5. März 2009 - 3:51 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Gus Van Sants 1985 entstandenes Debüt ist eine fragmentarisch erzählte und in expressivem Schwarzweiß gefilmte unglückliche homosexuelle Liebesgeschichte, die als Meilenstein des Queer- und Independent-Cinema gilt.

Walt verliebt sich in den illegal in den USA lebenden und kein Wort Englisch sprechenden Mexikaner Johnny. Dieser erwidert allerdings Walts Liebe nicht und so beginnt für den mit seinem Voice-over-Komentar durch den Film führenden Ich-Erzähler ein zielloses – vor allem nächtliches - Stromern durch Portland.

Portland, Oregon war und ist immer wieder Handlungsort von Gus Van Sants Filmen von "My Private Idaho" bis "Paranoid Park". Und immer wieder geht es um die Sehnsüchte von Jugendlichen und um ihre Einsamkeit. Das Begehren ist ganz zentrales Thema dieses Films und wird noch verstärkt durch die melancholischen mexikanischen Songs.

Dieses Begehren und das ziellose Herumstreifen vermittelt Van Sant durch eine fragmentarische, nicht zielgerichtete, sondern mäandernde Erzählweise, bei der sich die Einzelteile wie bei einem Puzzle mehr zu einem Bild, das eindringlich einen Gefühlszustand evoziert, als zu einer Geschichte fügen. – So findet sich schon viel, was die späteren Filme Gus Van Sants bis hin zur Beschäftigung mit der Homosexualität, um die es auch in seinem neuesten Film "Milk" geht, kennzeichnet, schon in diesem auf autobiographischen Aufzeichnungen des Schriftstellers Walt Curtis beruhenden Debüt.

Dass dies so stark wirkt, liegt neben den hervorragenden, sehr frisch und natürlich agierenden Laiendarstellern auch an den Bildern, in denen durch das kunstvolle Spiel mit Licht und Schatten, mit Schwarz und Weiß eine betörende, die Sehnsucht der Figuren direkt ins Visuelle übertragende Atmosphäre evoziert wird. Ganz beiläufig wird dabei auch in dem quasi dokumentarischen Blick auf Straßen und Gassen Einblick in die Lebenssituation von Außenseitern, von illegalen Einwanderern und Schwulen vermittelt.

"Mala Noche" ist ein Film wie ein Gedicht oder ein Musikstück, eine dunkle, schwarze Perle, aus der dann und wann ganz unvermittelt mit einer Videokamera gefilmte farbige Schnipsel herausstechen.



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Mala Noche