25. März 2008 - 3:15 / Walter Gasperi / Filmriss
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An die Möglichkeit einer Schwangerschaft hat die 16jährige Juno beim ersten Sex gar nicht gedacht, aber jetzt hat sie nun mal "den Braten in der Röhre". Mit einer echten Freundin, auf die sie sich absolut verlassen kann, und mit Unterstützung unglaublich verständnisvoller Erwachsener löst der selbstbewusste Teenager in Jason Reitmans brillant geschriebener und ungemein sympathischer Komödie aber alle Probleme.

Nicht nach der in Alaska gelegenen Stadt "Juneau", sondern nach der römischen Göttin der Ehe "Juno" ist die Titelfigur von Jason Reitmans Komödie benannt. Mit Ehe hat sie freilich mit 16 Jahren noch nichts am Hut, Sorgen bereitet ihr aber, dass auch der dritte Schwangerschaftstest positiv ausfällt. – Und dabei war das mit Paulie Bleeker (Michael Cera) doch nicht einmal leidenschaftlicher Sex, sondern nur mal so ein Test und eine Abwechslung zum nachmittäglichen Fernsehprogramm.

Jetzt ist jedenfalls – um Junos rotzfreche und direkte Sprache zu verwenden – "der Braten in der Röhre" und irgendwie muss das Problem gelöst werden. Abtreibung ist der erste Gedanke, aber als eine Mitschülerin vor der Klinik sie darauf aufmerksam macht, dass das Baby schon Fingernägel hat, und die Atmosphäre im Warteraum alles andere als angenehm ist und gleich auch noch Kondome mit Heidelbeergeschmack verschenkt werden, lässt sie von diesem Plan ab. Als Alternative bietet sich die Freigabe für eine Adoption an und in den Kleinanzeigen der Lokalzeitung "Penny Saver" wird sie mit ihrer Freundin Leah (Olivia Thirlby) auch bald fündig.

Jetzt muss Juno freilich auch noch ihren Eltern beibringen, dass sie in anderen Umständen ist. Beim langen Rumgedrücke der Tochter rechneten diese mit einem Schulrauswurf oder Drogensucht, das Geständnis "Schwangerschaft" fährt dann doch etwas heftiger ein und wird mit einem überraschten – im Film mehrmals vorgebrachten – "Wir wussten gar nicht, dass ihr sexuell aktiv seid!" kommentiert.

Auch die auserwählten Adoptiveltern erweisen sich als supernett, auch wenn der Kinderwunsch vor allem von Vanessa kommt und ihr Mann, der nicht erwachsen werden will und immer noch von einer Karriere als Rockstar träumt, letztlich damit überfordert ist. Ganz unkompliziert wie Moses im Schilfkörbchen will Juno ihnen das Kind übergeben und gerne dürfen sie auch zu den Ultraschalltests mitgehen um zu sehen, wie "der Braten in der Röhre gart".

Ein Wunder an Einfachheit ist diese herzerwärmende Komödie. Das Thema ist aus dem Alltag gegriffen, auf jeden Schnickschnack wird verzichtet. Ungekünstelt und ohne Finessen inszeniert Jason Reitman. Der 31jährige Regisseur vertraut vielmehr in seinem nach "Thank You For Smoking" zweiten Spielfilm ganz auf Diablo Codys mit dem Oscar ausgezeichnetes Drehbuch und unverbrauchte Schauspieler, die sichtlich mit großem Vergnügen bei der Sache sind.

Das selbstbewusste und freche Auftreten Junos – nicht satt sehen kann man sich an der groß aufspielenden und doch immer ganz natürlich wirkenden 21-jährigen Ellen Page - und eine rasante Abfolge treffender One-Liner sorgen so für Witz, gleichzeitig kommen in der liebevollen und prägnanten Figurenzeichnung Wärme und Menschlichkeit nicht zu kurz. Scheint nach dem Beschluss zur Freigabe für die Adoption alles klar, so schlägt "Juno" doch immer neue Volten, macht langsam auch die Brüche im scheinbar perfekten, als Adoptiveltern ausgewählten Paar sichtbar und lässt auch Juno im Lauf ihrer Schwangerschaft reifen.

Dass diese an "Ghost World" erinnernde Teenie-Komödie so leicht daherkommt und doch nie leichtfertig oder gar klamaukig ist, sondern die Menschen mit ihren Problemen und Sorgen ernst nimmt, das ist auch dem sich aus zahlreichen sanften Songs zusammensetzenden Soundtrack, der liebevollen Gestaltung von Details wie dem Wechsel der Jahreszeiten oder einem Running Gag um die Laufgruppe von Junos Freund Bleeker zu verdanken. Und nicht zu unterschätzen ist die Wirkung des hinreißenden animierten Vorspanns, der schon ganz auf den liebevollen Erzählton einstimmt.

Wird vom Filmforum Bregenz am Donnerstag, den 4.9. um 20 Uhr und am Samstag, den 6.9. um 22 Uhr im Metrokino Bregenz gezeigt (engl. O.m.U.)

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)

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