25. Oktober 2011 - 2:20 / Ausstellung / Design 
25. Mai 2011 30. Oktober 2011

Die MAK-Ausstellung "Industriemöbel – Prototypen der Moderne" widmet sich einem bislang kaum beachteten Phänomen der Designgeschichte. Als apparative Hilfsmittel für bestimmte Arbeitsabläufe in Fabriken entstanden Industriemöbel, meist aus geschraubten oder geschweißten Eisenplatten, Metallblechen, Stahlrohren und Holzbrettern, ohne Rücksicht auf ästhetische Aspekte "aus der Praxis für die Praxis" und stellen damit "elementares Design" im besten Sinne dar.

Diese Arbeitsmöbel gelten aufgrund ihrer von schmückendem Beiwerk weitgehend freien Konstruktionsweise und einer auf das Wesentliche reduzierten Gestaltung als Inbegriff der Funktionalität. Sie werden je nach Bedarf gebaut, nicht planmäßig entworfen und müssen hauptsächlich den technischen Erfordernissen und industriellen Arbeitsprozessen einer Fabrik entsprechen. Auf alles, was dem Produktionsablauf nicht dient, wird verzichtet.

Seit dem Ende des Industriezeitalters werden Industriemöbel vermehrt als modische Accessoires im privaten Rahmen – etwa bei der Einrichtung städtischer Loftwohnungen – verwendet, wo sie bourgeoisen Chic verbreiten und für einen originellen und individuellen Lebensstil stehen. Zugleich bedienen sie das nostalgische Bedürfnis nach historischer Überlieferung und kulturellem Erbe einer entschwundenen Zeit, wie dies z.B. auch Rokokostühle oder Biedermeiersekretäre tun.

Mit ihrer einfachen und geradlinigen Bauweise hatten sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch Einfluss auf die Gestalter – vorwiegend Architekten – der klassischen Moderne. Im Gegensatz zur ursprünglichen Verwendung von Industriemöbeln als funktionale Arbeitsgeräte waren die Architekten und Designer der Moderne jedoch an der Maschinenästhetik und dem Industriestil interessiert.

Industriemöbel werden bis heute für bestimmte Zwecke und Tätigkeiten in Fabriken und Industrieanlagen verwendet und von Arbeitern und Mechanikern im Eigenbau hergestellt; sie sollen nichts weiter sein als robuste Arbeitsflächen, übersichtliche Ablagen und einfache Sitzgelegenheit oder sichere Aufbewahrung garantieren.

Die in der MAK-Ausstellung "Industriemöbel – Prototypen der Moderne" gezeigten Exponate stammen vor allem aus vier österreichischen Industriestandorten: der 2007 geschlossenen und inzwischen abgerissenen Kromus-Fabrik in Wien (Produktion von Metallwaren und Eisenmöbeln), dem international führenden Eisenwerk in Sulzau-Werfen (seit 1850 Produktion von Walzen für die Stahlindustrie), der 2008 nach einem Großbrand stillgelegten Glanzstoff-Fabrik in St. Pölten (Herstellung von Viskosegarnen) und dem seit mehr als 150 Jahre bestehenden Eternitwerk in Vöcklabruck (Herstellung des Betonfaser-Werkstoffs Eternit, im Designbereich vor allem durch die Objekte des Schweizer Designers Will Guhl bekannt geworden).

Neben den Möbeln aus österreichischen Betrieben sind auch einige internationale Beispiele aus Frankreich, Deutschland und England zu sehen.

Katalog: Zur Ausstellung erscheint die Publikation "Industriemöbel – Prototypen der Moderne", MAK Wien (Hg.), mit Textbeiträgen von Sebastian Hackenschmidt, Martina Kandeler-Fritsch und Monika Wagner, MAK Studies 20, deutsch/englisch, 128 Seiten, MAK Wien/Verlag für moderne Kunst Nürnberg 2011, EUR 25.

Industriemöbel – Prototypen der Moderne
25. Mai bis 30. Oktober 2011
Ausstellungsort: MAK-Studiensammlung Möbel

MAK Wien
Stubenring 5
A - 1010 Wien

W: http://www.mak.at/

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Maschinentisch aus der Glanzstofffabrik, St. Pölten, um 1920. © MAK/Georg Mayer
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Spind aus der Kromus-Fabrik, Wien, um 1930. © MAK/Georg Mayer
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Hocker der Firma Rowac, Chemnitz, 1920er Jahre. © MAK/Georg Mayer
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Hocker aus dem Eisenwalzenwerk, Sulzau-Werfen, 1930er Jahre. © MAK/Georg Mayer