5. Februar 2011 - 2:41 / Ausstellung / Archiv 
9. Dezember 2010 6. Februar 2011

Die Werke des rumänischen Künstlers Mircea Cantor (*1977) erzählen von gesellschaftlichen Utopien und individuellen Träumen in unserer globalisierten Welt, in der Versprechen vielfach gebrochen und Realitäten oft widersprüchlich sind. Häufig erzeugt Cantor mit verblüffend einfachen Gesten und Mitteln eindringliche poetische Bilder zu existenziellen Fragen des Lebens wie etwa Glück, Freiheit, Sicherheit oder Unabhängigkeit.

Für den Videofilm "The Landscape is Changing", 2003 lässt Cantor eine Gruppe von Demonstranten mit Spiegeln statt Transparenten durch die Straßen der albanischen Hauptstadt Tirana ziehen. Die reale Umgebung wird in den schwankenden Spiegelbildern aufgelöst, vervielfacht, verschoben und verzerrt. Ohne konkrete Forderungen oder Proteste entzieht sich diese "Demonstration" jeglichen Eingriffsmöglichkeiten der Polizei und wird zugleich zu einer ambivalenten Erzählung mit offenem Ende.

Eindeutige Antworten offerieren Mircea Cantors Arbeiten nicht, stattdessen geben sie Raum für eigene Interpretationen und Vorstellungen, wie auch die Videoprojektion "Tracking Happiness", 2009 zeigt. Sechs weiß gekleidete Frauen gehen in dieser filmischen Choreographie im Kreis, setzen ihre Fußspuren in den feinen Sand, die jedoch von den Nachfolgenden gleich wieder mit einem Besen ausgelöscht werden. Liegt das Glück in den ganz auf sich selbst konzentrierten und doch gemeinsamen Bewegungen oder vielleicht in der endlosen Wiederholung des behutsamen Legens und Verwischens von Spuren?

Neben Film und Fotografie setzt Cantor ein breites Spektrum verschiedener Medien ein, das von einfachen Materialien und alten handwerklichen Techniken bis hin zu Zeichnungen aus Kerzenruß, Lippenstift oder Fingerabdrücken auf der Wand reicht. Häufig verbindet er Tradition und Moderne, wie etwa in dem für die Expo 2010 in Shanghai geschaffenen vergoldeten Tor Arc of Triumph. Vorbild sind die kunstvoll geschnitzten Holztore, die seit Jahrhunderten die Dörfer der Maramures im Norden Rumäniens prägen. Die mit geschnitzten Symbolen versehenen Eichenholztore gelten als Wahrzeichen eines Gebietes, in dem Holz den größten Reichtum darstellt. Cantor versah sein Holztor nicht mit den traditionellen Symbolen, sondern, als Zeichen des wissenschaftlichen Zeitalters, mit DNA-Strukturen.

Mircea Cantor hat in Oradea (Rumänien) und in Nantes (Frankreich) studiert. 2001 gründete er gemeinsam mit Gabriela Vanga, Cipri Muresan und Nicu Baciu in Cluj-Napoca das Version Magazine. 2004 gewann er den renommierten Prix Ricard für junge Kunst, er lebt mit seiner Familie in Paris und in Rumänien. Die Ausstellung wird realisiert in Zusammenarbeit mit dem Museum Abteiberg in Mönchengladbach und mit dem Kunsthaus Zürich. 2009 ist im Kehrer Verlag Heidelberg ein Künstlerbuch erschienen, das einen nahezu vollständigen Überblick über das bisherige Werk gibt, und die für jede Institution individuell konzipierten Ausstellungen begleitet.

Mircea Cantor. Heilige Blumen
9. Dezember 2010 bis 6. Februar 2011

Kunsthalle Nürnberg
Lorenzer Straße 32
D - 90402 Nürnberg

T: T 0049 (0)911 231 2853
F: F 0049 (0)911 231 3721
E: kunsthalle@stadt.nuernberg.de
W: http://www.kunsthalle.nuernberg.de/

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Monument for the End of the World, 2006. Holz, Windspiel, Ventilator; Courtesy Mircea Cantor und Yvon Lambert, Paris, New York. Foto: Achim Kukulies
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Holy Flowers, 2010. Serie von 12 S/W-Tintenstrahldrucken auf Hahnemühle Archivpapier. Courtesy Mircea Cantor, Dvir Gallery, Tel Aviv und Kunsthalle Nürnberg