Iris Andraschek - Niederösterreichische Würdigungspreisträgerin 2025

Iris Andraschek zählt zu den renommiertesten Künstlerinnen ihrer Generation in Österreich. Sie ist Würdigungspreisträgerin 2025 des Landes Niederösterreich in der Kategorie Bildende Kunst. Sie arbeitet in den Bereichen Zeichnung, Fotografie, Film, Installation und Kunst im öffentlichen Raum. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit dem Zusammenspiel von Öffentlichkeit und Privatheit, mit gesellschaftlichen Utopien, Erinnerungskultur und der Beziehung von Mensch und Natur. Andraschek ist überzeugt, dass jedes engagierte Handeln politisch wirksam werden kann. Seit 1987 verfolgt sie eine intensive nationale und internationale Ausstellungstätigkeit und hat wichtige ortsbezogene Projekte realisiert. Die Landesgalerie Niederösterreich gibt einen umfassenden Einblick in das facettenreiche Werk der Künstlerin.

Ein zentrales Werk der Ausstellung ist eine raumgreifende Installation. Aus Tausenden von Seifenblöcken baut Andraschek darin einen Teil des berühmten und im Krieg zum Großteil zerstörten Basars von Aleppo nach. Die Künstlerin thematisiert darin die Geschichte syrischer Flüchtlinge, die im türkischen Grenzgebiet während des Krieges Aleppo-Seife herstellten. Andraschek hat den Prozess der traditionellen Seifenherstellung in mehrmaligen Aufenthalten in der Türkei künstlerisch begleitet und erforscht. Zeichnungen und Filme dokumentieren ihre mehrjährige Auseinandersetzung damit. Andraschek spannt damit den Bogen von einer lokalen Tradition zu geopolitischen Fragestellungen.

Ein Hauptbestandteil der Aleppo-Seife ist Lorbeeröl. So verknüpft die Künstlerin das Projekt mit dem Mythos aus Ovids „Metamorphosen” über die Verwandlung der Daphne in einen Lorbeerbaum. Der Duft der Seifen empfängt die Besucher:innen bereits beim Betreten des Ausstellungsraums und spricht eine weitere Sinneswahrnehmung an.

In ihren Zeichnungen kombiniert Andraschek archetypische Bilder aus der Kulturgeschichte mit Persönlichkeiten und Zitaten. Die Texte setzt sie comicartig als Schriftschlingen in die Bilder und referiert dabei auf mittelalterliche Darstellungen. Die Betrachter:innen werden eingeladen, mit den Bildern in Dialog zu treten. Neben dem Bleistift verwendet die Künstlerin in ihren Zeichnungen auch andere Materialien wie Pigmente, Kopien, Fotos, Pastellkreide, Lack oder Tinte.

Im Bereich der Fotografie experimentiert sie mit Filtern, Studiolicht und Doppelbelichtungen. Ihre Porträts verbinden Inszenierung und Selbstbestimmung und bewegen sich zwischen Dokumentation und Fiktion. Die Beschäftigung mit Pflanzensamen und Saatgut führte die Künstlerin zu der Frage nach den Akteur:innen in der Landwirtschaft und deren Arbeitsweisen. Eine Fotoserie thematisiert die Schönheit und Problematik der Nahrungsmittelproduktion sowie die Rolle von Bäuer:innen in der regionalen Landwirtschaft im Kontrast zur globalisierten Agrarindustrie.

In Krems ist Andraschek für ihr vielbeachtetes Projekt „Ich bin hier.“ bekannt. Es entstand im Rahmen der Ausstellung „Wo sind sie geblieben? Die Frauen von Krems“, das 2021 im Museum Krems gezeigt wurde.
Über 100 im öffentlichen Raum in Krems aufgemalte Teppiche verweisen auf Wohn- oder Arbeitsorte jüdischer Frauen, die während der Zeit des Nationalsozialismus flüchten mussten oder deportiert und ermordet wurden. Ein Teppich ist nach wie vor am Eingang der Landesgalerie Niederösterreich sichtbar. In der Ausstellung erinnern handgeschnittene Schablonen dieser Teppiche an das Projekt.

Eine Installation, die einen gezeichneten Teppich mit einem Globus aus den 1940er-Jahren kombiniert, thematisiert den Raub von Kulturgut im Dritten Reich. Der dargestellte Teppich war Teil der Privatsammlung des nationalsozialistischen Politikers und Kriegsverbrechers Hermann Göring und gilt als verschollen.

Die Natur ist ein wesentliches Element in verschiedenen Werkblöcken von Andraschek. Die Künstlerin überzieht Halme, Blätter, Wurzeln, Stängel und Ranken von Ackerpflanzen und Wildkräutern mit Kupfer oder Nickel. Das schimmernde, filigrane Äußere der Pflanzen steht im Kontrast zu dem metallenen Mantel, in dem sie beim Galvanisieren eingeschlossen werden. Die galvanisierten Pflanzen inszeniert sie anschließend mit Sprechblasen, in die Kommentare von Expert:innen aus den Bereichen Agrikultur, Botanik und Landwirtschaft geschrieben sind. Darin werden Fragen nach den Ursachen und Folgen der künstlichen Hybridisierung von Saatgut aufgeworfen.

Andraschek kombiniert alte Bienenkästen mit Videobeiträgen von Fachleuten und Lebensmittelproduzent:innen. So wird der Ort der Honigherstellung zur Plattform des Wissens und der Wissensweitergabe.

In Aquarien integriert die Künstlerin verschiedene bunte, künstliche oder natürliche Materialien, die sich im Wasser tänzerisch bewegen. Die durch Leichtigkeit bestechende Ästhetik steht der schwerwiegenden Frage gegenüber, wie wir mit der Natur und dem Grundnahrungsmittel Wasser umgehen. Rückstände unserer Zivilisation – von Mikropartikeln bis hin zu Abfällen – belasten die Umwelt erheblich. Andraschek macht mit ihren Werken die tieferen Zusammenhänge unserer Umwelt sichtbar.

Iris Andraschek (* 1963 in Horn, Niederösterreich) lebt und arbeitet in Wien und Mödring.

Iris Andraschek
NÖ Würdigungspreisträgerin 2025
29.11.2025 – 03.05.2026
Kurator: Hubert Nitsch