15. April 2010 - 2:22 / Ausstellung / Ethno 
5. September 2009 18. April 2010

Als der Archäologe, Missionar und spätere erste Professor für Tibetologie an der Universität Berlin, August Hermann Francke, 1909 nach dem Westhimalaya aufbrach, tat er dies, als Tibet ein für Ausländer versperrtes Land war. Im Jahr 2009 ist Tibet ein nahezu zerstörtes Land. Einigermaßen unverfälschte tibetische Kultur ist nur noch in den Grenzregionen des Himalaya zu erleben. Das erzwungene Exil zehntausender Tibeter hat diesen ehemals kleinen Fürstentümern und Königreichen seit einigen Jahren eine ungeahnte kulturelle Renaissance beschert. Aus Anlass des einhundertjährigen Jubiläums der Francke-Expedition, stellt das Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen im Herbst 2009 erstmalig Geschichte und Gegenwart dieses besonderen Kulturraumes in einer groß angelegten Ausstellung vor.

Im Jahre 1909 begab sich der deutsche Archäologe August Hermann Francke auf eine 2000 km lange, gefährliche Expedition durch einige der unbekanntesten, jedoch großartigsten und kulturell reichsten Regionen der Erde. Ziel war es, deren tausendjähriges buddhistisches Erbe aufzuspüren: den Westhimalaya. Zum ersten Mal in der Geschichte hielten er und sein Fotograf Babu Pindi Lal bizarre Landschaften, künstlerisch überwältigende Kulturstätten und faszinierende Gebräuche der lokalen Bevölkerung in Wort und Bild fest.

Genau dreissig Jahre später wurde der österreichische Bergsteiger und Forschungsreisende Heinrich Harrer im indischen Teil des Himalaya gefangen genommen. Die abenteuerliche Flucht nach Tibet und die Zeit dort, hielt er in dem Werk "Sieben Jahre in Tibet" fest. Das Werk wurde zum Bestseller und trug die tibetische Kultur in alle Welt hinaus und machte sie populär. Endlich wurde die Öffentlichkeit aufmerksam, was in dieser umstrittenen Bergregion passierte und bis heute geschieht. Harrer bereiste später erneut die Gebiete im Westhimalaya wie Ladakh und Zanskar, brachte unzählige Beispiele der tibetischen Kultur aus diesem Teil Indiens mit Nachhause und schrieb über seine Erlebnisse.

Aufgrund politischer Umstände war der Westhimalaya dem Zutritt Fremder lange Zeit verschlossen. Erst Ende des 20. Jahrhunderts wurde dieses Gebiet einer begrenzten Anzahl Reisender wieder in Teilen zugänglich gemacht. Dies hat der Frankfurter Autor und Fotograf Peter van Ham zum Anlass genommen, um in mehreren, über die letzten zwanzig Jahre verteilten Expeditionen den Spuren Franckes durch die Bergwüsten von Kinnaur, Spiti, Lahaul, Rupshu, Nubra, Zanskar und Ladakh zu folgen. Die Ergebnisse seiner durch die UNESCO, den Dalai Lama und den Archäologischen Vermessungsdienst Indiens geförderten Forschungsreisen sind verblüffend: Kultur und Landschaft des Westhimalayas sind grösstenteils noch wie zur Zeit des Archäologen August Hermann Francke zu Beginn des letzten Jahrhunderts.

Durch die Zusammenarbeit mit dem Kern Institut der Universität Leiden und dem Universitätsarchiv Herrnhut, können in dieser Ausstellung erstmals aktuelle Ansichten tibetischer Himalayakultur den historischen Fotografien gegenüber gestellt werden. Dabei hat der Frankfurter Autor und Fotograf Peter van Ham aufgrund seiner Verbindungen zum Dalai Lama und der indischen Regierung Einsichten in den vorgestellten Kulturraum erhalten, wie wohl niemand sonst zuvor. Seine über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten zusammengestellte, umfassende fotografische, filmische und textliche Dokumentation beinhaltet einzigartige Rituale, Innenansichten sonst nicht zugänglicher Tempel, Kunstwerke, Feste, Landschaftspanoramen und Ansichten des täglichen Lebens.


Zur Ausstellung "Indiens Tibet – Tibets Indien. Das kulturelle Vermächtnis des Westhimalaya" erscheint 2009 die gleichnamige Publikation von Peter van Ham im Hirmer-Verlag München.

Indiens Tibet - Tibets Indien
Das kulturelle Vermächtnis des Westhimalaya
5. September 2009 bis 18. April 2010

Völkerkundemuseum St. Gallen
Museumstrasse 50
CH - 9000 St.Gallen

W: http://www.hmsg.ch/

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