5. Mai 2019 - 8:27 / Bühne 

Hundert Jahre ist es nun her, dass die Habsburgermonarchie zusammenbrach, dass sich aus den Resten einer absolutistischen europäischen Großmacht die junge Republik Österreich entwickelte, getragen von demokratischen Idealen.

„'s wird keiner bös, der nicht, bevor er's ward, erst gut gewesen.“

Eine gute Gelegenheit für einen kritischen Blick zurück: wie war das eigentlich damals mit dem Aufstieg der Habsburger? Grillparzer schrieb seinen „König Ottokar“ als eine Art Weihefestspiel der Restauration, beschrieb den gottgewollten Sieg eines edlen und vernünftigen Rudolf von Habsburg über den zwar faszinierenden, aber egoistischen und unberechenbaren Böhmenkönig.
Das lässt sich natürlich historisch so nicht halten, aber zum Glück ist Theater keine Geschichtsstunde – und es lohnt sich, diesen Ottokar heute wieder einmal zu erzählen, als eine kraftvolle Tragödie um Ehrgeiz, Leidenschaft und Verrat einerseits, als eine kritische Untersuchung der Mechanismen von Herrschaft, Intrige und Macht andererseits:
Als die kriegerische Glückssträhne des böhmischen Ottokar abbricht und er sich durch seine Trennung von Margarethe moralisch angreifbar gemacht hat, sehen sowohl seine Gegner als auch die vorgeblich Verbündeten ihre große Stunde gekommen, ihn zu stürzen und das Fell des Bären unter sich aufzuteilen. Und aus einem furchtbaren Gemetzel und Zusammenbruch erwächst strahlend das Habsburgerreich.

König Ottokars Glück und Ende ist ein europäisches Stück, das die Frage nach der Bedeutung nationaler Identität berührt und gleichzeitig aufzeigt, wie eng Herrschaftskalkül mit Demagogie und Populismus verbunden ist – Themen, die uns heute wieder mehr denn je unter den Nägeln brennen.

Mit Hansa Czypionka, Felix Defèr, Luzian Hirzel, Lisa Hofer, David Kopp, Jürgen Sarkiss, Sinikka Schubert

König Ottokars Glück und Ende.
Franz Grillparzer
Ein Versuch aus dem Europa der Gegenwart
Inszenierung: Johannes Lepper
Termine: Di 7.5. / Do 16.5. / Mi 29.5. / So 2.6. / Fr 7.6. / Sa 22.6., 19.30 Uhr, Grosses Haus

Vorarlberger Landestheater
Seestraße 2
A - 6900 Bregenz

T: 0043 (0)5574 42 8 70
F: 0043 (0)5574 48 3 66
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W: http://www.landestheater.org/

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  •  4. Mai 2019 22. Juni 2019 /
Felix Defèr, Sinikka Schubert, Jürgen Sarkiss, Foto: Anja Köhler
Felix Defèr, Sinikka Schubert, Jürgen Sarkiss, Foto: Anja Köhler
Sinikka Schubert, Jürgen Sarkiss, Foto: Anja Köhler
Sinikka Schubert, Jürgen Sarkiss, Foto: Anja Köhler
David Kopp, Sinikka Schubert, Luzian Hirzel, Lisa Hofer, Jürgen Sarkiss, Foto: Anja Köhler
David Kopp, Sinikka Schubert, Luzian Hirzel, Lisa Hofer, Jürgen Sarkiss, Foto: Anja Köhler