfähre ihre letzte Mission.

Es erscheint eine Publikation im Verlag für moderne Kunst Nürnberg mit Texten von Ursula Maria Probst, Graham Harman und Jon McKenzie in deutscher und englischer Sprache (EUR 17,-).

Obviously a major malfunction / Kago Kago Kago Be
(Woran glauben die Motten, wenn sie zu den Lichtern streben)
12. August bis 23. Oktober 2011

Lentos Kunstmuseum Linz
Ernst-Koref-Promenade 1
A - 4020 Linz

W: http://www.lentos.at/

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Explosion des Space Shuttle Challenger, 1986. Foto: Kennedy Space Center, NASA
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Proposal for a Monument at Lagrange 5, Dedicated to the Lost Space Age, 2008. Foto: Christian Töpfner
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Untitled (Objekt), 2011. Video Still