15. Juni 2019 - 5:57 / Ausstellung 
26. Mai 2019 6. Oktober 2019

Das Selbstporträt und die Künstlerhommage sind zentrale Motive der europäischen Kunstgeschichte. Die Inszenierung des Künstlers zum genialen Schöpfer bestimmte seit der Renaissance bis in die Moderne den Darstellungsmodus des Selbstbildnisses.

Nach dem großen Paradigmenwechsel der Moderne erfährt das Selbstporträt mit dem Aufkommen des Selfiebooms neuerlich einen grundlegenden Wertewandel. Unser Alltag verwandelt sich in eine Kulisse der Selbstdarstellung. Mit dieser gesellschaftlichen Veränderung ergibt sich auch für das Selbstbildnis in der bildenden Kunst eine neue Bedeutung. Vor diesem Hintergrund setzt sich die Ausstellung Ich und Ichich. Adolf Frohner im Porträt mit der Selbstdarstellung Adolf Frohners auseinander. In seiner Generation wurde das überlieferte Künstlerporträt aufgebrochen. Wie stellt sich Frohner nun in seinem Werk dar? Der Blick auf das eigene Bild zählt zu seinen wichtigsten Motiven, die sein gesamtes Schaffen durchziehen. Sie zeigen Frohners Selbstreflexion in seiner künstlerischen und persönlichen Positionierung.

Adolf Frohner präsentiert sich in seiner Malerei in unterschiedlichsten Rollen selbst. Ein immer wiederkehrendes Thema ist dabei die Beziehung der Geschlechter wie bei Gib mir den Schuh Eva (1970), bei dem Frohner als Adam mit Stöckelschuh in der Hand Eva zu verführen trachtet, oder bei dem als Selbstbildnis (1975) betitelten Plakatentwurf, bei dem Frohner sich als Voyeur in Szene setzt. Neben diesen in Collagetechnik gefertigten Arbeiten zeigt die Ausstellung Schlüsselwerke aus dem malerischen Oeuvre Frohners wie das titelgebende Gemälde Ich und Ichich (1986), eine psychologisch-expressive Deutung des Themas.

Das monumentale Gemälde Salome und Tut-ench Amun (1983) führt uns schließlich das Feld der Selbstdarstellung paradigmatisch vor, indem Frohner sich in Beziehung zu tradierten Formen der Inszenierung in den Mythen der Kulturgeschichte Europas darstellt – ein Fanal der Ausstellung. Parallel dazu entstanden zahlreiche fotografische Porträts von Adolf Frohner. In diesen zeigt sich Adolf Frohner durch den Filter des fremden Blicks. Er posiert vielgesichtig und spielerisch. Die Inszenierung seiner Person wird zur künstlerischen Strategie. „Der Mensch – der Künstler, das Werk – das ist alles eines, “ so Adolf Frohner dazu. Neben Fotografien von Peter Baum und Didi Sattmann sind erstmals auch eine Vielzahl von Fotos und Montagen namentlich unbekannter Künstler/innen aus dem Archiv Adolf Frohners zu sehen.

Peter Baum begleitete in seinem fotografischen Werk seit den frühen 1960er-Jahren die Wiener Kunstszene. Auch mit Adolf Frohner verbinden ihn gemeinsame Augenblicke, die er in spontanen Porträts festhielt. Kalkuliert und ins rechte Licht gerückt zeigt Didi Sattmann eine andere Seite Frohners: nachdenklich und reflektierend. In einer Serie aus dem Archiv finden wir Frohner dann in einer seiner Lieblingsposen: An eine Scheibe gedrückt verformen sich sein Gesicht und Körper zur lebendigen Skulptur. Karl Anton Fleck fertigte eine Vielzahl von zeichnerischen Porträts seiner Künstlerkollegen. Auch Adolf Frohner saß für ihn in seinem Atelier Modell. Es entstand ein einfühlsames und analytisches Bild des Künstlers, das ihn in sein persönliches Umfeld einbettet.

Im Spannungsfeld von Selbstsicht, Selbstkonstruktion und Wahrnehmung durch das Gegenüber bilden Malereien, Grafiken und Fotografien eine Annäherung an die vielschichtigen Aspekte der Persönlichkeit Adolf Frohners. Darüber hinaus wirft die Ausstellung die Frage auf, wie sich das künstlerische Selbst heute in Szene setzt.

Künstler/innen der Ausstellung

Peter Baum
(*1939 in Wien)
Der Gründungsdirektor des Lentos Kunstmuseum Linz feierte heuer seinen 90. Geburtstag. Peter Baum war viele Jahre in Wien als Kunstkritiker, Kulturjournalist und Fotograf tätig, leitete mehrere Galerien in Wien und fungierte als Kommissar für die Biennalen von São Paulo, Ljubljana und Cagnes-sur-Mer. 1974 übernahm er die Direktion der Neuen Galerie der Stadt Linz. Von 2003 bis 2004 leitete er das neu gegründete Lentos. Seit 2004 ist er als freischaffender Ausstellungkurator, Kunstschriftsteller und Auktionsexperte tätig. Während seiner langen Laufbahn dokumentierte er mit seiner Kamera die österreichische Kunstszene. Zahlreiche Künstlerporträts entstanden. Seine Streifzüge durch die Kunstwelt publizierte Peter Baum 2009 unter dem Titel Texte und Photographien im Böhlau Verlag. Seit 2014 ist ein Teil seiner Fotografien in der Ausstellung Peter Baum. Fotografien – Das 20er Haus im Aufbruch der 1960er-Jahre im Belvedere 21 zu sehen.

Karl Anton Fleck
(* 1928 in Wien, † 1983 in Wien)
Der in Wien geborene Zeichner, Maler, Dichter und Jazzmusiker Karl Anton Fleck (1928–1983) absolvierte von 1953–1958 eine Ausbildung zum Grafiker und Retuscheur sowie ein Studium am Institut für Jazzmusik. In der Nachkriegszeit war er als gefragter Schlagzeuger in der jungen Wiener Free-Jazz-Avantgarde unterwegs. Nach einem fünfjährigen Aufenthalt in Schweden kehrte er 1958 nach Wien zurück, wo ihm der Anschluss an die österreichische Kunstszene glückte. Ab Ende der 1960er-Jahre machte er mit seinen grotesk anmutenden (Selbst-)Porträts auf sich aufmerksam. Seine zahlreichen Porträtsitzungen mit Freunden und Persönlichkeiten aus der Wiener Kunst- und Kulturszene sind legendär. Karl Anton Flecks zeichnerisches und malerisches Werk ist international in renommierten Sammlungen wie der Albertina, dem Leopold Museum, dem MOMA New York oder der Strabag Artcollection vertreten.

Adolf Frohner
(* 1934 in Großinzersdorf, † 2007 in Wien)
Der in Niederösterreich geborene Künstler Adolf Frohner (1934-2007) zählt zu den wichtigsten österreichischen Künstler/innen der Nachkriegsmoderne. Nach dem Piaristengymnasium in Krems übersiedelte er 1952 nach Wien, wo er als Werbegrafiker und Kunstkritiker arbeitete. Ab 1961 war er als freischaffender Maler, Zeichner, Grafiker und Bildhauer tätig. Mitte der 1960-er Jahre gelang ihm der internationale Durchbruch und seine Werke wurden unter anderem auf den Biennalen in Paris, São Paulo und Venedig gezeigt. 1972 wurde er außerordentlicher Professor an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, später ordentlicher Professor und Leiter der Meisterklasse für Malerei. Nach seinen aktionistischen Anfängen entwickelte er in den 1960er-Jahren ein Menschenbild, das sich durch eine gattungsübergreifende formale Umsetzung charakterisiert und von einer kritischen Haltung gegenüber der Gesellschaft getragen ist. Damit wirkt er impulsgebend und erlangt mit seinem Werk heute zunehmende Aktualität.

Didi Sattmann
(* 1951 in der Steiermark)
Didi Sattmann ist 1951 geboren und in der Steiermark aufgewachsen. Heute lebt und arbeitet er im niederösterreichischen Weinviertel. Seit 1979 arbeitet er als freier Fotoreporter für diverse Printmedien im In- und Ausland. Von 1984-2001 fotografierte er Porträts und Produktionen bei den Wiener Festwochen. Seit 1993 fertigt er zeitgeschichtliche Foto-Dokumentationen für das Wien Museum an, wo dem Künstler 2013 die Ausstellung Wien Außen. Ein Fotoprojekt von Didi Sattmann gewidmet wurde. „Mit seinen uninszenierten und einfühlsamen Bildern wurde Didi Sattmann zu einem bedeutenden ‚Menschenfotografen‘, der stets versucht, die Porträtierten nicht aus ihrem Lebenszusammenhang zu reißen“, heißt es in der gleichnamigen Publikation zur Ausstellung. Didi Sattmann setzt sich in seinen Fotos mit Fragen der Identität auseinander, aber auch mit dokumentarischer Fotografie, die für ihn aber nicht Abbild der Wirklichkeit ist, sondern seine sehr persönliche, subjektive Ansicht. Unter seinen Porträtierten befinden sich viele seiner Freund/innen aus der heimischen Kunst- und Kulturszene. Zu seinem Porträt von Adolf Frohner sagt er selbst: „ Auf eigene Faust, also ohne kommerziellen Auftrag, habe ich in erster Linie Künstler/innen porträtiert, die mich persönlich interessierten. Ich habe Adi Frohner nicht nur als Künstler, sondern auch als Mensch sehr geschätzt - und ich glaube, das war gegenseitig.“

Ich und Ichich. Adolf Frohner im Porträt
Kuratorin: Elisabeth Voggeneder
Künstler/innen der Ausstellung: Peter Baum, Karl Anton Fleck, Adolf Frohner, Didi Sattmann und namentlich unbekannte Künstler/innen.
bis 06. Oktober 2019

Forum Frohner
Minoritenplatz 4
A - 3504 Krems-Stein

T: 0043 (0)2732 908010-177
F: 0043 (0)2732 908011
E: office@forum-frohner.at
W: http://www.forum-frohner.at/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  26. Mai 2019 6. Oktober 2019 /
Adolf Frohner, Adolf Frohner mit/im Kreuz, 1990er-Jahre Schwarz-Weiß-Fotografie 30 x 40 cm Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: unbekannt
Adolf Frohner, Adolf Frohner mit/im Kreuz, 1990er-Jahre Schwarz-Weiß-Fotografie 30 x 40 cm Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: unbekannt
Adolf Frohner mit Puppe, 1990er-Jahre Schwarz-Weiß-Fotografien 30 x 40 cm Serie von 2 Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: unbekannt
Adolf Frohner mit Puppe, 1990er-Jahre Schwarz-Weiß-Fotografien 30 x 40 cm Serie von 2 Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: unbekannt
Adolf Frohner mit Puppe, 1990er-Jahre Schwarz-Weiß-Fotografien 30 x 40 cm Serie von 2 Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: unbekannt
Adolf Frohner mit Puppe, 1990er-Jahre Schwarz-Weiß-Fotografien 30 x 40 cm Serie von 2 Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: unbekannt
Adolf Frohner natürliche Verformung, 1990er-Jahre Schwarz-Weiß-Fotografien 30 x 40 cm Serie von 4 Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: unbekannt
Adolf Frohner natürliche Verformung, 1990er-Jahre Schwarz-Weiß-Fotografien 30 x 40 cm Serie von 4 Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: unbekannt
Adolf Frohner natürliche Verformung, 1990er-Jahre Schwarz-Weiß-Fotografien 30 x 40 cm Serie von 4 Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: unbekannt
Adolf Frohner natürliche Verformung, 1990er-Jahre Schwarz-Weiß-Fotografien 30 x 40 cm Serie von 4 Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: unbekannt
Adolf Frohner natürliche Verformung, 1990er-Jahre Schwarz-Weiß-Fotografien 30 x 40 cm Serie von 4 Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: unbekannt
Adolf Frohner natürliche Verformung, 1990er-Jahre Schwarz-Weiß-Fotografien 30 x 40 cm Serie von 4 Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: unbekannt
Adolf Frohner natürliche Verformung, 1990er-Jahre Schwarz-Weiß-Fotografien 30 x 40 cm Serie von 4 Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: unbekannt
Adolf Frohner natürliche Verformung, 1990er-Jahre Schwarz-Weiß-Fotografien 30 x 40 cm Serie von 4 Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: unbekannt
Adolf Frohner schreit Frohner, 1960er Jahre Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung 39 x 30,5 cm Foto: unbekannt
Adolf Frohner schreit Frohner, 1960er Jahre Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung 39 x 30,5 cm Foto: unbekannt
Adolf Frohner, Gib mir den Schuh Eva, 1970 Grafit, Acryl, Fotocollage auf Leinwand 193 x 193 cm Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: Peter Böttcher
Adolf Frohner, Gib mir den Schuh Eva, 1970 Grafit, Acryl, Fotocollage auf Leinwand 193 x 193 cm Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: Peter Böttcher
Adolf Frohner, Ich und Ichich, 1986 Öl auf Leinwand, 200 x 100 cm Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: Peter Böttcher
Adolf Frohner, Ich und Ichich, 1986 Öl auf Leinwand, 200 x 100 cm Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: Peter Böttcher
Adolf Frohner, Salome und Tut-ench-amun, 1983 Öl, Grafit, Collage auf Holzplatte, 171 x 232 cm Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: Peter Böttcher
Adolf Frohner, Salome und Tut-ench-amun, 1983 Öl, Grafit, Collage auf Holzplatte, 171 x 232 cm Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: Peter Böttcher
Adolf Frohner, Selbstbildnis, 1974/75 Fotocollage (ungedruckter Plakatentwurf), 70,5 x 49,9 cm © Landessammlungen Niederösterreich, Foto: Christoph Fuchs
Adolf Frohner, Selbstbildnis, 1974/75 Fotocollage (ungedruckter Plakatentwurf), 70,5 x 49,9 cm © Landessammlungen Niederösterreich, Foto: Christoph Fuchs
Didi Sattmann Porträt, 2016 Foto: Didi Sattmann
Didi Sattmann Porträt, 2016 Foto: Didi Sattmann
Karl Anton Fleck Porträt, Foto: Dagmar Chobot, Galerie Chobot
Karl Anton Fleck Porträt, Foto: Dagmar Chobot, Galerie Chobot
Peter Baum, Adolf Frohner mit  dem Gemälde „Sitzende mit weggestreckten Armen“,1969 Schwarz-Weiß-Fotografie 30 x 40 cm Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: Peter Baum
Peter Baum, Adolf Frohner mit dem Gemälde „Sitzende mit weggestreckten Armen“,1969 Schwarz-Weiß-Fotografie 30 x 40 cm Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: Peter Baum
Peter Baum Adolf Frohner, um 1970 Schwarz-Weiß-Fotografie 30 x 40 cm Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: Peter Baum
Peter Baum Adolf Frohner, um 1970 Schwarz-Weiß-Fotografie 30 x 40 cm Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung Foto: Peter Baum
Peter Baum, Porträt, 2018 © eSeL - Lorenz-Seidler
Peter Baum, Porträt, 2018 © eSeL - Lorenz-Seidler