21. Januar 2020 - 5:58 / Ausstellung / Malerei 
22. Januar 2020 12. Februar 2020

Der österreichische Maler, Grafiker und Kunstvermittler Herwig Zens war schon in seinen frühen Jahren als Künstler vom Tod als Phänomen und als Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung fasziniert. Im September 2019 ist er nach langer schwerer Krankheit, dann aber doch überraschend im 77. Lebensjahr verstorben.

Seiner charakteristischen Rastlosigkeit folgend, galt für ihn auch unter den widrigsten Umständen das Motto "weitermachen". Die "kleine galerie" zeigt in der ersten Ausstellung nach seinem Ableben ab 22. Jänner 2020 das vielfältige Werk von Herwig Zens über sein gesamtes Künstlerleben - von den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts bis wenige Wochen vor seinem Tod.

In seinem Stil war Zens in der Ausbildung spätexpressionistisch durch zwei Lehrer stark beeinflusst: Herbert Boeckl an der Akademie der bildenden Künste in Wien im "Abendakt" und Oskar Kokoschka, bei dem er 1962 sechs Wochen die "Schule des Sehens" absolvierte. Waren die Bilder – gemalt und gezeichnet – zu Beginn noch mit üppigem Strich, oft pastos und detailreich durchgearbeitet, so entwickelte sich recht bald die eigene unverwechselbare Handschrift, deren Linie zunehmend klarer und reduzierter wurde. Herwig Zens' künstlerisches Werk ist in Umfang und Ausdruckskraft von einer permanenten Unruhe geprägt. Der charakteristische Strich mit Pinsel, Bleistift, Kohle oder auch Radiernadel wirkt wie hingeworfen - und drückt doch kraftvoll die Gemütsverfassung der Figur, die Charakteristik eines Bauwerks oder – eher selten – einer Landschaft aus.

In der Gesamtsicht bleiben die Bilder stets gegenständlich, bei näherer Betrachtung löst sich Manches in der Abstraktion auf, was die Bildspannung erhöht, reine Farbkomposition oder Flächenverdichtung betonen den Blickwinkel. Das lässt sich beeindruckend in einigen der von Herbert Link zu bestimmten Themen mit Zens produzierten Filmen nachverfolgen, nicht zuletzt in dem anlässlich des 70. Geburtstags des Künstlers 2013 entstandenen "Zens: Der Versuch".

Die Fülle des Seins

Manche Themen kehrten bei Herwig Zens immer wieder in den Mittelpunkt des Interesses. Dazu zählen etwa die griechische Mythologie mit ihren höchst menschlich agierenden Protagonisten wie Apoll, Zeus, Hera, Aphrodite oder Athene, oder der heilige Berg Athos, zu dem Zens vielfach pilgerte. Dazu zählen musikalische Themen, der Stierkampf und eben immer wieder der Tod - als Teil und Herausforderung des Lebens. Seine immer wieder abgewandelten Erzählungen greifen in seinen Bildern ebenso um sich, wie sie dies in den Gesprächen taten. So sind ihm auch Paraphrasen zu den alten oder auch neueren Meistern der Malerei ein wichtiges Mittel gewesen, zu verstehen und immer wieder neu zu betrachten. Es ist die Fülle des Seins – mit allen Qualen und Freuden und voll Sinnlichkeit, die in Herwig Zens' Gesamtwerk erfasst wird.

Eine ganz besondere Ausdrucksform ist sein 1977 begonnenes radiertes Tagebuch: 5 Zentimeter breit und 40 Zentimeter hoch ist jede Seite und gearbeitet wurde auf Kupferplatten, in reiner Strichätzung, Aquatinta und anderen Radiertechniken. Das Tagebuch entwickelte bald eine Art Eigenleben und wurde, wie zahlreiche andere Themen, zur Obsession. Bis zum Schluss behielt er die Eintragungen bei, mehr als 450 Streifen umfasst dieses Werk, das vor einigen Jahren auf eine 40 Meter lange Papierrolle gedruckt als längste Radierung der Welt einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde geschafft hat.

In Himberg bei Wien 1943 geboren, absolvierte Zens die Akademie der bildenden Künste und prägte seine Schüler im Gymnasium ebenso wie später die Studenten, als er selbst lange Jahre Vorstand des Instituts für bildnerische Erziehung an der Akademie war. Schon in relativ jungen Jahren wurde Zens mit der eigenen Endlichkeit in Form von zwei Herzinfarkten konfrontiert. Das hat wohl auch seine Auseinandersetzung mit dem Thema Tod intensiviert.

"Solange der Maler malt, kann ihn der Tod nicht holen", zitierte Zens gerne. Auch wenn er seinen Pinsel, seinen Bleistift und seine Radiernadel nun weggelegt hat: Das farbenprächtige, manchmal explosiv dichte Universum Zens überdauert und ist in einem umfangreichen Querschnitt durch das Leben des Künstlers bis 13. Februar 2020 in der "kleinen galerie" zu sehen.

Text: Verena Kienast

Herwig Zens: Weitermachen ...
22. Jänner 2020 bis 12. Februar 2020

Kleine Galerie
Kundmanngasse 30
A - 1030 Wien

W: http://www.kleinegalerie.at

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© Wiener Volkshochschulen GmbH
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