„Im erweiterten Raum“ – Kunstwerke aus der Strabag Art Collection

Im Fokus der Ausstellung im Künstlerhaus in Wien stehen herausragende künstlerische Positionen der Malerei und Zeichnung aus der Strabag Art Collection. Die Kunstwerke loten auf sehr unterschiedliche Art und Weise die Grenzen ihres Mediums aus. Dabei beweisen sie einmal mehr, dass diese traditionellen Ausdrucksmittel in unserer multimedialen Gegenwart nichts an Strahlkraft und Ausdrucksstärke verloren haben. Die vielfältigen, bisweilen auch raumgreifenden und eigens für die Schau entstandenen Arbeiten überzeugen durch formale und inhaltliche Meisterschaft. Die zehn in der Ausstellung gezeigten österreichischen und europäischen Künstler:innen sind Preisträger:innen des Strabag Art Award.

Die Werke von Clemens Wolf begrüßen die Besucher:innen im ersten Raum der Schau. Wolf hat die Grenzen der Zweidimensionalität längst hinter sich gelassen. Doch es geht um mehr, denn für den Künstler kann alles Malerei sein. So verwandelt er Schablonen, Maschendraht oder alte Fallschirme in abstrakte, sinnliche Farbobjekte. Seine Kunst hat sich von der Darstellung urbaner Strukturen zu einer prozessorientierten Auseinandersetzung mit Form, Material und Zufall entwickelt, in der Malerei, Skulptur und Raum miteinander verschmelzen. Im Dialog dazu stehen Werke von Lucia Tallová, die in ihren Malereien, Collagen und Installationen vielschichtig über Erinnerung, Vergänglichkeit und Weiblichkeit reflektiert. Wir sehen atmosphärisch dichte Malereien und Objektbilder, in denen sie Fundstücke wie alte Schubladen und Buchseiten mit malerischen und dekorativen Elementen kombiniert.

Ein eigener Raum ist neuen Arbeiten von Robert Gabris gewidmet. Gabris erzählt in feinen, aufwendig gestalteten Zeichnungen spekulative Geistergeschichten, die sich am kulturellen Erbe der Roma orientieren, dieses jedoch neu interpretieren. Er hinterfragt normative Erzählmuster und ruft dazu auf, queere und bisher ausgeschlossene Figuren in die kulturelle Mythologie zu integrieren, um neue, befreiende Narrative zu schaffen.

Sevda Chkoutova erforscht in ihren Zeichnungen und Malereien die Autonomie und Sinnlichkeit des weiblichen Körpers. Weiblichkeit erscheint darin als ein mit der Natur verwobener, lebendiger Prozess von Verwandlung, Verletzlichkeit und schöpferischer Kraft, der Körper und Umwelt untrennbar verbindet. Immer wieder gestaltet die Künstlerin großflächige Wandzeichnungen, die in Beziehung mit ihren Papierarbeiten treten – so auch in dieser Ausstellung. Ein stimmiges Gegenüber ist die Kunst von Maria Legat. Sie verhandelt Fragen von Körper, Identität und Macht und bettet diese subtil aus weiblicher Perspektive in gesellschaftliche und politische Bildräume ein. Zu sehen ist ihre bisher größte raumgreifende Arbeit. Die auf roher Leinwand gemalten Zeichnungen oder auch zeichnerischen Malereien entführen in eine figurative Welt voller erzählerischer Vieldeutigkeit und tiefgründiger Rätselhaftigkeit.

Gunter Damisch und Birke Gorm ist jeweils ein eigener Raum gewidmet. Damisch schafft durch Malerei, Zeichnung und Skulptur komplexe, organisch wachsende Welten, die zwischen Ordnung und Chaos oszillieren und grundlegende Lebensfragen erforschen. Es ist eine zeitlose, poetische und farbenfrohe Kunst, die Mikro- und Makrokosmos verbindet und die Wahrnehmung für das Unendliche öffnet. Gorm fokussiert sich in ihrer Arbeit stark auf Materialität, tradierte Produktions- und Geschlechterrollen sowie den Übergang von alltäglichen Materialien zu künstlerischen Objekten. Charakteristisch sind ihre figurativen Handstickereien auf Juteleinen sowie kleine Tonfiguren aus Terrakotta.

Einen schönen formalen Kontrast dazu bilden die Arbeiten von Stefan Peters. Seine Landschaften sind weniger Naturabbild als vielmehr ein Mittel zur Erkundung von Form, Farbe und Pinselgestus. Dabei verbindet er kunsthistorische Referenzen und experimentelle Techniken, wie etwa Rasteranordnungen, um neuartige Bilderlebnisse zu ermöglichen. Den Werken von Peters stehen die zarten, abstrakten Malereien von Natascha Schmitten gegenüber. Sie zeichnen sich durch den Einsatz transparenter Gewebe und einer intensiven, oft reduzierten Farbpalette aus. Dadurch entfalten ihre Bilder eine leuchtende Raumtiefe und eine feine, transparente Schichtwirkung.

Ein abschließender Einzelraum ist den Werken von Andreas Werner gewidmet. In seinen großformatigen Zeichnungen verbindet er Landschaft und Mythologie, Architektur und Maschine zu hybriden Konstruktionen, die archaisch-futuristisch anmuten. So entstehen symbolische Denk- und Gefühlsräume an der Schnittstelle von Mensch und Technik, Geschichte, Gegenwart und Zukunft.

Mit Sevda Chkoutova, Gunter Damisch, Robert Gabris, Birke Gorm, Maria Legat, Stefan Peters, Natascha Schmitten, Lucia Tallová, Andreas Werner und Clemens Wolf.

Im erweiterten Raum
Bis 7.6.2026