Hannah Villiger – „Am Sucher meiner Kamera – das Gefühl: Ich mit dem Objekt“

Das Kunstmuseum St. Gallen widmet der Schweizer Künstlerin Hannah Villiger (1951–1997) eine Kabinettausstellung, die ihr innovatives, genreübergreifendes Werk im Bereich der künstlerischen Fotografie neu beleuchtet. Villiger, die insbesondere für ihre großformatigen, häufig mehrteiligen Werke bekannt ist, die auf Polaroid-Aufnahmen basieren, bezeichnete sich selbst als Bildhauerin, die die Fotografie als ihr Hauptmedium verwendete. Ihr Werk, das Fotografie und Skulptur verbindet, trug maßgeblich zur Erweiterung der Fotografie zu einem künstlerischen Medium bei. Die Kamera diente ihr in erster Linie als Mittel, um die skulpturalen Eigenschaften eines fotografischen Subjekts zu erkunden und aus unterschiedlichen Perspektiven zu untersuchen.

Die Ausstellung präsentiert zentrale Arbeiten aus Villigers ikonischen Block- und Skulpturalserien der 1990er-Jahre zusammen mit weniger bekannten, selten gezeigten Werkgruppen aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Villigers skulpturales Denken ging weit über die Darstellung des eigenen Körpers hinaus. Auch ihre unmittelbare, oft urbane Umgebung – etwa Hochhäuser, Bäume oder Stadtsilhouetten – verwandelte sich in ihren Bildern zu „Körpern”, deren Formen und Oberflächen sie mit der Kamera kartografierte. Ihr Interesse galt stets der Beziehung zwischen dem Selbst und seiner Umwelt. Durch Fragmentierung und Perspektivwechsel hinterfragt ihr Werk konsequent unsere gewohnte Wahrnehmung.

Hannah Villiger (1951–1997) gehört zu den wichtigsten Schweizer Künstlerinnen der 1980er- und 1990er-Jahre. Nach dem Studium des Bildnerischen Gestaltens an der Kunstgewerbeschule Luzern arbeitete sie zunächst als Bildhauerin. Bereits früh wandte sie sich jedoch der Fotografie als ihrem Hauptmedium zu.

Villigers Werk wurde international ausgestellt. 1994 vertrat sie gemeinsam mit Pipilotti Rist die Schweiz an der Biennale von São Paulo.

Hannah Villiger: Sculpting the Self
15. November 2025 bis 30. April 2026