11. August 2020 - 9:04 / Ausstellung / Kunst 

Nicht nur beim Wetter stehen die Zeichen momentan auf Hochsommer, sondern auch in der Kunst. Denn "Hochsommer" betitelt sich ein Prgramm im steirisch-südburgenländischen Grenzgebiet, im Rahmen dessen zwölf Kulturinitiativen alljährlich Ausstellungen zeigen. Der diesjährige "Hochsommer", der eine gute Woche dauert, widmet sich dem Thema "About Natural Limits". Gezeigt werden Arbeiten von fast 120 Kunstschaffenden. Eine der Intentionen dieser Veranstaltungen ist es, interessiertes Publikum von der Stadt aufs Land zu locken.

Gleich zwei Einrichtungen respektive Räume bespielt der Bildhauer Christian Ruschitzka. So realisiert er im längst stillgelegten Kühlhaus in Oberdrosen in Südburgenland sein Projekt "Zuchtgletscher". Mit Hilfe von Solarzellen hat er hier tausend Liter Wasser zu Eisblöcken transformiert. Die von Ironie gespickte Installation ist nicht zuletzt eine Reaktion Ruschitzkas auf den Klimawandel. Nach dem Ende der Ausstellung sollen die Eisblöcke auf den Dachstein geführt und dort "aufgemauert" werden, um sich sukzessive ins Nichts aufzulösen.

Ruschitzka zeigt desweiteren im Künstlerdorf Neumarkt an der Raab seinen Kurzfilm "L’effet papillon" sowie Neues aus seiner Werkreihe "Mechanische Landschaften". Der Film zeigt eine Intervention gegen den ewig gleichen Ablauf der Dinge im Gletschersee Jäkolsarlon in Island. Gleichzeitig kann diese Arbeit auch als ideale Skulptur gelesen werden, in der alle Aggregatzustände des Materials auf einen Punkt fokussiert sind und die künstlerische Intervention sich nur mehr in einer kurzen Bewegung – einem einzigen Ruderschlag – manifestiert und so aus dem Bild ein Film wird.

In seinem neuen Beitrag zu den "mechanischen Landschaften" übernehmen die Logarithmen von Mährobotern auf einer abgegrenzten Sandfläche gleichsam die Spiritualität des Rechens eines fernöstlichen Zengartens. Die Mähroboter stehen für die fortschreitende Automatisierung des Alltags, der der Künstler eigenen Worten zufolge durchaus auch kritisch gegenüberstehe.

Der "Hochsommer" 2020 findet insgesamt mit zwölf Kunstinitiativen und Kunstinstitutionen aus der Südoststeiermark (Gnas, Fehring, Feldbach, Kornberg, Bad Radkersburg, Laafeld) und dem Südburgenland (Eisenberg, Jennersdorf, Neumarkt an der Raab) zum vierten Mal statt. Insgesamt beschäftigen sich noch bis 16. August rund 117 KünstlerInnen aus Österreich, Slowenien, Deutschland, Kroatien, Grossbritannien, Schweden, Georgien und Kolumbien im Rahmen von Einzel- und Gruppenausstellungen mit Fokus auf Malerei, Fotografie, Skulptur und Mode mit dem Thema "natürliche Grenzen". Im Mittelpunkt stehen Fragestellungen zur Natur und Natürlichkeit, unserer Umwelt und ihren Grenzen in der realen und virtuellen Welt, vor allem aber mit der Frage, welche Position der Mensch dabei einnimmt und wie er sich dazu verhält.

Weitere Highlights des "Hochsommers 2020" sind unter anderem etwa die grossformatigen Bilder von Franco Kappl in einer ehemaligen Lagerhalle in Jennersdorf, das Land-Art-Projekt von Peter Pilz in Eisenberg oder Teil III der Ausstellungsreihe "Die Steirische Breite", die sich dem Wiedererstarken der Malerei in den 1980er Jahren widmet und unter anderem Werke von Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Josef Kern, Ingeborg Strobl oder Günter Brus präsentiert.

Weitere Infos via www.hochsommer.at



Christian Ruschitzka: Zuchtgletscher (© Christian Ruschitzka)
Christian Ruschitzka: Zuchtgletscher (© Christian Ruschitzka)
Christian Ruschitzka: Zuchtgletscher (© Christian Ruschitzka)
Christian Ruschitzka: Zuchtgletscher (© Christian Ruschitzka)
© Christian Ruschitzka L'Effet Papillon, 2008, Mechanische Landschaft, Jökulsarlon, Island (Filmstill)
© Christian Ruschitzka L'Effet Papillon, 2008, Mechanische Landschaft, Jökulsarlon, Island (Filmstill)