Július Koller – Kunst als Zeichen des Widerstands

Absurde Aktionen, schlichte Gesten, starke Wirkung: Július Koller erklärte den Alltag zur Kunst – und die Kunst zum Zeichen des Widerstands. Mit Witz und Ironie stellte der Künstler die Regeln des autoritären kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei infrage. Die Ausstellung „Július Koller. U.F.O.-naut J.K.“ am Altstadtstandort (Rupertinum) in Salzburg versammelt zentrale Werke Kollers aus der Sammlung der Generali Foundation, die dem Museum der Moderne Salzburg als Dauerleihgabe überlassen wurden.

Der slowakische Künstler ist einer der wichtigsten Künstler:innen der Nachkriegszeit in seiner Heimat. Er verstand seine künstlerische Tätigkeit nicht als Kunst im herkömmlichen Sinne, sondern als kulturelles Handeln. Seit Mitte der 1960er-Jahre suchte er in einfachen, alltäglichen Gesten nach einer neuen Form von Bewusstsein und Kommunikation jenseits institutioneller und politischer Zwänge. Dabei entwickelte er das Konzept der „kulturellen Situationen“, mit denen er das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft sowie Kunst und Leben hinterfragte. Die nahezu lebenslange Porträtserie „U.F.O.-naut J.K.” bildet den Kern dieser Haltung.

Ab den 1970er-Jahren verwendete Koller das Kürzel „U.F.O.“. Dieses steht unter anderem für „universell-kulturelle futurologische Operationen“. Koller verstand darunter zukunftsorientierte Handlungen, die auf Haltung und Verantwortung abzielen, anstatt materielle Kunstobjekte hervorzubringen. Mit dieser Idee verband der Künstler eine ethisch und ökologisch verantwortungsvolle Weltsicht, die den Menschen nicht als Mittelpunkt, sondern als Teil des Kosmos begreift – als „U.F.O.-naut“, als Reisender durch Raum und Zeit, stets in Bezug zur gesellschaftlichen Realität. Július Koller zählt zu den bedeutendsten Stimmen der regimekritischen slowakischen Kunstszene der 1960er-Jahre. Die Ausstellung versammelt insgesamt 92 Arbeiten aus vier unterschiedlichen Werkgruppen aus der Sammlung der Generali Foundation, die als Dauerleihgabe im Museum der Moderne Salzburg gezeigt werden.

Július Koller wurde 1939 in Piešťany (Slowakischer Staat) geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs er in Bratislava auf, wo er von 1954 bis 1958 die Kunstgewerbeschule besuchte und anschließend bis 1965 an der Hochschule für Bildende Künste studierte.

Schon früh entwickelte Koller eine kritische Haltung gegenüber der ideologischen Vereinnahmung der Kunst durch den Sozialistischen Realismus. Zugleich lehnte er auch zeitgenössische avantgardistische Strömungen wie die Pop-Art oder das Happening als oberflächlich ab. In den 1960er-Jahren suchte er nach neuen Formen des künstlerischen Handelns jenseits institutioneller und politischer Zwänge. Mit einfachen, alltäglichen Gesten entwickelte er das Konzept des „Antihappening“, das er 1965 erstmals formulierte.

Nach 1968, in der Zeit der politischen Repression nach dem Prager Frühling, verband Koller seine künstlerische Praxis zunehmend mit gesellschaftlicher Reflexion. Das Fragezeichen wurde zu seinem zentralen Symbol als Ausdruck von Zweifel, Haltung und Verantwortung. Mit seinem 1970 veröffentlichten Manifest „Universell-kulturelle futurologische Operationen“ fasste Koller seine Idee der „kulturellen Situationen“ zusammen: Handlungen und Aktionen, die die Grenzen zwischen Kunst und Leben aufheben und auf ein universelles, „kosmo-humanistisches“ Bewusstsein abzielen.

Während der sogenannten Normalisierung (1972–1989), einer Phase politischer und kultureller Repression, beschränkte Koller seine öffentlichen Aktivitäten auf seine Lehrtätigkeit. Er pflegte einen intensiven Austausch mit einem internationalen Netzwerk von Künstler:innen per postalischer Korrespondenz und beteiligte sich an Performances und Land-Art-Projekten der inoffiziellen Kunstszene. Seit den 1990er-Jahren erfuhr sein Werk wachsende internationale Anerkennung. Seine Lebensgefährtin, die Künstlerin Kvetoslava Fulierová, dokumentierte Kollers Praxis seit den frühen 1970er-Jahren fotografisch und trug so wesentlich zur Überlieferung und Sichtbarmachung seiner Arbeiten bei. Július Koller verstarb 2007 in Bratislava.

Július Koller. U.F.O.-naut J.K.
Bis 14. Juni 2026
Kurator: Jürgen Tabor