15. Oktober 2021 - 11:26 / Ausstellung 
19. Oktober 2021 24. April 2022

Die Ausstellung beleuchtet exemplarisch die Entstehung und Entwicklung von Künstlerinnen und Künstlergruppen vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen gesellschaftlichen und kulturellen Zeitgenossenschaft. Der gewählte Zeitraum von etwa 1910 bis in die 1980er Jahre umfasst internationale Modernisierungsbewegungen und antikoloniale Befreiungskämpfe.

Beijing, Buenos Aires, Bombay (heute Mumbai), Casablanca, Khartum, Kyoto, Lahore, Łódź, Nsukka, São Paulo, Tokyo: Überall auf der Welt schlossen sich im 20. Jahrhundert Künstlerinnen und Künstler zu Kollektiven zusammen. Die Tendenz zur gleichgesinnten und solidarischen Gruppenarbeit war und ist universell; die Anliegen der Mitglieder, ihre ästhetischen Methoden, politischen Ziele und utopischen Ideen sind jedoch – je nach Zeit und Ort – durchaus verschieden.

Eine Gruppe lebt von Zusammenschluss und Bruch, ihre Dynamik ist unberechenbar: Gemeinsames Arbeiten, Gespräche, Geselligkeit, Rivalität, Freundschaft, Offenheit, Inklusion, Abgrenzung, Ermüdung, Streit, Liebe, Polemik und Enthusiasmus zeichnen sie aus. Gruppen bieten uns ein mögliches Modell, Kunstproduktion überindividuell zu denken: Kunst entsteht nicht im luftleeren Raum, sie basiert auf Austausch und gesellschaftlichem Miteinander.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts nimmt die Mobilität vieler Menschen zu: Künstlerinnen und Künstler stehen im Austausch über ihre Städte und Länder hinaus, Gruppen schärfen ihre Programme in Solidarität mit internationalen Entwicklungen. Die Gründung neuer Kunstschulen und Kollektive, die Veröffentlichung programmatischer Texte oder Zeitschriften begleiten dieses Phänomen.

Die gesellschaftlichen Verhältnisse veränderten sich nachhaltig mit der Moderne: Die Welt wurde kosmopolitischer, zugleich verhärteten sich Klassenunterschiede. Die Moderne markiert einen späten Höhepunkt der europäischen Kolonialherrschaft und gleichzeitig ihr Ende in Form von Befreiungskämpfen in vielen kolonisierten Gegenden der Welt. In Kunst und Kultur fasst der Begriff gegenläufige und einander bedingende Tendenzen wie beispielsweise Fortschrittsglaube und Esoterik, Technikfetischismus und Naturkult. Die eigene Modernität wurde von vielen Künstlerinnen, Künstler und Gruppen als radikales Programm formuliert, eine Tatsache, die sich auch in einer Vielzahl von Manifesten niederschlug.

In ihrem Zusammenspiel zeichnen die in der Ausstellung vereinten Künstlerinnen, Künstler und Werke ein Bild eines dynamischen Mit- und Gegeneinanders, einer komplexen internationalen Welt, in der die Kunst als Kompass dient und als Grund, sich lebhaft und lautstark auszutauschen.

Gruppendynamik – Kollektive der Moderne
19. Oktober 2021 bis 24. April 2022

In der Ausstellung vertretene Kollektive:
Action, Tokyo
Artistas del Pueblo, Buenos Aires
Bombay Progressive Artists‘ Group, Bombay (heute Mumbai)
Casablanca School, Casablanca
Crystalists, Khartum
Grupa »a. r.«, Łódź
Grupo dos Cinco, São Paulo
Khartoum School, Khartum
Kokuga Sosaku Kyokai, Kyoto
Lahore Art Circle, Lahore
Martín Fierro, Buenos Aires
Mavo, Tokyo
Nsukka School, Nsukka
Wuming Huahui / Gruppe ohne Namen, Beijing

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Luisenstraße 33
D - 80333 München

W: http://www.lenbachhaus.de/

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  •  19. Oktober 2021 24. April 2022 /
Grupo dos Cinco, São Paulo - Tarsila do Amaral (Capivari, Staat São Paulo 1886 – São Paulo 1973), Das Schreckgespenst / A Cuca, 1924, Centre national des arts plastiques, Paris FNAC 9459 © Tarsila do Amaral Licenciamento e Empreendimentos Ltda Foto: Yves Chenot
Grupo dos Cinco, São Paulo - Tarsila do Amaral (Capivari, Staat São Paulo 1886 – São Paulo 1973), Das Schreckgespenst / A Cuca, 1924, Centre national des arts plastiques, Paris FNAC 9459 © Tarsila do Amaral Licenciamento e Empreendimentos Ltda Foto: Yves Chenot
Nsukka School, Nsukka - Obiora Udechukwu (born1946 Onitsha, Nigeria), Facing the Unknown / Dem Unbekannten begegnen, 1986, Iwalewahaus Universität Bayreuth © The Artist
Nsukka School, Nsukka - Obiora Udechukwu (born1946 Onitsha, Nigeria), Facing the Unknown / Dem Unbekannten begegnen, 1986, Iwalewahaus Universität Bayreuth © The Artist
Mavo, Tokyo - Tanz (Odori), 1924, Performance von (von links nach rechts): Sumiya Iwane, Okada Tatsuo, und Takamizawa Michinao erschienen in der Zeitschrift Mavo, Bd. 3, September 1924 Foto: Courtesy Otani Shogo
Mavo, Tokyo - Tanz (Odori), 1924, Performance von (von links nach rechts): Sumiya Iwane, Okada Tatsuo, und Takamizawa Michinao erschienen in der Zeitschrift Mavo, Bd. 3, September 1924 Foto: Courtesy Otani Shogo