In der Ausstellung „Hosenrolle? Frauen im Porträt von 1809–1918“ in Innsbruck werden wagemutige Frauen gewürdigt, die im Ersten Weltkrieg gekämpft haben, sowie Frauen aus der antinapoleonischen Zeit.
Frauen sind im Kaiserjägermuseum am Bergisel bisher kaum in Erscheinung getreten. Mit der Ausstellung „Hosenrolle? Frauen im Porträt von 1809–1918“ wird der Fokus auf mutige und selbstbestimmte Frauen gelegt, die in der antinapoleonischen Zeit sowie im Ersten Weltkrieg abseits ihrer „typischen Geschlechterrolle“ aktiv waren: als Mitstreiterinnen im Kampf, im Widerstand oder in der Verteidigung – und das in einer Zeit, in der Frauen vor dem Gesetz noch nicht gleichberechtigt waren!
Während der Aufstände und Kriege der vergangenen Jahrhunderte erfüllten die meisten Frauen unverzichtbare Aufgaben: Sie mussten die abwesenden Männer ersetzen und Haus und Hof bewirtschaften. Einige von ihnen traten aber auch aktiv ins Kampfgeschehen ein oder betätigten sich im Widerstand. In der österreichischen Militärgeschichte wird jedoch nur selten von diesen bewaffneten Kämpferinnen und Mitstreiterinnen berichtet.
Kuratorin Sonia Buchroithner hat sich auf die Suche nach diesen bemerkenswerten weiblichen Biografien gemacht, um sie aus dem Dunkel der – vorwiegend männlichen – Geschichtsschreibung hervorzuholen und ihnen die Anerkennung zuteil werden zu lassen, die ihnen gebührt. „Einzelne Tirolerinnen lassen sich in den Quellen historisch eindeutig nachweisen, etwa Therese von Sternbach oder Viktoria Savs“, nennt sie zwei dieser wagemutigen Frauen beim Namen. Anhand ausgewählter Quellen und Dokumente hat sie deren Leben, gesellschaftliche und kämpferische Rolle für die Ausstellung sichtbar gemacht.
Baronin Therese von Sternbach (1775–1829) aus Mühlau bei Innsbruck hat die Aufstände von 1809 beispielsweise aktiv unterstützt, wenn auch nicht mit der Waffe, sondern durch die Bereitstellung von Leinwand, Leder, Vieh und Gewehren. Im August desselben Jahres wurde sie deshalb von bayerisch-französischen Soldaten verhaftet und unter Arrest gestellt. Sie steht somit stellvertretend für die wenigen Frauen, die durch ihre patriotischen Handlungen oder die Ermutigung der Widerstandskämpfer auffielen“, erzählt Buchroithner.
Viktoria Savs (1899–1979) hingegen kämpfte tatsächlich an der Front. Gemeinsam mit ihrem Vater rückte sie am 10. Juni 1915 zum k. k. Landsturm ein. Dafür hatte sie die Bewilligung von Erzherzog Eugen einholen müssen. In den Akten wurde sie dennoch nur als ‚freiwillige Arbeiterin‘ geführt. In männlicher Uniform durfte sie bei allen Einsätzen ihrer Einheit als Kampfabschnitts-Ordonnanz mitwirken. Für ihren Einsatz erhielt sie mehrere Auszeichnungen, darunter die Bronzene und die Silberne Tapferkeitsmedaille sowie das Kaiser-Karl-Truppenkreuz. Nach einem Gefecht im Jahr 1917 musste ihr der rechte Fuß amputiert werden und ihr Fronteinsatz war damit beendet“, weiß die Kuratorin.
In der Ausstellung werden außerdem Katharina Lanz (1771–1854), die als „Mädchen von Spinges“ eine der wichtigsten Symbolfiguren des Widerstands während der Tiroler Freiheitskämpfe war, die Marketenderin Therese Zöttl (1865–1923), die 1885 beim österreichischen Bundesschießen die Aufmerksamkeit von Kaiser Franz Joseph I. erregte, sowie Stephanie Hollenstein (1886–1944), die 1915 als „Stephan Hollenstein“ in den Ersten Weltkrieg einrückte, vor den Vorhang geholt.
Der Begriff "Hosenrolle" stammt aus der Theatersprache und bezeichnet eine weibliche Figur, die einen männlichen Charakter spielt – meist in Hosen, einem Kleidungsstück, das viele Jahrhunderte lang nur Männern vorbehalten war. Selbst auf der Bühne galt das Tragen von Hosen und das Spiel mit Geschlechterrollen als verpönt.
Hosenrolle? – Frauen im Porträt von 1809–1918
Bis 16. November 2026
Österreich 6020 Innsbruck
https://www.tiroler-landesmuseen.at/haeuser/tirol-panorama-mit-kjm/