4. Mai 2008 - 3:24 / Ausstellung / Archiv 
14. Februar 2008 12. Mai 2008

60 Werke – bei Arp vor allem aus dem Bereich von Collage und Relief, bei Winter konzentriert auf die "biomorphen" Arbeiten zu Beginn der dreißiger Jahre – veranschaulichen in einer Ausstellung in der Pinakothek der Moderne einen künstlerischen Dialog, der auf individueller Ebene – in der Rezeption Arps durch Winter – eine die zeitgenössische Kunstgeschichte prägende Fragestellung spiegelt. Die Reminiszenz Winters an Arp ist umso erstaunlicher, als sich für eine solche künstlerische Wahlverwandtschaft weder bei Arp noch bei Winter biographische Anhaltspunkte bieten.

Hans Arp, einer der schillerndsten Vertreter der Avantgarden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, arbeite kongenial als Dichter, Maler und Bildhauer. Er gehörte zu den Gründern der Dada-Bewegung, stellte mit den Surrealisten aus und war Mitglied von "Cercle et Carré" sowie "Abstraction–Création". Seit 1927 lebte und arbeitete er in Meudon, in der Nähe von Paris. Dort begann er eine neue, durch die Skulptur geprägte Phase seiner künstlerischen Arbeit aufzugreifen.

Fritz Winter hingegen konnte sich zu dieser Zeit nach seiner Ausbildung am Bauhaus gerade erst auf eigene Füße stellen. Paul Klee und Ernst Ludwig Kirchner zählten zunächst zu seinen Vorbildern. Vor dem Hintergrund einer Zusammenarbeit mit Naum Gabo setzte er sich dann mit dem Konstruktivismus auseinander. Fritz Winter entwickelte einen Stil, der von lichtvoller Transparenz, strengen, geometrischen Formen und sphärischer Bewegung geprägt war.

Einige in diesem Zusammenhang "dissonante" Werke versehen Winters "konstruktivistische" Ausrichtung jedoch mit diskrepanten Akzenten. Auf einmal tauchen organische Formen, "natürliche" Materialien, wie Sand oder Stoff, reliefartige Strukturen in Fritz Winters Werk auf. Diese Bilder lassen auf gleichem Boden etwas ganz Anderes, Neues entstehen. 1931 schuf Fritz Winter eine Folge von zwölf Papiercollagen, deren biomorphe Formensprache, asymmetrische Komposition und klare Farbigkeit deutliche Erinnerungen an das Werk Hans Arps wachrufen. Auch eine Reihe von Zeichnungen und Gemälden Winters aus dieser Zeit übernimmt Formelemente von Hans Arp: Der Torso, das vielfach variierte Oval, die weiche, wie von selbst sich zur Form schließende Linie.

Die inspirierende Gegenüberstellung von Werken Hans Arps und Fritz Winters nimmt ein Konzept auf, das den Ausstellungen der Fritz-Winter-Stiftung generell zugrunde liegt, handelt es sich doch jeweils um eine Präsentation von Fritz Winter im Kontext.

Anlässlich der Ausstellungseröffnung wird Olafur Eliasson mit dem Fritz-Winter-Preis 2008 ausgezeichnet. Damit hat die Stiftung einen Preisträger ausgewählt, der nicht nur bildender Künstler ist, sondern der Fritz Winter trotz eines anderen künstlerischen Ansatzes doch in dem für beide prägenden Gedanken nahe steht, dass die Kunst, wie die Wissenschaft, sich die Erforschung der Natur zur Aufgabe macht.


Zur Ausstellung erscheint der Katalog "Fritz Winter – Hans Arp. Dialog ohne Begegnung" mit Beiträgen von Cathrin Klingsöhr-Leroy, Oliver Kase und Bernhart Schwenk (Wienand Verlag, 112 Seiten, 62 farbige Abbildungen, 19,80 Euro, ISBN 978-3-87909-951-1).

Hans Arp – Fritz Winter. Dialog ohne Begegnung
14. Februar bis 12. Mai 2008

Pinakothek der Moderne
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Fritz Winter: Komposition, 1931. Fritz-Winter-Haus Ahlen