7. Januar 2020 - 4:26 / Ausstellung / Malerei 
17. Januar 2020 19. April 2020

Mit der Ausstellung "Impressionismus in Leipzig 1900–1914: Liebermann, Slevogt, Corinth" befasst sich das Museum der bildenden Künste Leipzig mit seiner eigenen Geschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die weitgehend in Vergessenheit geratenen Personalausstellungen von Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth, die der Leipziger Kunstverein im Museum zwischen 1904 und 1911 ausrichtete, werden rekonstruiert und zu den Gemäldeankäufen des Museums aus jener Zeit in Beziehung gesetzt.

Die frühen Ausstellungsdaten belegen, dass Leipzig ein wichtiger Vermittlungsort impressionistischer Kunst war – zumindest aus Sicht der führenden Galerien im deutschen Kaiserreich: Ernst Arnold in Dresden und Paul Cassirer in Berlin. Sie zogen auf Einladung des Leipziger Kunstvereins in die heiligen Tempelbezirke des Museums ein, um Verkaufsausstellungen unter anderem mit Liebermann, Slevogt und Corinth durchzuführen. Die Verquickung von Kunstmarkt und Institution mag im Rückblick befremdlich wirken, doch fand sie in aller Offenheit und medialen Transparenz statt.

Die Bezeichnung „Impressionismus“ wurde damals für alle drei Künstler in der Leipziger Lokalpresse verwendet. Zugleich – so scheint es im Rückblick – hinderte jedoch ein patriotisches Unbehagen, Liebermann, Slevogt oder Corinth als reine Impressionisten zu bezeichnen. Bis 1914 war man bemüht, sie aus der zeitgenössischen französischen Stilumklammerung herauszulösen und ihre Eigenständigkeit zu betonen. Ihre Malweise und Bildthemen wurden stattdessen in ein größeres kunsthistorisches Koordinatensystem gerückt: Tizian, Rubens, Hals oder Delacroix waren die großen Vorbilder, nicht die Malerkonkurrenz aus Paris. Dennoch kehrte man, trotz einer kritischen und teils korrekten Stilanalyse, immer wieder zum Impressionismus als kunsthistorischem Sammelbegriff zurück – mangels zwingender Alternativen, aber auch mit Blick auf den internationalen Kunstmarkt.

Inwieweit Liebermann, Slevogt oder Corinth impressionistische Maler oder Wegbereiter der Moderne waren, ist nicht Thema der Ausstellung. Vielmehr soll der Aufbruch Leipzigs zu einer modernen Großstadt vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges nachgezeichnet werden. Ausgehend von den rekonstruierten Ausstellungen werden historische Querschnitte gelegt, deren Spannweite von Nachrichten aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Sport, Kriminalität bis hin zur Wetterprognose reicht. Was heute angesichts der tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen durch die digitalen Möglichkeiten schnell vergessen wird: Leipzig hatte im Vergleich zu heute mehr Tageszeitungen, Verlagshäuser und Großunternehmer, zweifellos ein größeres Theater-, Varieté-, Tanz- und Konzertangebot, mindestens genauso so viele Gaststätten, Caféhäuser und Hotels. Aber auch eine große, wenn nicht gar höhere Anzahl von Selbstmorden, tödlichen Verkehrs- und Arbeitsunfällen sowie Vergewaltigungen, Morde und andere Verbrechen.

Vor diesem breitgefächerten sozialgeschichtlichen Hintergrund treten die einst in Leipzig zum Verkauf angebotenen Gemälde von Liebermann, Slevogt und Corinth in Erscheinung. So handelt die Ausstellung auch von erfolgreichen Galeristen, in Vergessenheit geratenen Privatsammlern, zerstrittenen lokalen Künstlervereinigungen und verpassten Ankaufschancen für das Museum der bildenden Künste Leipzig. Das hier veranstaltete Gesellschaftsspektakel Kunst war von einer erstaunlichen Schnelligkeit: Im monatlichen Wechsel wurden unter extrem beengten räumlichen Verhältnissen bis zu vier künstlerische Positionen gleichzeitig gezeigt, jährlich waren 50 und mehr Ausstellungen zu sehen.

"Impressionismus in Leipzig 1900–1914: Liebermann, Slevogt, Corinth" gliedert sich in drei Teile und sieht für jeden Künstler eine Ausstellungsdauer von drei Monaten vor, wobei sich die Laufzeiten bewusst überschneiden. Die sozialgeschichtliche Dokumentation ist über die gesamte Ausstellungsdauer von sechs Monaten konstant.

Impressionismus in Leibzig 1900-1914: Liebermann, Slevogt, Corinth
Teil 2: Max Slevogt
17. Januar bis 19. April 2020

Museum der bildenden Künste Leipzig
Katharinenstraße 10
D - 04109 Leibzig

T: 0049 (0)341 216 99-0
F: 0049 (0)341 216 99-999
E: mdbk@leibzig.de
W: http://www.mdbk.de/

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