Käthe Kollwitz und das Theater

Mit der Sonderausstellung „Käthe Kollwitz und das Theater“ wirft das Käthe-Kollwitz-Museum Berlin im ehemaligen Theatergebäude des Schlosses Charlottenburg ein neues Blick auf die Künstlerin. Unter Verweis auf die bewegte Geschichte dieses Standorts rückt die Ausstellung ein bislang vernachlässigtes Thema in Leben und Werk von Käthe Kollwitz in den Fokus: die Theateraffinität der Künstlerin und ihrer Familie.

Käthe Kollwitz’ Tagebucheinträge und Briefe an den auswärts studierenden Sohn Hans erzählen von einer Familie, für die Theaterbesuche ebenso zum Alltag gehörten wie politische Diskussionen oder künstlerische Arbeit. In der fruchtbarsten Zeit der Berliner Theatergeschichte sahen Käthe Kollwitz und ihre Familie viele der innovativen Inszenierungen der damals großen Regisseure Otto Brahm, Max Reinhardt und Leopold Jessner. Vom Naturalismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis zum expressiven Theater der 1920er Jahre wurde das Bühnengeschehen aufmerksam verfolgt und kommentiert. Auch Tanz, Konzert, Film und Kabarett waren feste Bestandteile dieses dichten kulturellen Kosmos.

Die Ausstellung untersucht, welchen Einfluss diese intensiven Seherfahrungen auf das Werk von Käthe Kollwitz hatten. Auch wenn sie nicht unmittelbar für das Theater arbeitete, durchziehen vielfältige Bezüge zu literarischen Stoffen, szenischen Situationen und dramatischen Verdichtungen ihr Œuvre. Diese überführte sie in eine eigene, unverwechselbare Bildsprache. Das Theater fungiert dabei weniger als konkretes Motiv denn als gedanklicher Resonanzraum ihres künstlerischen Schaffens.

Mit über 100 Exponaten von 17 Leihgebern, darunter die Alte Nationalgalerie und das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, das Stadtmuseum Berlin, das Ernst Barlach Haus Hamburg, das John Neumeier Archiv Hamburg, das Kollwitz Museum Köln sowie das Tanzarchiv und die Theaterwissenschaftliche Sammlung Köln, bildet diese Ausstellung den Abschluss einer dreijährigen Forschungsarbeit, die die Kollwitz-Spezialistin Annette Seeler im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem Käthe-Kollwitz-Museum Berlin geleistet hat.

„Die ‚Penthesilea‘ haben wir noch nicht gesehen.“
Käthe Kollwitz und das Theater
bis 3. Mai 2026