Ilya und Emilia Kabakov: The Tennis Game. Im Dialog mit Boris Groys.

Raumfüllend wie ein Tennisfeld, verwoben wie ein fesselnder Match und nachwirkend wie ein Grand-Slam-Finale – „The Tennis Game. Im Dialog mit Boris Groys." (Fassung 2) ist ein Werk, das mit seinem Frage-Antwort-(Tennis)-Spiel Schlagfertigkeit, Tiefgründigkeit und ironischen Humor an den Tag legt. Das 25-jährige Werk, das 2000 in Karlsruhe erstmals gezeigt wurde und seither international ausgestellt ist, ist nun Teil der Sammlung der Zuger Kunstgesellschaft – dank der großzügigen Schenkung Emilia Kabakovs. Es berührt durch seine zeitlose Aktualität und stellt dabei aufwühlend ehrliche bis ironische Fragen zur Menschlichkeit angesichts gesellschaftlicher und historischer Entwicklungen.

„The Tennis Game. Im Dialog mit Boris Groys." (Fassung 2)
„Das Thema ‚Tier‘ weckt bei mir das Gefühl der Ratlosigkeit“, so beginnt das monumentale Werk des international bekannten Künstlerpaars Ilya & Emilia Kabakov. Schnell wird klar: Gemeint ist nicht das Tier, sondern der Mensch im Strudel der gesellschaftlichen und weltpolitischen Entwicklungen.

Es folgt ein rasanter Schlagabtausch tiefgreifender Fragen, humorvoller Anmerkungen und nüchterner Geständnisse zwischen Ilya Kabakov und dem Philosophen Boris Groys. Ihr Frage-Antwort-(Tennis)-Spiel auf 14 Schiefertafeln, die das tennisfeldgroße Werk säumen, entwickelt einen packenden Sog. Kaum hat man als Besucher:in das Tennisfeld betreten, wird man selbst zur Spielerin bzw. zum Spieler. Man pariert Fragen, man wird mitgerissen.

Ilya und Emilia Kabakov sind Meister der Erzählkunst, was „Tennis Game. Im Dialog mit Boris Groys” eindrücklich belegt. Ihr vielschichtiges Werk überwindet den Graben zwischen Osten und Westen, indem es beiden die Utopie entzieht.

Ilya (1933–2023) und Emilia (* 1945) Kabakov zählen zu den bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten der Gegenwart. Ihre Arbeiten oszillieren zwischen Konzeptkunst, Installation, Literatur und Musik. Mit feinsinniger Poesie ebenso wie mit subversivem Witz thematisieren sie die Macht der Ideologien, die Fragilität der Erinnerung und die Sehnsucht nach Utopie.

Ilya Kabakov wurde 1933 in Dnepropetrowsk (heute Dnipro, Ukraine) geboren. Als zentraler Vertreter des Moskauer Konzeptualismus prägte er das inoffizielle Kunstgeschehen der Sowjetunion. 1988 emigrierte er in die USA, wo er bald darauf gemeinsam mit seiner Frau Emilia Kabakov als Künstlerpaar wirkte. Aus ihrer Zusammenarbeit entstand ein international viel beachtetes Œuvre, das in zahlreichen Museen und auf Biennalen weltweit ausgestellt wurde, darunter auf der Documenta, der Biennale di Venezia, im MoMA New York oder in der Tate Modern. Das bahnbrechende Kunstschaffen des Künstlerpaars Kabakov strahlt seit Jahrzehnten weit über politische und geografische Grenzen hinaus. Emilia Kabakov lebt und arbeitet in Long Island bei New York. Ilya Kabakov lebte bis zu seinem Tod im Mai 2023 ebenfalls dort.

Boris Groys (* 1947 in Ost-Berlin) ist ein international einflussreicher Philosoph und Kunsttheoretiker mit russisch-jüdischen Wurzeln. Aufgewachsen in der Sowjetunion, widmet er sich seit den 1970er-Jahren der Analyse der russischen Avantgarde, des Totalitarismus und der sowjetischen Kultur.

Er zählt zu den wichtigsten intellektuellen Begleitern von Ilya und Emilia Kabakov. Er verortet ihr Werk als zentrale Position des Moskauer Konzeptualismus und liest es als vielschichtige Auseinandersetzung mit Erinnerung, Ideologie und gescheiterten Utopien. Seine Analysen trugen wesentlich dazu bei, das Schaffen der Kabakovs im westlichen Kunstkontext zu verankern. Neben seinen Tätigkeiten als Philosoph und Medientheoretiker kuratierte Groys unter anderem die Ausstellung im russischen Pavillon an der 54. Biennale in Venedig im Jahr 2011, die den Titel „Total Enlightenment – Moscow Conceptual Art, 1960–1990” trug.

Heute lehrt er an der New York University und prägt den internationalen kunsttheoretischen Diskurs mit pointierten Beiträgen zu Ausstellung, Macht und Medialität.

Ilya & Emilia Kabakov
The Tennis Game. Im Dialog mit Boris Groys.
19. Oktober 2025 bis 28. Juni 2026
@Kunsthaus Zug, Schaudepot