15. September 2020 - 0:16 / Ausstellung 
17. September 2020 8. November 2020

Manche behaupten, dass die Künstlerinnen der Art Brut immer noch im Verborgenen schlummern. Dass dem nicht so ist, stellt Kuratorin Irina Katnik eindrucksvoll mit der kommenden Ausstellung "ladies – brut" in der Galerie Gugging unter Beweis. Hier werden die Art Brut-Ladies Hand in Hand und auf Augenhöhe mit ihren männlichen Kollegen gezeigt und noch nie ausgestellte Werke präsentiert.

Das Jahr 2020 steht ganz im Zeichen der Art Brut – ob es nun internationale Messen wie die Armory Show/NY, Auktionshäuser oder renommierte Galerien und Museen wie die Blum & Poe/LA, David Zwirner/NY oder das MoMA/NY sind. Der Begriff rückt immer stärker in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit und gleichzeitig wächst das Interesse an der Kunst von Frauen. So widmete sich im letzten Jahr etwa das Kunstforum/Wien eigens einer Werkschau von Künstlerinnen der Art Brut.

Die Idee zur Ausstellung "ladies – brut" kam Irina Katnik während eines Messeaufenthaltes in New York, als sie mit ihrer Kollegin Gerti Hacker über den Stellenwert der weiblichen Art Brut-Kunst ins Plaudern kam, und diese sie auf die Ausstellung "mahn maskulines?" ansprach. "In dieser Ausstellung im Jahr 2010 widmete sich die Galerie Gugging der Abbildung des Mannes und dem Männlichen in der Art Brut," erklärt Irina Katnik und meint weiter: "Heuer, genau zehn Jahre später, möchte ich mit 'ladies – brut' ganz bewusst den Fokus auf die Darstellung von Frauen und die Werke von Künstlerinnen lenken."

Die galerie gugging präsentiert mit "ladies – brut" noch nie gezeigte Arbeiten der Gugginger Künstler_innen sowie ihrer internationalen Kolleg_innen. Ein absolutes Highlight ist das Werk "Bouquet féérique 1er août" der Schweizerin Aloïse Corbaz. "Die Künstlerin zählt weltweit zu den bekanntesten Art Brut Vertreterinnen und wir freuen uns sehr, sie erstmalig bei uns in der Galerie ausstellen zu dürfen," erzählt Irina Katnik. Mit Ida Buchmann und ihrer Leinwand "Liebes-Paar" in der Kiste, die nicht nur auf Grund ihrer Größe eine absolute Rarität im Schaffen der Künstlerin darstellt, konnte noch eine weitere renommierte Schweizer Meisterin ihres Faches für die Ausstellung gewonnen werden. Des Weiteren werden zwei aufwendig bestickte, florale Arbeiten mit Seltenheitswert der tschechischen Künstlerin Anna Zemánková präsentiert.

Darüber hinaus werden Werke von Basel Al-Bazzaz zu sehen sein, der kleine Ornamente auf feinen, detailreichen Papierarbeiten heranwachsen und auf diese Art seine orientalische Herkunft in die Kunst miteinfließen lässt. Das Pendant dazu sind die feingliedrigen, akribischen Arbeiten von Christa Wiener, die seit 2017 das offene Atelier in Gugging besucht und ihre Inspiration aus der Natur bezieht. Außerdem werden Werke von Laila Bachtiar, der einzigen lebenden Gugginger Künstlerin, und Karoline Rosskopf sowie Barbara Demlczuk gezeigt, die zu den wenigen Künstlerinnen der Ära Leo Navratils gehören, dem früheren Leiter vom Haus der Künstler in Gugging. Raritäten der älteren Generation der Gugginger Künstler von Johann Korec, Oswald Tschirtner und August Walla dürfen ebenso nicht fehlen. Die neue Generation wird unter anderem von Johann Garber mit seinen feinen Tuscheporträts und Karl Vondal mit seinen pastelligen, erotischen Motiven von nackten Frauen vertreten. Zudem sind Werke der amerikanischen Künstlerin Helen Rae, die ihre Inspiration in Modezeitschriften findet, der italienischen Künstlerin Adria Sartore, die junge Frauen in altmeisterlicher Manier aufs Holz bringt und der Wiener Bildhauerin Julia Hanzl, die eines ihrer zentralen Motive – die Sexualität – gekonnt in ihren Keramikarbeiten sichtbar macht zu sehen.

In der Ausstellung "ladies – brut" geht es vor allem darum, einen Querschnitt des Œuvres von Art-Brut-KünstlerInnen aus aller Welt zu zeigen und ein Gespür und Bewusstsein für die Arbeiten zu entwickeln. "ladies – brut" bringt das Gegensätzliche und Gemeinsame zwischen Mann und Frau hervor, stellt sie in einen Diskurs miteinander und zeigt die unterschiedlichen Herangehens- und Arbeitsweisen.

"ladies – brut"
17. September bis 08. November 2020

Galerie Gugging
Am Campus 2
A - 3400 Maria Gugging

T: +43-2243-87 087 381
E: office@galeriegugging.com
W: https://galeriegugging.com

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  •  17. September 2020 8. November 2020 /
Barbara Demlczuk, Ohne Titel/undatiert, Bleistift, Farbstifte/Pencil, 40,5 x 34,4 cm, Courtesy Galerie Gugging
Barbara Demlczuk, Ohne Titel/undatiert, Bleistift, Farbstifte/Pencil, 40,5 x 34,4 cm, Courtesy Galerie Gugging
Ida Buchmann, Liebes-Paar in der Kiste, 1988, Acryl, Edding, Wachskreiden auf Leinwand/Acrylic, 132,5 x 126,8 cm, Courtesy Erbengemeinschaft Ida Buchmann
Ida Buchmann, Liebes-Paar in der Kiste, 1988, Acryl, Edding, Wachskreiden auf Leinwand/Acrylic, 132,5 x 126,8 cm, Courtesy Erbengemeinschaft Ida Buchmann
Julia Hanzl, Sisters love, 2020, Objekt, 61 x 35 x 25 cm, Courtesy Lukas Philippovich
Julia Hanzl, Sisters love, 2020, Objekt, 61 x 35 x 25 cm, Courtesy Lukas Philippovich
August Walla, "Doris, Thaler.?", 1997, Bleistift, Farbstifte, Kugelschreiber, 20,9 x 14,8 cm © Art Brut KG
August Walla, "Doris, Thaler.?", 1997, Bleistift, Farbstifte, Kugelschreiber, 20,9 x 14,8 cm © Art Brut KG
Aloïse Corbaz, Bouquet féérique 1er août/Fairlike Bouquet 1 st August, Ölkreiden auf Papier, 61,2 x 43,2 cm, Courtesy Fondation Aloïse, Chigny
Aloïse Corbaz, Bouquet féérique 1er août/Fairlike Bouquet 1 st August, Ölkreiden auf Papier, 61,2 x 43,2 cm, Courtesy Fondation Aloïse, Chigny