30. Dezember 2020 - 15:58 / Ausstellung 

Dürer, Klee, Modigliani, Picasso und vieles mehr präsentiert die Albertina 2021. Es ist zu hoffen, dass die herausragenden Ausstellungen heuer wieder durchgehend besucht werden können.

Die Ausstellung "Faces. Die Macht des Gesichts" präsentiert vom 12. Februar bis 24. Mai Porträts der deutschen Zwischenkriegszeit. Ausgangspunkt dafür ist Helmar Lerskis Fotoserie "Metamorphose – Verwandlungen durch Licht" (1935/36). In den 1920er- und 30er-Jahren erneuern Fotografinnen und Fotografen radikal das Verständnis des klassischen Porträts: Ihre Aufnahmen dienen nicht mehr der Darstellung der Persönlichkeit eines Menschen, sondern fassen das Gesicht als nach ihren Vorstellungen inszenierbares Material auf.

Vom 5. März bis 30. Mai 2021 läd die Albertina mit der Ausstellung "Landschaften. Von Albrecht Dürer bis Paul Klee" zu einem abwechslungsreichen Spaziergang durch Landschaftsbilder aus fünf Jahrhunderten. Von den Anfängen des autonomen Landschaftsbildes in der Dürer-Zeit spannt sich der Bogen über Bruegel, Rembrandt und das holländische Goldene Zeitalter, Canalettos spätbarocke Veduten sowie Poussins und Lorrains effektvolle Landschaftsstudien. Schlüsselwerke der romantischen Landschaft und österreichische Aquarellkunst des 19. Jahrhunderts wie Jakob Alts Wien-Ansichten runden die Ausstellung ab.

Mit der der Ausstellung "Xenia Hausner. True lies" vom 30. April bis 25. Juli zeigt die Albertina eine der wichtigsten österreichischen Malerinnen unserer Zeit. Der Schwerpunkt der Schau liegt auf dem Aspekt der Inszenierung, der die Werke von Xenia Hausner auszeichnet. Für ihre Bilder konstruiert die Künstlerin, die früher als Bühnenbildnerin tätig war, vorab räumliche Settings in ihrem Atelier. Autofragmente oder Zugabteile werden zu Kulissen, triviale Alltagsgegenstände zu Mitspielern ihrer eigentümlichen Szenarien.

Im Mittelpunkt dieser Fotoausstellung "American Photography" vom 16. Juni bis 29. August stehen zentrale Strömungen US-amerikanischer Fotografie zwischen den 1940er- und 2000er-Jahren. Die Umkehrung des "American Dream" ist ein Merkmal vieler der hier präsentierten Positionen. Eindrückliche Porträts halten der Gesellschaft auf humorvolle wie kritische Weise einen Spiegel vor. Raffinierte Farbaufnahmen der Konsumkultur wechseln sich mit dynamisch aus der Hüfte geschossenen Street-Fotos der Metropolen ab. Statt überhöhter Naturdarstellungen sind in kühlen Dokumentationen zersiedelte Landschaften und die Auswüchse des Tourismus zu sehen. Aufwändig inszenierte Tableaus erkunden menschliche Abgründe hinter einer inszenierten Fassade.

Anlässlich seines 100. Todestages würdigt die Albertina vom 17. September 2021 bis 9. Januar 2022 den italienischen Maler und Bildhauer Amedeo Modigliani mit einer großen Retrospektive unter dem Titel "Modigliani – Picasso. Revolution des Primitivismus", die in mehrfacher Weise eine Premiere darstellt. Man kennt Modigliani als von Alkohol- und Drogenexzessen bestimmten Bohèmien, gefälligen Porträtisten oder Wegbereiter des Art Déco. Die Ausstellung zeigt ihn erstmals als einen führenden Avantgardisten, der die Revolution des Primitivismus bis weit ins 20. Jahrhundert hinein trug. Modigliani wird in Österreich zum ersten Mal gezeigt: darunter seine berühmten Akte und außergewöhnlichen Porträts sowie einige seiner wenigen erhaltenen Skulpturen. Die Ausstellung bringt Werke aus den größten Museen und bedeutendsten Privatsammlungen von Amerika bis Asien zusammen. Besonderes Augenmerk wird auf die lebenslange Auseinandersetzung mit der Kunst des Primitivismus gelegt. Dem Œuvre Modiglianis werden Werke von Pablo Picasso, Constantin Brâncuşi und André Derain ebenso gegenübergestellt wie Artefakte sogenannter "primitiver" – prähistorischer, archaischer oder außereuropäischer – Kulturen.

Michela Ghisetti widmet die Albertina vom Oktober 2021 bis Jänner 2022 als erstes Museum in Österreich eine umfassende Retrospektive. Das Werk der 1966 im italienischen Bergamo geborenen und seit 1992 in Wien lebenden Künstlerin bewegt sich zwischen den Polen der Abstraktion und der Figuration. In Michela Ghisettis Arbeiten fließen biografisch-emotionale und philosophischkunsttheoretische Elemente ineinander. Dadurch entstehen konzeptuell strenge, aber auch humorvolle und intuitive Werkgruppen, wobei die Künstlerin stets neue Inhalte und unterschiedlichste Materialien erprobt.

Vom 30. April bis 18. Juli konzentriert sich die Albertina Modern auf das Frühwerk von Nobuyoshi Araki (geboren 1940), der zu den wichtigsten und produktivsten zeitgenössischen Fotografen Japans zählt. Der Künstler – von den Avantgardebewegungen Tokios geprägt – erneuerte die klassische Dokumentarfotografie ab den 1960er-Jahren radikal. Sein fotografisches Debüt über den Arbeiterklassen-Jungen Satchin und dessen Bruder Mabo (1963) ist ebenso vertreten wie Serien über das urbane Leben in Tokio.

Eine großangelegte Ausstellung unter dem Titel "The 80s. Never ending stories" vom November 2021 bis März 2022 in der Albertina Modern führt vor Augen, wie Kunstschaffende in den 1980er Jahren die bestehende Paradigmen aufbrechen und die Vielfalt im Ausdruck suchen.

Albertina
Albertinaplatz 1
A - 1010 Wien

W: http://www.albertina.at/

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Helmar Lerski, "Metamorphosis", 1885, 1935–1936  © Albertina, Wien
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Albrecht Dürer, "Innsbruck von Norden", um 1495, Aquarell © Albertina
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Xenia Hausner, "Kopfschuss", 2002–2004, Courtesy Xenia Hausner © Bildrecht, Wien, 2020
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Lisette Model Bars, "Singer at Cafe Metropole", 1940, Vintage Print, Albertina, Wien © The Lisette Model Foundation
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Amedeo Modigliani "Jeune fille en chemise", 1918  © Albertina, Wien – Sammlung Batliner
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Michela Ghisetti "AFUA/DER WEG" (Triptychon/Zweiter Teil), 2012 © Michela Ghisetti
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