7. Mai 2019 - 8:30 / Ausstellung / Fotografie 
18. Mai 2019 11. August 2019

«Jean-Luc Mylayne. Herbst im Paradies» ist die erste institutionelle Einzelausstellung des französischen Künstlers in der Schweiz. Das Schaffen von Jean-Luc Mylayne (*1946) konzentriert sich seit über 40 Jahren auf die Begegnung mit Vögeln. Ihre flüchtige Präsenz hält er mit der Kamera fest. Der Vogel in seinem natürlichen Lebensumfeld ist Mylaynes charakteristisches Bildmotiv. Das Tier ist dabei nicht nur Darsteller, sondern auch konzeptueller Partner auf Augenhöhe. Die Ausstellung zeigt ein Ensemble von rund 40 Werken, die im Zeitraum von 1979 bis 2008 entstanden sind.

Jean-Luc Mylaynes Fotografien wirken auf den ersten Blick wie beiläufig eingefangene Alltagsbilder, die sich in den Übergängen zwischen unberührter und ruraler Landschaft ansiedeln. Neben der dominierenden Natur erscheinen Häuser, Strassen, Zäune und Mauern in der Ferne oder am Bildrand als Spuren menschlicher Zivilisation. Bezeichnend ist, dass sich auf jedem Bild ein Vogel befindet. Der geografische Kontext der Szenerien bleibt unbekannt und auch die spezifischen Merkmale der Vögel sind manchmal kaum zu erkennen. Wurden die Tiere mitten in einer Bewegung festgehalten, erscheinen sie verzerrt und verschwommen. Bisweilen sind die geflügelten Protagonisten auch erst auf den zweiten Blick in den unscharfen Bereichen der Szene oder am Bildrand, teilweise sogar angeschnitten, auszumachen.

Dieser scheinbar hierarchielose Bildaufbau korrespondiert nicht mit den Betrachtungsweisen ornithologischer Studien oder klassischer Naturfotografie, welche auf die spezifischen Merkmale der Vögel oder die aussergewöhnliche Flora fokussieren. Mylayne konzentriert sich auf den «einen», bestimmten Vogel als Individuum, nicht auf dessen Zugehörigkeit zu einer bestimmten Art. Seine Bildkompositionen kreiert er aus der präzisen Wahl und Zusammenstellung von Lichtsituation, Wetter, Jahreszeit sowie der Bestimmung der Bildausschnitte und der Platzierung des Vogels. Jedes «Tableau» ist präzise durchdacht, nicht das kleinste Detail ist zufällig. Die Bilder sind komplex komponiert und folgen stets dem konzeptuellen Ansatz des Künstlers.

Somit sind Mylaynes Fotografien weit entfernt von anekdotischen Schnappschüssen. Sie sind das Resultat einer monatelangen, manchmal jahrelangen Vorbereitung. In der im Werktitel angegebenen Zeitspanne hat der Künstler die Umgebung erkundet, das ausgewählte Tier beobachtet und – ohne es zu füttern oder zu zähmen – langsam sein Vertrauen gewonnen. Dieses Vertrauen ist Grundvoraussetzung für eine Beziehung zwischen Fotograf und Motiv – dem Vogel - und somit auch für die Bildentstehung. Wenn der Moment gekommen ist und die Szenerie Mylaynes Vorstellung entspricht, macht er die Foto. Mylayne arbeitet analog und alle seine Bilder sind Unikate (Ausnahmen bilden einige kleinformatige Editionen). Ebenso einzigartig ist der Moment, in dem der Künstler den Auslöser betätigt: ein Augenblick, der nicht mehr wiederkehrt.

Gemeinsam mit seiner Frau, Arbeits- und Namenspartnerin Mylène Mylayne, bereiste der Fotograf das ländliche Frankreich sowie den Südwesten der USA. Die amerikanische Stiftung Lannan Foundation ermöglichte es dem Paar erstmals im Jahr 2003 den Winter in New Mexico zu verbringen. Es folgten vier Winter in Folge in Texas. Mylaynes Werke aus dieser «Amerikanischen Periode» sind geprägt von einem durchschlagenden Blau des Himmels, das mit der gelbgoldenen Landschaft kontrastiert. Die fliegenden Hauptfiguren sind meist kleinere Singvögel. Grössere Raubvögel finden sich nicht in Mylaynes Bildern. Auch hier scheint sein Augenmerk auf dem Gewöhnlichen zu liegen, wobei sich die Einzigartigkeit des Vogels sowie des Moments erst bei genauerem Hinschauen offenbart.

Mit all seinen Prämissen – der Anwendung der analogen Fotografie, der Herstellung von Unikaten, der Verwendung desselben Motivs über mehrere Jahrzehnte und vor allem der langen Entstehungszeit jedes Werks – schuf Jean-Luc Mylayne ein künstlerisches Œuvre, das gleichermassen radikal wie poetisch ist und bis heute seinesgleichen sucht.

Für die Ausstellung im Aargauer Kunsthaus hat das Künstlerpaar eine auf die Räume des hellen Oberlichtgeschosses angepasste Hängung erarbeitet. Die Werke werden bewusst nicht chronologisch, sondern nach assoziativen thematischen Gruppen geordnet.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Fondation Vincent van Gogh in Arles und reist nach Aarau weiter ins Long Museum in Shanghai (CN), in die Kestner Gesellschaft in Hannover (D) und ins Huis Marseille, Museum for Photography in Amsterdam (NL).

Jean-Luc Mylayne. Herbst im Paradies
18. Mai bis 11. August 2019

Aargauer Kunsthaus
Aargauerplatz
CH - 5001 Aarau

T: 0041 (0)62 83523-30
F: 0041 (0)62 83523-29
W: http://www.aargauerkunsthaus.ch/

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Jean-Luc Mylayne, N° 96, Août 1990 à Décembre 1991 128 x 128 cm, Collection Mylène et Jean-Luc Mylayne © Jean-Luc Mylayne, Courtesy Mylène & Jean-Luc Mylayne; Gladstone Gallery, New York, Bruxelles; Sprüth Magers, Berlin, London, Los Angeles
Jean-Luc Mylayne, N° 96, Août 1990 à Décembre 1991 128 x 128 cm, Collection Mylène et Jean-Luc Mylayne © Jean-Luc Mylayne, Courtesy Mylène & Jean-Luc Mylayne; Gladstone Gallery, New York, Bruxelles; Sprüth Magers, Berlin, London, Los Angeles
Jean-Luc Mylayne, N° 105, Septembre à Décembre 1991 191 x 404 cm, Collection Mylène et Jean-Luc Mylayne © Jean-Luc Mylayne, Courtesy Mylène & Jean-Luc Mylayne; Gladstone Gallery, New York, Bruxelles; Sprüth Magers, Berlin, London, Los Angeles
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Jean-Luc Mylayne, N° 117, Juin 1991 à Août 1992 128 x 128 cm, Collection Mylène et Jean-Luc Mylayne © Jean-Luc Mylayne, Courtesy Mylène & Jean-Luc Mylayne; Gladstone Gallery, New York, Bruxelles; Sprüth Magers, Berlin, London, Los Angeles
Jean-Luc Mylayne, N° 117, Juin 1991 à Août 1992 128 x 128 cm, Collection Mylène et Jean-Luc Mylayne © Jean-Luc Mylayne, Courtesy Mylène & Jean-Luc Mylayne; Gladstone Gallery, New York, Bruxelles; Sprüth Magers, Berlin, London, Los Angeles
Jean-Luc Mylayne, N° 301, Mars Avril 2005 123 x 123 cm, Collection Mylène et Jean-Luc Mylayne © Jean-Luc Mylayne, Courtesy Mylène & Jean-Luc Mylayne; Gladstone Gallery, New York, Bruxelles; Sprüth Magers, Berlin, London, Los Angeles
Jean-Luc Mylayne, N° 301, Mars Avril 2005 123 x 123 cm, Collection Mylène et Jean-Luc Mylayne © Jean-Luc Mylayne, Courtesy Mylène & Jean-Luc Mylayne; Gladstone Gallery, New York, Bruxelles; Sprüth Magers, Berlin, London, Los Angeles
Jean-Luc Mylayne, N° 337, Avril Mai 2005 153 x 153 cm, Collection Mylène et Jean-Luc Mylayne © Jean-Luc Mylayne, Courtesy Mylène & Jean-Luc Mylayne; Gladstone Gallery, New York, Bruxelles; Sprüth Magers, Berlin, London, Los Angeles
Jean-Luc Mylayne, N° 337, Avril Mai 2005 153 x 153 cm, Collection Mylène et Jean-Luc Mylayne © Jean-Luc Mylayne, Courtesy Mylène & Jean-Luc Mylayne; Gladstone Gallery, New York, Bruxelles; Sprüth Magers, Berlin, London, Los Angeles
Jean-Luc Mylayne, N° 341, Avril Mai 2005 153 x 153 cm, Collection Mylène et Jean-Luc Mylayne © Jean-Luc Mylayne, Courtesy Mylène & Jean-Luc Mylayne; Gladstone Gallery, New York, Bruxelles; Sprüth Magers, Berlin, London, Los Angeles
Jean-Luc Mylayne, N° 341, Avril Mai 2005 153 x 153 cm, Collection Mylène et Jean-Luc Mylayne © Jean-Luc Mylayne, Courtesy Mylène & Jean-Luc Mylayne; Gladstone Gallery, New York, Bruxelles; Sprüth Magers, Berlin, London, Los Angeles
Jean-Luc Mylayne, N° 368, Février Mars 2006 123 x 153 cm, Collection Mylène et Jean-Luc Mylayne © Jean-Luc Mylayne, Courtesy Mylène & Jean-Luc Mylayne; Gladstone Gallery, New York, Bruxelles; Sprüth Magers, Berlin, London, Los Angeles
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Jean-Luc Mylayne, N° 450, Janvier Février Mars 2007 138 x 228 cm, Collection Mylène et Jean-Luc Mylayne © Jean-Luc Mylayne, Courtesy Mylène & Jean-Luc Mylayne; Gladstone Gallery, New York, Bruxelles; Sprüth Magers, Berlin, London, Los Angeles
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Jean-Luc Mylayne, N° 476, Décembre 2006 – Mars 2007 190 x 153 cm, Collection Mylène et Jean-Luc Mylayne © Jean-Luc Mylayne, Courtesy Mylène & Jean-Luc Mylayne; Gladstone Gallery, New York, Bruxelles; Sprüth Magers, Berlin, London, Los Angeles
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Jean-Luc Mylayne, N° 524, Février Mars Avril 2007 228 x 183 cm, Collection Mylène et Jean-Luc Mylayne © Jean-Luc Mylayne, Courtesy Mylène & Jean-Luc Mylayne; Gladstone Gallery, New York, Bruxelles; Sprüth Magers, Berlin, London, Los Angeles
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