11. Dezember 2014 - 4:30 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Frank Capras 1947 entstandene Tragikomödie über einen suizidgefährdeten Geschäftsmann, dem sein Schutzengel am Heiligen Abend den Wert seines Lebens bewusst machen muss, ist der Weihnachtsfilm schlechthin. Bei StudioCanal ist der Klassiker in restaurierter schwarzweißer Fassung sowie einer nachträglich colorierten Version auf DVD erschienen.

Fixer Bestandteil des Fernsehprogramms am Heiligen Abend ist Frank Capras Tragikomödie "Ist das Leben nicht schön?". Fast 70 Jahre ist dieser Film inzwischen zwar alt, doch immer noch besitzt dieses Loblied auf den rechtschaffenen und stets hilfsbereiten kleinen Mann und den Wert der Freundschaft große emotionale Kraft. Nicht zu übersehen ist freilich, dass es Capra nicht immer gelingt die Sentimentalität durch Ironie zu brechen.

Schon mit den ersten Einstellungen von der märchenhaft verschneiten Kleinstadt Bedford Falls und darüber gelegten Gebeten der Bewohner für George Bailey (James Stewart) zieht Capra den Zuschauer in den Film hinein. Wissen möchte man, für wen da gebetet wird. Charmant und ironisch verspielt wechselt der Film von der Erde zum Sternenhimmel, wo der noch flügellose Engel Clarence vom Heiligen Josef – nur aufblitzende Sterne sind die Akteure im Himmel - in Baileys Leben eingeführt und beauftragt wird, den suizidgefährdeten Mann zu retten.

Über eineinhalb Stunden dauert die Rückblende, in der nicht nur Georges Leben nachgezeichnet und ganz im Hintergrund auch der Börsencrash von 1929 und explizit der Zweite Weltkrieg einfließt, sondern an diesem auch die Kleinstadt und der aufrechte Kleinbürger gefeiert wird. Von Kindheit an träumte Bailey zwar von einer Weltreise und wahrhaft großen Taten, kam aber dann nie über seine Heimatstadt hinaus. Doch das ist gut so, sagt der Film und betont immer wieder, dass man gerade im kleinen Umfeld Bedeutendes leisten kann. - Der Großstadt wird eine Absage erteilt.

Gegenpol zum Kleinbürger Bailey ist der Kapitalist Potter, der die ganze Stadt an sich reißen will: Während der eine sich für die Mitbürger einsetzt, ihnen immer Geld leiht oder Sozialwohnungen baut und ein echter Familienmensch ist, ist der andere ein egoistischer Misanthrop, der die Menschen rücksichtslos ausbeutet. Was ohne Bailey aus der Stadt geworden wäre, führt der Engel im Finale drastisch vor: Statt einer ruhigen Hauptstraße bestimmen Bars und Nachtclubs das Bild der Stadt, die nun Pottersville heißt. Statt eines netten Umgangs der Bewohner herrscht ein aggressiver Ton.

Die Kritik an rücksichtslosem Kapitalismus ist ja durchaus zu begrüßen, doch zutiefst konservativ, wenn nicht gar reaktionär ist "Ist das Leben nicht schön?" nicht nur in der Verteufelung von Großstadt und Fortschritt und der Beschwörung einer heilen kleinen Welt, sondern auch in der Zeichnung der Frauenfiguren.

Die ihre Reize gezielt einsetzende Violet (Gloria Grahame), die schließlich in die Großstadt ziehen will, wird als negative Figur gezeichnet, während Mary (Donna Reed) zurückhaltend wartet, bis George um ihre Hand anhält. Die Frau an seiner Seite ist sie ab der Hochzeit, Stüzte in schwierigen Situationen, zuständig für die Sanierung des baufälligen Hauses und die Erziehung der vier Kinder.

Klar sind in diesem Sozialmärchen die Grenzen zwischen Gut und Böse gezogen, wird dem makellos guten George als Feindbild der grenzenlos böse Potter gegenübergestellt. Kritisieren kann man dieses einfache Freund-Feindschema, aber es ist natürlich nicht zuletzt diese klare Grenzziehung, die für die große emotionale Wirkung sorgt. Capra weiß als souveräner Erzähler nicht nur, wie er den Zuschauer für sich gewinnen und dessen Gefühle lenken kann, sondern versteht dabei auch geschickt im Hintergrund Weihnachten zur Emotionalisierung einzusetzen.

Die bei StudioCanal auf DVD erschienene restaurierte Fassung des Films besticht durch trotz des Alters des Films brillante Bildqualität und bietet an Sprachversionen die englische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsche Synchronfassung. Bei den Extras ist die erst im Nachhinein colorierte Fassung auf einer zweiten DVD entbehrlich. Denn einerseits werden hier mit der Farbe keine Akzente gesetzt, andererseits verlieren speziell die Schneeszenen durch die Colierung gegenüber dem schwarzweißen Original viel an Reiz.

Eine höchst unterhaltsame Entdeckung ist dagegen Leo McCareys 1925 gedrehter Kurzfilm "Ist das Leben nicht schrecklich?" mit Charley Chase und Oliver Hardy. Inszeniert ist das zwar einfach, doch der Slapstick, der sich vor der Kamera entwickelt, wenn Chase als Füllfederverkäufer sein Glück versucht oder mit seiner Frau und dem arbeitsscheuen Schwager auf eine Schiffsreise geht, lässt immer noch befreit auflachen.

Trailer zu "Ist das Leben nicht schön?"



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