16. September 2009 - 4:29 / Ausstellung / Archiv 
11. Juni 2009 21. September 2009

Die bisher größte Schau zu Josef Maria Auchentaller (Wien 1865 – Grado 1949) vereint erstmals rund 300 Werke von Josef Maria Auchentaller, darunter Gemälde, Zeichnungen, Studien, Plaketten, Entwürfe, Schmuckstücke und Fotografien, von denen viele bisher noch nie öffentlich gezeigt wurden.

Viele seiner Werke sind bis heute wenig oder gar nicht bekannt und befinden sich in schwer zugänglichen Privatsammlungen. Die Überzeugung, dass die Bedeutung der Wiener Secession erst durch einen immer breiter gefächerten Überblick über ihre Protagonisten in voller Tiefe erfasst werden kann, hat den Anstoß zu dieser Ausstellung gegeben.

Der Maler und Grafiker Josef Maria Auchentaller war mehr als ein Jahrzehnt lang aktiver Protagonist der Wiener Secession, die 1897 von den Künstlern um Gustav Klimt gegründet worden war. Auchentaller wirkte an vielen Secessionsausstellungen mit, zum Teil sogar als Hauptverantwortlicher, und er arbeitete für die Zeitschrift "Ver Sacrum", das offizielle Mitteilungsblatt der Secession. Als Künstler, der sich intensiv mit grafischen Entwürfen beschäftigt, wendet sich Josef Maria Auchentaller mit großem Interesse auch der Plakatkunst zu.

Von grundlegender Bedeutung sind auch Auchentallers verwandtschaftliche Beziehungen zu den Familien Scheid und Thonet. Auchentallers Gattin Emma war die Tochter von Georg Adam Scheid, der innerhalb weniger Jahrzehnte eine große Firma für Metallarbeiten und Schmuckerzeugung errichtete und die zu den bedeutendsten Schmuckproduzenten der Monarchie zählte.

Für die Schmuckherstellung von Georg Adam Scheid, die G.A.S. Silber-Schmuckfabrik, liefert Auchentaller um 1900 die Entwürfe für herausragende, vom Jugendstil geprägte Schmuckstücke. Eine weitere Tochter des Fabrikanten Scheid, Martha, heiratete Viktor Thonet, den Leiter der berühmten Thonet Möbelfabrik. Die Thonets waren mit den Auchentallers zeitlebens eng befreundet und erwarben im Laufe der Jahre eine umfangreiche Sammlung mit Werken von Josef Maria Auchentaller.

Seine Entscheidung, Wien schon im Jahr 1903 zu verlassen und zusammen mit seiner Frau Emma das "touristische" Abenteuer in Grado zu wagen, isolierte ihn jedoch zusehends vom Wiener Ambiente und rückte ihn allzu rasch aus dem Blickfeld der Kunstwelt. In Grado selbst trägt er entscheidend zum touristischen Aufschwung des Seebades bei. Nach einem Entwurf des Wiener Architekten Julius Mayreder errichtet das Paar die Pension "Fortino", die fortan von der Familie Auchentaller mit bewundernswertem Unternehmungsgeist geführt wird.

Die Kontakte zum Wiener Kunstambiente nehmen jedoch schlagartig ab. Zwar verbringt Auchentaller die Wintermonate zunächst noch weiterhin in Wien, doch gibt es mit den Künstlern der Secession kaum mehr Verbindungen. Gelegentlich besuchen ihn Freunde, wie die Maler Carl Moll, Alfred Roller, Wilhelm List, Maximilian Kurzweil und der Architekt Otto Wagner im Seebad Grado. In den darauffolgenden Jahren wendet sich Auchentaller überwiegend dem Porträt und der Landschaftsmalerei zu. 1949 stirbt Josef Maria Auchentaller im Alter von 84 Jahren in Grado.


Jugendstil pur!
11. Juni bis 21. September 2009

Leopold Museum
Museumsplatz 1, MQ
A - 1070 Wien

T: 0043 1 525 70-1523
F: 0043 1 525 70-1500
E: office@leopoldmuseum.org
W: http://www.leopoldmuseum.org/

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Plakat Aureol, 1898. Farblithografie auf Papier, 94,7 x 61,1 cm. Druck: J. Weiner, Wien; Wien Museum
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'Bunte Bänder' (Porträt von Maria), 1912. Öl auf Leinwand, 120 x 110,5 cm. Privatsammlung; © Archiv Erben Auchentaller
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Gürtelschließe, 1900-1901. Vergoldetes Silber, Lapislazuli und Email, 3,2 x 9,5 cm. Ausführung: G. A. Scheid, Wien; Hessisches Landesmuseum, Darmstadt
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Selbstporträt, 1931. Kreide auf Karton, 34 x 23,8 cm. Privatsammlung; © Archiv Erben Auchentaller