Honoré Daumier – ein Spiegel der Gesellschaft

Die politische Lage ist instabil, eine ruchlose Clique missbraucht ihre Macht, die Wirtschaft kriselt und die gesellschaftliche Situation wird immer komplexer und unüberschaubarer. Die Schilderung dieser Verhältnisse im nachrevolutionären Frankreich des 19. Jahrhunderts scheint merkwürdig gegenwärtig – ebenso wie die zeitlos aktuelle Kunst des großen Honoré Daumier.

Mit spitzer Feder und unbestechlichem Humor hielt er seiner Zeit den Spiegel vor und prangerte Machtmissbrauch und soziale Missstände an. Mit seiner schonungslosen Radikalität geriet er oft mit der Zensur in Konflikt und saß sogar wegen der Freiheit der Kunst im Gefängnis. Als scharfsinniger Beobachter zeigt Daumier aber auch das alltägliche Leben in der modernen Stadt.

Die Albertina präsentierte 1936, im Angesicht des aufkommenden faschistischen Regimes, die erste große Daumier-Schau, die von Ernst Kris kuratiert wurde, der später in die Emigration getrieben wurde. 90 Jahre später zeigt die Albertina, unterstützt durch Leihgaben des Städelschen Museumsvereins, den französischen Künstler in neuem Licht. Neben zahlreichen Lithografien und Zeichnungen sind auch einige seiner berühmten Gemälde und Skulpturen ausgestellt – sowie ein filmischer Zusammenschnitt seiner Werke, der von Paul und Linda McCartney mit Musik untermalt wurde.

Honoré Daumier
Spiegel der Gesellschaft
6. Februar bis 25. Mai 2026