Julia Belova: Monumentale Rauminstallation in der Dominikanerkirche Krems

Die russische Bildhauerin Julia Belova präsentiert in der Dominikanerkirche Krems ein eigens für den sakralen Raum geschaffenes Gesamtkunstwerk. Die monumentale Installation verbindet Skulptur und Klang zu einem sinnlichen Erlebnis, das tief in der Biografie der queeren Künstlerin verwurzelt ist. Mit „Monstrum Sacrum” schafft Belova ein inhaltlich vielschichtiges Werk.

Über das Mittelschiff der Kirche entfaltet sich eine raumgreifende Skulptur. Im Zentrum steht ein geheimnisvolles, organisch anmutendes Wesen – „Monstrum Sacrum“ –, das sich über den Boden des Chorraums ergießt. Begleitet wird es von Lustern aus Porzellan und Wachs, die mit kirchlichen Symbolen und barocken Formen spielen. Die Installation reagiert auf die Architektur der Dominikanerkirche, bildet aber zugleich einen bewussten Kontrast zu ihrer sakralen Strenge.

Zum ersten Mal in ihrer künstlerischen Praxis arbeitet Belova sichtbar mit Eisen, einem Werkstoff, der traditionell als „männlich“ und unnahbar gilt. Sie setzt ihn in einen spannungsvollen Dialog mit Porzellan und Wachs, die in ihrer bisherigen Arbeit eine zentrale Rolle spielten und mit „femininer“ Zerbrechlichkeit assoziiert werden. Gänzlich neu für die Künstlerin ist die Verarbeitung von Silikon und Latex. Die präzise Verarbeitung der Materialien macht deren Gegensätze sichtbar: Kraft trifft auf Fragilität, Härte auf Verletzlichkeit. Dieser experimentelle Zugang markiert einen Wendepunkt in Belovas Werk.

Ihre künstlerische Sprache ist geprägt von opulenter Sinnlichkeit und einer bewussten Aneignung barocker Formensprache. Sie verbindet klassische Kunstgeschichte mit feministischen und queeren Perspektiven. In ihren Arbeiten thematisiert sie Lust, Körperlichkeit und Geschlechterrollen – oft als bewusste Gegenposition zu lustfeindlichen religiösen Traditionen. Auch in „Monstrum Sacrum” wird deutlich: Diese Kunst ist kein Rückzug, sondern ein selbstbewusstes Statement für Selbstbestimmung und Sichtbarkeit.

Belova, 1991 in Russland geboren und heute in Wien lebend, verarbeitet in der Installation persönliche Erfahrungen. Das „Monstrum Sacrum” verkörpert die Dualität des menschlichen Seins. Für die Künstlerin ist diese Spannung existenziell erfahrbar: Die Freiheit, als queere, feministische Künstlerin in Österreich leben zu können, steht dem Gefühl von Sehnsucht und Heimweh gegenüber. Die installative Arbeit ist somit nicht nur ein ästhetisches, sondern auch ein biografisches Statement – ein Bildwerk, das aus individuellen Erfahrungen heraus Fragen stellt, die weit über das Persönliche hinausgehen.

Julia Belova. Monstrum Sacrum
Bis 26. Oktober 2025
Dominikanerkirche Krems