14. Oktober 2012 - 1:48 / Ausstellung / Grafik 
22. August 2012 19. Oktober 2012

Bereits in den 1970er Jahren trat Ian Anüll mit kleinen selber gemachten Künstlerbüchern an die Öffentlichkeit. Bis heute ist sein reproduktionstechnisches Werk zwar noch überschaubar, aber dennoch zu beachtlichem Umfang angewachsen. Das publizistische Element, das mit Druckgraphik und Multiples zwangsläufig verbunden ist, war und ist ihm bis heute sehr wichtig. Wann immer er Zugang zu einem Druckatelier fand, ergriff er die Gelegenheit und produzierte Graphikblätter und Graphikfolgen.

Mitte der achtziger Jahre entstand am Centre genevois de gravure contemporaine eine wichtige Siebdruckserie, wo er auf diverse Materialien druckte. Ein Jahr später realisierte er am gleichen Ort eine Holzschnittserie. Auf höchst originelle Art und Weise kam es zur Zusammenarbeit mit sechzehn Künstlerinnen und Künstlern. Einzige Vorgabe dabei war für Tamach Taub, Teres Wydler, Paul Viaccoz, Remi Dall’Aglio, Andreas Hofer, Françoise Lienhard, Alex Hanimann, Roman Signer, Daniel Zimmermann, Philipp Deléglise, Michel Ritter, Paul Marie, Daniel Berset, Josef Felix Müller, Jürg Egli und Cécile Wick das identische Format des Holzstockes.

Ohne die Holzschnitte all dieser Künstler zu kennen, schnitt Anüll zu jedem einen zweiten, gleich grossen Holzstock. Von den beiden Druckstöcken wurden Drucke genommen, und es entstanden überraschende Überlappungen oder Überdrucke, ganz dem Titel entsprechend: Pile – Face, was dem deutschen Kopf oder Zahl entspricht. Im Fall von Roman Signer kam es zu einer verblüffenden Übereinstimmung. Wie wenn Anüll gewusst hätte, dass Signer auf die Holzplatte schiessen würde. Anüll hat nämlich zwei Formen geschnitten, die militärischen Zielscheiben nicht unähnlich sind!

Neben Graphikblättern und Graphikfolgen sind Künstlerbücher und vor allem von den späten achtziger Jahren an zahlreiche Multiples entstanden. Darunter findet sich auch jenes, das man heute als eine Ikone dieser Gattung bezeichnen darf: das Multiple, das er sich zur deutschen Einheit in Schwarz, Rot und Gold einfallen liess. Es ist ein schwarz/roter Eierständer, in dem er sechs goldene Eier platzierte. Erstmals stellt die Graphische Sammlung der ETH alle seine Editionen aus und publiziert dazu ein Verzeichnis mit Abbildungen sämtlicher hier dazu gehörenden Werke.

Zur Ausstellung erscheint die Publikation: Ian Anüll: Editionen. Mit Beiträgen von Gerhard Mack, Bernhard Mendez Bürgi und Paul Tanner, sowie einem Katalog, erstellt von Konstanze Forst-Battaglia 104 Seiten, 168 Abbildungen in Farbe und s/w, gebunden. CHF 39.-
ISBN 978-3-7965-2851-4; Schwabe Verlag Basel

Ian Anüll - Editionen
22. August bis 19. Oktober 2012

Graphische Sammlung der ETH
Rämistrasse 101
CH - 8092 Zürich

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Künstlerbuch; Offsetdruck in Blau und Schwarz
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R/EDEN. 2004; Multiple. Siebdruck auf Faserplatte, vergoldet und versilbert
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Ego. 2005; Lithographie
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Kopija. 2007; Multiple. Druck auf Fabric