Heliane Wiesauer-Reiterer – Verdichtungen

Die große Bandbreite ihrer technischen Möglichkeiten rechtfertigt die Bezeichnung von Heliane Wiesauer-Reiterer als "Universalkünstlerin". Sie arbeitet als Malerin, Grafikerin, Fotografin und Bildhauerin, ihre Formate reichen von kleinen Stücken bis zu monumentalen Arbeiten und ihre Arbeitsweise kann sowohl in groß angelegten Serien als auch in Einzelstücken münden.

Fragmentierung, Gliederung, Teilung und Reduktion auf den Kern prägen das Werk der 1948 in Salzburg geborenen Künstlerin. Es geht um Verdichtungen, um das wesenhafte Sein, das sich in der Konzentration auf Kopf, Torso oder abstrahierte Strukturen zeigt. Ihr Anliegen ist die Erfassung grundlegender emotionaler Zustände, die von einer leisen Melancholie durchzogen sind. Die menschliche Figur erscheint häufig gekrümmt, fallend oder fragmentiert als Sinnbild der ausgesetzten Existenz.

Auch in Landschaften und Architekturen bildet die sinnlich wahrnehmbare Realität den Ausgangspunkt. Sie wird jedoch so weit geteilt und reduziert, bis nur noch eine Assoziation bleibt, die das Ganze enthält und sich leichter in den Erfahrungsschatz der Betrachter:innen einfügt. So entsteht bildliche Kommunikation auf hohem Niveau. Wiesauer-Reiterer ist eine der wenigen Malerinnen der „Neuen Wilden“ der 1980er Jahre. Sie ist eine Reduktionistin, ohne dem Neo Geo der 1990er Jahre anzugehören. Sie ist eine Materialkünstlerin, ohne zur Arte Povera zu gehören. Und sie ist eine Spurensucherin, die im gefundenen Material individuelle Qualitäten erkennt. Stein etwa ist für sie Partner im Schaffensprozess: Seine Eigenart dient als Ausgangspunkt für Um- oder Neudeutungen. Ihre tiefe Zuneigung zur Natur prägt alle Werkgruppen. Auch die Fotografien tragen diese Mischung aus Bewunderung und Sorge. Sie verfolgen Struktur und Reduktion durch Verkehrung, Spiegelung, Solarisation und Tonung. Als eine der bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Generation ermöglicht sie Bilderfahrungen von außergewöhnlichem Tiefgang. Eine großzügige Schenkung an das Wien Museum erlaubt nun einen hochrangigen Querschnitt durch ihr gesamtes Œuvre.

Verdichtungen
Heliane Wiesauer-Reiterer
02. Juli bis 29. November 2026