Indah Arsyad – Kunst im Zeitalter der ökologischen Krise

Indah Arsyad zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Medienkünstlerinnen Indonesiens. Mit „The Ultimate Breath” widmet das Weltmuseum Wien der Künstlerin ihre erste Einzelausstellung in Österreich. In ihren poetisch-technologischen Installationen setzt sich Arsyad insbesondere mit der Fragilität ökologischer Systeme auseinander und eröffnet einen Dialog zwischen wissenschaftlicher Beobachtung, indigenen mythologischen Traditionen und zeitgenössischer Medienkunst.

Ihre Werke entstehen aus einer intensiven Auseinandersetzung mit der globalen ökologischen Krise und dem gestörten Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur. Obwohl die von ihr erforschten Themen in der ökologischen Realität Indonesiens verwurzelt sind, gehen sie über geografische Grenzen hinaus und vermitteln eine universelle Botschaft, die für die heutige Welt von großer Bedeutung ist.

Persönliche Erfahrungen während der Corona-Pandemie ließen sie die elementare Rolle von Sauerstoff als Grundlage des Lebens gänzlich neu begreifen. Schätzungen zufolge stammen 50 bis 80 % des Sauerstoffs auf der Erde von Phytoplankton. Die Gefährdung des Phytoplanktons durch Verschmutzung und Klimawandel bildet einen zentralen Bezugspunkt ihrer künstlerischen Praxis. In ihren Werken erscheint Sauerstoff zugleich als biologische Notwendigkeit und spirituelle Metapher: als „Atem des Lebens“.

Ihre Kunst verbindet diese aktuellen Fragen mit Bildwelten der hinduistisch geprägten Mythologie Javas und Balis. Wayang-Figuren, Klangtraditionen des Gamelan und der Lebensbaum Gunungan bilden ein kulturelles Reservoir, das Arsyad in einen zeitgenössischen, technologiegestützten Kontext überführt. Dieser Dialog zwischen Mythen, Datenströmen und ökologischer Realität verleiht ihren Arbeiten eine besondere poetische Kraft.

Die Ausstellung umfasst unter anderem eine fünfteilige Serie von Arbeiten auf Plexiglas sowie die Multimedia-Installation „The Ultimate Breath“.

In der Plexiglas-Serie werden Mikroskopaufnahmen von Phytoplankton präsentiert, die mit mythologischen Symbolen für Macht, Vergänglichkeit und kosmische Ordnung verziert sind. Die Gravuren sind von alten javanischen Tempelreliefs und dem Gunungan inspiriert. Sie schlagen eine Brücke zwischen Natur, Mythologie und der sich ständig wandelnden Beziehung der Menschheit zum Universum.

Damit soll die unverzichtbare Rolle des Phytoplanktons als primärer Sauerstoffproduzent auf der Erde unterstrichen werden. Gleichzeitig wird die Aufmerksamkeit auf die Fragilität der Ökosysteme unter dem Druck menschlicher Aktivitäten gelenkt, was durch Reliefs symbolisiert wird, auf denen eine Gasmaske zu sehen ist.

Die präsentierten Arbeiten treten sowohl mit ausgewählten historischen Objekten aus den Sammlungen des Weltmuseums Wien als auch mit Leihgaben aus indonesischen Communities, die von der Künstlerin zur Beteiligung an der Ausstellung eingeladen wurden, in einen Dialog. Die für ein Schattenspiel verwendeten Wayang-Figuren veranschaulichen, wie lebendig diese Tradition bis heute ist. Sie verweisen auf die lange kulturelle Tradition, aus der Arsyad schöpft, und machen zugleich die Aktualität ihrer Themen sichtbar.

Die zentrale Installation „The Ultimate Breath” ist eine immersive Videoinstallation, in der Indah Arsyad Symbole aus der javanischen Mythologie – darunter Gunungan (Lebensbaum) und Batara Kala (Gott der Zeit und Hüter des kosmischen Gleichgewichts) – sowie Aufnahmen von unter dem Mikroskop betrachtetem Phytoplankton animiert.

Sensoren in den indonesischen Flüssen Cimanceuri und Cisadane liefern in Echtzeit Messdaten zum jeweiligen pH-Wert des Wassers und zum Kohlendioxidgehalt in der Luft. Diese Informationen steuern direkt die Lichtabfolge der Installation, die visuelle Struktur der Projektionen sowie das Klanginstrument Bonang. Dieses ertönt als Warnsignal vor der Gefahr der Umweltverschmutzung, die zur Zerstörung der Erde führt. Die Phytoplankton-Aufnahmen erscheinen als pulsierende Mikrokosmen, deren Bewegungen ebenfalls auf die in Indonesien erfassten Daten reagieren.

So entsteht ein audiovisuelles Ökosystem, das auf die jeweilige Umweltbelastung reagiert – ein Bild für ein Universum, das aus dem Gleichgewicht gerät, wenn die Natur gestört wird.

Indah Arsyad (geb. 1965 in Ambon, Indonesien) ist ausgebildete Landschaftsarchitektin und Umwelttechnologin. Sie beschäftigt sich mit Themen wie Klimawandel, ökologische Zerstörung und Pandemien.

Indah Arsyad
The Ultimate Breath
Bis zum 25. Mai