7. Oktober 2016 - 2:18 / Ausstellung / Fotografie 
23. Juli 2016 16. Oktober 2016

Warten auf die Queen, John F. Kennedy am Checkpoint Charlie, Uschi Obermaier am Strand von Afrika. Die Momentaufnahmen des renommierten Magazin- und Landschaftsfotografen Guido Mangold gingen um die Welt und prägen bis heute das kollektive Gedächtnis der Deutschen. Das Kunstmuseum widmet dem 1934 in Ravensburg geborenen Fotografen eine Retrospektive. Diese stellt das über fünfzigjährige Schaffen von Guido Mangold von den 1950er Jahren bis in die 1990er Jahre im Überblick vor.

Auftakt der mit über 100 Fotografien sowohl thematisch als auch chronologisch strukturierten Präsentation bilden erstmals gezeigte Fotogramme aus der Studienzeit von Guido Mangold. Diese verweisen auf die experimentellen Anfänge von Mangold, der von 1957 bis 1960 unter anderen bei dem Fotografen Otto Steiner an der Werkkunstschule in Saarbrücken und an der renommierten Folkwangschule in Essen studierte.

Inspiriert von seinem Lehrer Otto Steiner und der Tradition der Moderne reduziert Mangold mittels analoger Schwarz-Weiß-Fotografie die Wirklichkeit zunächst auf grafische Strukturen. Es entstehen eindrückliche Landschafts- und Stadtansichten wie die Kindergräber in der Camargue oder Aufnahmen in den Markthallen von Paris, die vom strengen Steiner-Stil geprägt sind und darüber hinaus bereits schon Mangolds Blick für das Besondere belegen. "Ein Licht-Bild gelingt nur dem", sagt Mangold, "der den atmosphärischen Augenblick erfasst". So spiegeln seine Fotografien neben dem Geschehen auch immer wieder die Haltung und Einfühlungsgabe des Menschen Mangold wider.

In den 1960er Jahren wendet sich Mangold der Porträtfotografie zu. Nach dem Motto "turn the insight out" (Mangold), gelingen ihm eindrucksvolle, überraschend intime Momentaufnahmen aus der Welt von Politik und Showbusiness wie die Bilder von Konrad Adenauer oder Louis Armstrong. Für letzteres wird Mangold mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet und schreibt deutsche Fotografie-Geschichte.

Der internationale Durchbruch als Fotoreporter gelang ihm 1963 mit der Reportage über den Besuch von John F. Kennedy in Deutschland. Im Auftrag von Illustrierten wie twen, Stern oder Geo hält er Zeitgeschichte wie die Beisetzung von Kennedy, den Staatsbesuch der Königin Elisabeth oder ein Konzert der Beatles exklusiv in analoger Schwarz-Weiß-Fotografie fest. Mit dem Aufkommen der Farbfotografie veränderten sich für Mangold dann auch die Bildthemen. Landschaftsaufnahmen und Reisereportagen wie beispielsweise über die Bergbauern in Südtirol gewannen in den 1970er Jahren an Bedeutung.

Neben Reise-Reportagen und Life-Fotografie hat Mangold auch immer wieder Künstler und den Kunstbetrieb porträtiert. Die von Nicole Fritz in enger Zusammenarbeit mit Mangold kuratierte Schau zeigt deshalb nicht zuletzt, welchen Einfluss insbesondere die Bildende Kunst auf den Fotografen bis heute hat.


Guido Mangold. Die Welt mit meinen Augen
23. Juli bis 16. Oktober 2016

Kunstmuseum Ravensburg
Burgstrasse 9
D - 88212 Ravensburg

T: 0049 (0)751 82-810
E: kunstmuseum@ravensburg.de
W: http://www.kunstmuseum-ravensburg.de/

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Der Schweiß am Ende des Blues: Louis Armstrong beim Konzert in der Dortmunder Westfalenhalle, April 1962. (c) Guido Mangold
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Frauen durchbrechen die Absperrung in Berlin, um John F. Kennedy die Hand zu schütteln. Berlin, 26. Juni 1963. (c) Guido Mangold
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Anette Kolb, deutsch-französische Schriftstellerin, Hotel Raspail, Paris, 1959. (c) Guido Mangold