22. März 2010 - 2:25 / Bühne / Schauspiel 

Joint venture der Staatsoper Stuttgart und des Schauspiel Stuttgart: In Kooperation mit den diesjährigen Salzburger Festspielen kommt es am 10. Oktober 2009, 19.30 Uhr im Schauspielhaus zu einer besonderen künstlerischen Begegnung: In dem Projekt "Judith" nähern sich die Stuttgarter Ensembles von Oper und Schauspiel dieser biblischen Gestalt in einer Regiearbeit von Sebastian Nübling.

Hebbels gleichnamiges Drama, Texte von Anne Tismer und aus dem Buch Judit sowie Vivaldis Festmusik "Juditha triumphans" von 1716 bilden die Bausteine von Nüblings szenischer Judith-Erkundung. Dabei entwickelt er Regie und Kompositionen dieses Musik-Theaterabends mit Lars Wittershagen, unter dem Dirigat von Lutz Rademacher und im Raum und Kostümen von Muriel Gerstner.

Ist die Figur Judith Tugendheldin oder Schreckbild einer fatalen Weiblichkeit, die der tradierten männlichen Überlegenheit in der Maske der Verführung zu Leibe rückt? Das apokryphe "Buch Judit" aus der Bibel erzählt die Errettung der Stadt Betulia durch Judith als Triumph des Schwachen über das Starke. Gott befreit sein Volk aus der Belagerung durch den scheinbar unbesiegbaren assyrischen Feldherrn Holofernes "durch die Hand einer Frau": Judith schlägt Holofernes mit seinem eigenen Schwert den Kopf ab. Diesem Skandalon, der schillernden Gestalt Judith, welche zweitausend Jahre Kulturgeschichte in Gang gesetzt hat, wie die zahllosen künstlerischen Darstellungen des Motivs am eindrucksvollsten beweisen, spürt Regisseur Nübling nach. Dabei arbeitet er – nach seinem Opernregiedebüt "Carmen" und Schauspielinszenierungen wie "I Furiosi" an den Württembergischen Staatstheatern – erstmals in Stuttgart Sparten übergreifend sowohl mit Sängern, Schauspielern sowie dem Orchester "Il Gusto barocco" zusammen. Das Barock-Ensemble gründet sich für diese Inszenierung und wird auch künftig in Stuttgart eine Konzertreihe gestalten.

Die Hauptfiguren Judith und Holofernes stehen für einen Konflikt jenseits eines Religionskrieges. Mit "Juditha triumphans" verfasste Antonio Vivaldi 1716 eine Festmusik für den Sieg Venedigs über die Türken. Das szenische Oratorium wurde von Orchester, Chor und Solisten des berühmten Waisenhauses "Ospedale della Pietà", in welchem Vivaldi Musik unterrichtete, uraufgeführt. Das reich instrumentierte Werk rekurriert auf Instrumente und Formen des 17. Jahrhunderts; die Vokalpartien sind wie Opernarien gebaut. Rache- und Siegesarien sowie Schlaflieder stehen im Wechsel mit Tänzen, Chören und neuen Musiken von Lars Wittershagen. Mit Friedrich Hebbels Behandlung des gleichen "Judith"-Stoffes hingegen bewegen wir uns in der Sprache des 19. Jahrhunderts und eindeutig in den Sphären eines Geschlechterkampfes.

Der biblische Stoff, auf den sich der Komponist Vivaldi und der Dramatiker Hebbel berufen, bildet die archaische Folie für einen neuen Musik-Theater-Abend der beiden Ensembles von Staatsoper Stuttgart und Schauspiel Stuttgart. Schauspielregisseur Sebastian Nübling, der bereits mit "Carmen" an der Staatsoper seine erste Opernregie vorlegte, entwickelt gemeinsam mit dem Komponisten Lars Wittershagen und dem musikalischen Leiter Lutz Rademacher Regie und Komposition dieses neuen "Judith"-Projektes - eine Reise in die Geschichte westlicher Theater- und Musiktradition.

Die Produktion "Judith" feierte bereits am 27. Juli 2009 in Salzburg Premiere, bei den Festspielen war Sebastian Nübling damit bereits zum zweiten Mal zu Gast.


Friedrich Hebbel / Antonio Vivaldi - Judith
Koproduktion der Staatsoper und des Schauspiel Stuttgart
mit den Salzburger Festspielen 2009
10. Oktober 2009, 19.30 Uhr, Schauspielhaus

Weitere Aufführungen:
15., 23. und 31. Oktober 2009
15., 20. und 29. November 2009
3., 15., 19. und 27. Dezember 2009
11., 20. und 25. Januar 2010
9. und 24. Februar 2010
4., 16. und 29. März 2010

Staatstheater Stuttgart
Oberer Schloßgarten 6
D - 70173 Stuttgart

W: http://www.staatstheater-stuttgart.de/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  10. Oktober 2009 29. März 2010 /
9666-966607.jpg
Jonas Fürstenau (Holofernes), Stephanie Schönfeld (Judith), dahinter: Sebastian Kowski (Holofernes), Sebastian Röhrle, dahinter: Silke Gäng (Mezzosopran), Christopher Kaplan (Tenor), vorne: Anne Tismer (Judith). © Sebastian Hoppe
9666-966609.jpg
Stephanie Schönfeld (Judith), Tajana Raj (Judith). © Sebastian Hoppe
9666-966612.jpg
Tajana Raj (Judith), Dino Scandariato (Holofernes), Sebastian Kowski (Holofernes). © Sebastian Hoppe
9666-966613.jpg
Angelika Lenter (Sopran), Sebastian Röhrle (Holofernes), Jonas Fürstenau (Holofernes), Anne Tismer (Judith), Tibor Brouwer (Bass), Tajana Raj (Judith), Dino Scandariato (Holofernes), Christopher Kaplan (Tenor), Silke Gäng (Mezzosopran). © Sebastian Hoppe
9666-966615.jpg
Anne Tismer (Judith), unten: Tajana Raj (Judith), darüber: Jonas Fürstenau (Holofernes), Stephanie Schönfeld (Judith). © Sebastian Hoppe