24. August 2020 - 13:06 / Martina Pfeifer Steiner / Musik / Opera buffa 

Die Bregenzer Festspiele sind heuer ausgefallen, und es bleibt zu fragen, ob die "Festage" ein wenig hinwegtrösten können. Das einzige Stück, das regulär auf dem Spielplan gestanden wäre, ist "Impresario Dotcom", die Opera buffa in vier Bildern, ein Auftragswerk an die Komponistin Ľubica Čekovská. Gekürzt musste auf eine Fassung ohne Pause werden und die Geschichte hätte in Corona-Zeiten eigentlich unheimliche Brisanz haben können. Inspiriert von Carlo Goldonis "Der Impresario von Smyrna" aus dem Jahr 1761, wo ein Edelmann eine Oper besetzen will und das Milieu des Musiktheaters komödiantisch abgehandelt wird, bleibt die Librettistin Laura Olivis zwar in dieser Handlungsstruktur, die Transformation ins Heute gelingt aber nicht.

Die Oper beginnt vielversprechend: der Impresario – die Schauspielerin und Tänzerin Zeynep Buyraç – gibt den starken Auftakt mit jetzt üblichen Ansagen zu Verhaltensvorschriften. Das hat etwas Abstraktes. Ein Dotcom – als unnahbare Instanz zieht er die Fäden. Die OpernsängerInnen stellen sich ein und dem Conte Lasca (Christoph Pohl, Bariton) vor. Orfeo, der Countertenor Hagen Matzeit, stimmt "Che faró senza Euridice" an, und es ist höchst reizvoll, wie das Kammerorchester, in ungewohnter Besetzung – mit beispielsweise einer Ukulele – die Arie fragmentiert und zusammenbröseln lässt. Die slowakische Sopranistin Eva Bodorová als Olympia aus Hofmanns Erzählungen stakst in ihrem spacig silber-glänzenden Catsuit in den Ring und schon bei Terézia Kružliaková, die für die Titelpartie von Bizets "Carmen" vorsingen will (oder eben nicht will, weil sie Vorsingen hasst), bleiben die charakteristischen musikalischen Anhaltspunkte immer weiter auf der Strecke.

Auch die anderen ProtagonistInnen, mit Violetta (mit violettem Kleid) aus "La Traviata" – Adriana Kučerová – und dem amerikanischen Tenor Simeon Esper als Tamino verlieren sich sinnlos in der erzählten Geschichte.

Gut ist das vielschichtige Bühnenbild von Hermann Feuchter: Am Anfang der strenge Raster mit abgehängten Bahnen, dann die Möglichkeiten im chaotischen Boxring als Apartment, in dem alle untergebracht sind, und später die SängerInnen aufgefädelt in verschiebbaren Theatersitzreihen. Gut sind die manieristischen Kostüme von Nicole Pleuler und es gibt Ideen von Elisabeth Stöppler in der Inszenierung, die Potenzial hätten. Aber es bleibt eine unerfreuliche Nonsense-Geschichte, die genau das aufs Korn nimmt, warum man für eine Oper ins Theater geht.

Und das hat sich trotzdem auch bei dieser Bregenzer Uraufführung erfüllt: Hervorragende Sängerinnen und Sänger, ein konzentriert und freudvoll musizierendes Kammerensemble des Symphonieorchesters Vorarlberg, ein präzise dirigierender Christopher Ward. Es bleibt zu hoffen, dass es nächstes Jahr wieder "richtige" Bregenzer Festspiele gibt.



Olympia Eva Bodorová und Conte Lasca Christoph Pohl (Foto: Bregenzer Festspiele/ Karl Forster)
Olympia Eva Bodorová und Conte Lasca Christoph Pohl (Foto: Bregenzer Festspiele/ Karl Forster)
Spielt den Orfeo: Hagen Matzeit (Foto: Bregenzer Festspiele/ Karl Forster)
Spielt den Orfeo: Hagen Matzeit (Foto: Bregenzer Festspiele/ Karl Forster)
Violetta Adriana Kučerova (Foto: Bregenzer Festspiele/ Karl Forster)
Violetta Adriana Kučerova (Foto: Bregenzer Festspiele/ Karl Forster)
 Szene aus Impresario Dotcom (Foto: Bregenzer Festspiele/ Karl Forster)
Szene aus Impresario Dotcom (Foto: Bregenzer Festspiele/ Karl Forster)