26. Oktober 2020 - 8:15 / Ausstellung / Malerei 
25. Oktober 2020 30. Juni 2021

Ein fünfteiliges Werk geht an die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne und ist dort ab sofort zu sehen. Sechs weitere Werke gehen an das Museum Brandhorst, welches diese nun im Rahmen der Ausstellung "Spot On: German Pop" zeigt.

Der 1938 in Nürnberg geborene Karl Horst Hödicke steht im Zentrum der deutschen Nachkriegsmalerei: Von seinen Anfängen in der gestischen Abstraktion der 1950er-Jahre über seine Auseinandersetzung mit der Pop-Art, seine konzeptuellen Bildentwürfe in den 1970er-Jahren bis hin zu seiner neo-expressiven Werkphase spielte er eine prägende Rolle. Seit seinem Umzug nach Berlin 1957 hat Hödicke die wechselvolle Geschichte Berlins – Mauerbau, Kalter Krieg und Wiedervereinigung – hautnah miterlebt und in seinen Bildern verarbeitet. Zuvor verbrachte er die prägenden Jahre seiner Kindheit und Jugend in München. Mit der Schenkung zentraler Werke ehrt er nun die Museen der Stadt seiner Kindheit.

Die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne erhält das fünfteilige Werk "Jäger und Gejagter im deutschen Wald" von 1972. Es zählt zu K. H. Hödickes Hauptwerken. 1972 entstanden, vereint das monumentale Werk zentrale Merkmale seines künstlerischen Gesamtschaffens: die Gleichzeitigkeit des Erhabenen und des Banalen, von Humor und tiefer Ernsthaftigkeit. Bewusste Bezugnahmen zum Abstrakten Expressionismus, zur Op-Art oder zum Oberflächenkult eines Andy Warhol sind unübersehbar. Die ironische Überhöhung lässt an den lakonischen Bildwitz eines Sigmar Polke denken.

Der Mittdreißiger malte das Polyptychon unter dem Eindruck einer konfliktreichen Atmosphäre in Deutschland, die geprägt war vom schuldbeladenen Schweigen einer älteren Generation und der lautstarken Kritik einer jüngeren an Imperialismus und Autoritätsstrukturen. Aus der studentischen Protestbewegung entwickelte sich in wenigen Jahren auch der "bewaffnete Kampf" radikalisierter Gruppen. Auf Hödickes Gemälde tarnen sich "Jäger" und "Gejagter" in einem Camouflage-Wald voreinander, kaum greifbar, kaum unterscheidbar. Der Bildträger, eine zerschnittene und neu zusammengeklebte Militärplane, wirkt dabei wie ein Vexierspiel All-Over und Fragment gleichermaßen.

Für die Sammlung des Museums Brandhorst wurden in den vergangenen Jahrzehnten herausragende Werke des "German Pop" erworben. Jüngste Beispiele sind Jörg Immendorffs "Teine Tunst mache" und Thomas Bayrles "Vasarely" (beide 1965). In dieses Umfeld fügt sich die Gruppe von sechs frühen Gemälden von K.H. Hödicke perfekt ein. Der Künstler überlässt dem Museum Brandhorst die Werke "Reportage" von 1961, "6,90 reine Wolle" von 1965, "Hinterhof (Himmel über Schöneberg)" von 1973, "Die Ampel steht auf Rot (Rote Pfütze)" von 1975, "Karfunkelstein" von 1973 sowie "U-Bahn" von 1964. Alle Werke sind nun im Rahmen von "Spot On: German Pop" von 20. Oktober 2020 bis 30. Juni 2021 im Museum Brandhorst ausgestellt.

Ein Beispiel ist das 1964 in Berlin entstandene Bild "U-Bahn". Nach seinem abstrakten Frühwerk markiert es den "verzweifelten Versuch, gegenständlich zu werden". Um das zentral gesetzte, blau-weiße U-Bahn- Schild drängen sich Eindrücke urbaner Betriebsamkeit, die Hödicke auf seinen Spaziergängen in der Nähe des Kurfürstendamms sammelte. Wir sehen die Tür eines vorbeifahrenden U-Bahn-Wagons, angeschnittene Ladenschilder ("Automaten-Buffet") und Absperrungen. Als wolle er die Industrialisierung der Alltagswelt auch materiell unterstreichen, hat Hödicke glänzende Streifen von Alupapier ins Bild geklebt. Die Mischung aus Zeichnung, Malerei und Assemblage fügt sich so zu einer "Action-Collage" des Berliner Großstadtlebens zwischen Faszination und Entfremdung.

Spot On: German Pop
25. Oktober 2020 bis 30. Juni 2021

Museum Brandhorst
Theresienstraße 35a
D - 80333 München

W: http://www.museum-brandhorst.de/

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  •  25. Oktober 2020 30. Juni 2021 /
K. H. Hödicke, Jäger und Gejagter im deutschen Wald, 1972 Leinwand, Militärplane, mit Schablonen in vier Farben bemalt 5-teilig: 3 Tafeln à 245 x 107 cm, 2 Tafeln à 205 x 127 cm 2020 Schenkung des Künstlers an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen  Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen © VG Bild-Kunst, Bonn 2020
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K.H. Hödicke vor dem Werk "Jäger und Gejagter im deutschen Wald" in der Pinakothek der Moderne, 2020 Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen © VG Bild-Kunst, Bonn 2020
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