17. Juni 2014 - 4:30 / Walter Gasperi / Filmriss
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Gegensätze sind die Triebfeder von Komödien und die Grazerin Johanna Moder lässt diese in ihrer temporeichen Komödie pointiert und mit genauem Blick für unterschiedliche Milieus und Figuren aufeinandertreffen: Da stehen sich nicht nur zwei ungleiche Brüder, sondern auch Theatergruppe, Wirtschaftswelt und Hippiekommune gegenüber. – Ein lustvoll gespieltes und gut geschriebenes Debüt.

Als Welthauptstadt des Feel-Bad-Movies bezeichnete Dennis Lim 2006 das österreichische Kino in einem Artikel in der New York Times. Schaut man auf Haneke und Seidl, auf Ludwig Wüst und Markus Schleinzers "Michael", auch auf manche Filme von Michael Glawogger und Barbara Albert, so scheint das zu stimmen. Dass es auch anders geht, beweist aber die 35-jährige Johanna Moder mit ihrem im Januar beim Saarbrückner Max Ophüls-Preis mit dem Publikumspreis ausgezeichneten Abschlussfilm für die Wiener Filmakademie.

Ein hohes Tempo legt die Grazerin von Anfang an vor, verzichtet auf eine lange Exposition und lässt schon in der ersten Szene den durch Trommeln geweckten Daniel (Marcel Mohab) in seiner Nachbarschaft auf eine Hippiekommune treffen. Erweitert werden die Gegensätze, wenn Daniel mit dem Fahrrad und in schnoddriger Kleidung vor einem vornehmen Palais vorfährt, in dem sein Bruder Rudi (Manuel Rubey) einen Wirtschaftspreis als erfolgreicher Manager entgegennimmt.

Glatt rasierter Anzugträger trifft auf unrasierten Trainingsanzug-Typen. Der eine wohnt in einer Designer-Villa am Stadtrand, der andere in einer unordentlichen Wohnung, in der zur Kostenreduktion der Papa auch mal den Boiler reparieren muss.

Doch der Unternehmer Rudi setzt seinen Bruder Daniel, der eine Off-Theatergruppe leitet, auf eine hochqualifizierte Mitarbeiterin, die IT-Spezialistin Nora (Katharina Pizzera), an: Daniel soll Nora auf eine Präsentation rhetorisch vorbereiten und sie gleichzeitig aushören, doch Rudi führt Daniel hinters Licht.

Rasch entfaltet so der Titel "High Performance" seine Mehrdeutigkeit. Einerseits bezieht er sich auf die Wirtschaft, in der alle Mittel eingesetzt werden, um erfolgreich zu sein und "eine gute Performance" zu erzielen. Dann bezieht er sich auf Daniel, der im Theater mit seiner Truppe experimentelle Tanz-Performances präsentiert, doch auf der Bühne des Lebens von seinem Bruder hinters Licht geführt wird. – Auch hier wird eben etwas vorgespielt, gelogen, was das Zeug hält und Daniel von Rudi eiskalt als Marionette benützt.

Großen Witz entwickelt diese Komödie durch die Mischung aus genauem Blick auf die einzelnen Milieus und gleichzeitige Überzeichnung. Treffend und genüsslich zieht Moder nicht nur die Wirtschaftswelt, sondern auch die Hippiekommune mit "Tauschkiste", "Sitzkreis" und immer liebevollem Umgang und die Off-Theatergruppe mit ihrem intellektuellen Gequatsche und den Streitereien über die künstlerische Richtung genüsslich durch den Kakao. – Jeder bekommt hier sein Fett ab, aber keiner wird bissig niedergemacht.

Neben diesem treffenden Blick für die Milieus und die damit verbundene Präsentation unterschiedlicher Lebenskonzepte, von denen Moder keines in den Himmel hebt, sondern alle mit liebevoller Ironie zerpflückt, lebt "High Performance" auch vom hohen Erzähltempo. Dank nah und dynamisch geführter Handkamera (Robert Oberrainer) sowie einem schnellem Schnitt (Karin Hammer) wird man mitten hineingezogen ins Geschehen. Zügig und immer wieder mit überraschenden Wendungen drängt die Handlung vorwärts.

Frisch und unverbraucht kommt diese für eine Million Euro gedrehte Komödie aber auch durch das Schauspieler-Ensemble daher. Die Schauspieler sind mit sichtlichem Vergnügen bei der Sache, spürbar stimmt die Chemie zwischen ihnen und locker spielen sie sich die Bälle zu.

Wenig entwickelt wird zwar die Liebesgeschichte, die sich schließlich einstellt, dennoch ist "High Performance" ein viel versprechendes Debüt und ein Glücksfall fürs österreichische Kino. Hier spürt man für einmal die Lust der Regisseurin und der Schauspieler am Filmemachen und diese Lust und dieses Vergnügen übertragen sich auch direkt auf die Zuschauer, während mit Georg Danzers "Woran meine Liebe glauben wir noch?" zu Lagerfeuerromantik leichthändig und ironisch die heutige Orientierungslosigkeit angesprochen wird.

Wird vom FKC Dornbirn am Mittwoch, den 25.6. um 18 Uhr und am Donnerstag, den 26.6. um 19.30 Uhr im Cinema Dornbirn gezeigt

Trailer zu "High Performance - Mandarinen lügen nicht"

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)

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